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Wirtschaft
11/15/2021

Handelsimmobilien-Chef: „Das ist ein Schlag in die Magengrube“

Der Manager von 30 Einkaufszentren über den Lockdown für Ungeimpfte und Impfstraßen als Frequenzbringer

von Simone Hoepke

Für die Händler kommt der Lockdown wieder einmal zur absoluten Unzeit. Der Handelsverband rechnet bereits vor, dass der bundesweite Lockdown für Ungeimpfte pünktlich zum Start ins wichtige Weihnachtsgeschäft den Händlern insgesamt 350 Millionen Euro kosten wird. Schließlich sind damit offiziell rund zwei Millionen Menschen von einem Großteil der Geschäfte ausgeschlossen. Einmal mehr wird ein Kaufkraftabfluss in Richtung Onlinehandel und damit ins Ausland befürchtet.

„Natürlich ist das ein Schlag in die Magengrube“, sagt auch Christoph Andexlinger, Geschäftsführer der Spar European Shopping Center, kurz SES. In den vergangenen Monaten hätten sich die Kaufleute im stationären Handel zurück ins Geschäft gekämpft. „Die Umsätze hatten erstmals wieder das Vorkrisenniveau übertroffen, auch im Textilhandel. Diese Entwicklung wird jetzt ausgebremst“, so der SES-Chef, der für 30 Einkaufszentren, davon 18 in Österreich (u.a. Atrio, Europark, Q19, Huma Eleven, Gerngross, Fischapark, Varena) zuständig ist.

Seine Häuser haben zuletzt ungewöhnliche Kooperationen gestartet, etwa mit dem Kunsthistorischen Museum, dessen Repliken im Europark ausgestellt wurden. Große Events in den Einkaufszentren kann man sich derzeit aufzeichnen. Am ehesten geht in diesem Umfeld wohl noch die Covid-19-Impf- oder Teststation als Frequenzbringer durch. Da muss man aber relativieren, sagt Andexlinger: „Das sehe ich eher als Service. Pro Tag schafft man an so einer Station 300 bis 500 Impfungen. Das ist relativ überschaubar bei 20.000 Besuchern an einem durchschnittlichen Shoppingcenter-Tag.“

Davon, dass stationäre Händler in Zeiten des boomenden Online-Handels generell ein Problem haben, will Andexlinger nichts wissen. „Tot gesagte leben länger, das haben unsere Shoppartner mit den zuletzt wieder gestiegenen Umsätzen bewiesen.“

Von der Politik fordert er, dass diesmal nicht nur die Händler, sondern auch die Handelsimmobilienbetreiber staatliche Unterstützungen bekommen. „Wir, die Betreiber von Handelsimmobilien, haben bisher überhaupt nichts bekommen, obwohl wir nachweislich Umsatzeinbußen hatten.“ Schließlich wurden viele Mieter im Lockdown mit der Bitte um Mieterlass vorstellig. Darauf könne er sich auch jetzt schon wieder einstellen.

Stornowelle

Laut den Berechnungen des Momentum-Instituts kostet der Lockdown für Ungeimpfte der österreichischen Wirtschaft mehr als 40 Millionen Euro pro Tag (ein Lockdown für alle würde demnach 117 Millionen am Tag kosten). Im Bundesländervergleich wären demnach Tirol und Salzburg am stärksten betroffen – Stichwort ausbleibende Touristen. Auch Wien meldet eine Stornowelle. Die Branche ruft einmal mehr nach Wirtschaftshilfen.

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