Geschlossene Geschäfte während der COVID-19-Pandemie

© Kurier / Gilbert Novy

Wirtschaft
04/14/2021

Handel: "Frustrierend, dass Politik nichts Besseres einfällt, als zusperren"

Händler ärgern sich über „Verwirrungen“ bei Antragsstellungen und wenig Cash am Ende der Bürokratie.

von Simone Hoepke

„Hat ein Drittel des Landes zugesperrt, sorgt das in ganz Österreich für Verunsicherung“, sagt Karl Mayr, Chef der Fussl Modestraße. Das oberösterreichische Familienunternehmen hat landesweit 150 Standorte, 50 davon sind in der „Ostregion“ und aktuell geschlossen.

Mayr schätzt, dass ihn die aktuelle Zwangsschließung ungefähr fünf Millionen Euro Umsatz kosten wird. Von der Politik fühlt er sich „absolut gar nicht aufgefangen. Die staatlichen Hilfen kann man vergessen“, sagt Mayr und rechnet vor, dass ihm im ersten Lockdown im Frühjahr des Vorjahres 24 Millionen Euro Umsatz entgangen sind. „Wir sind auf Ware im Einkaufswert von elf Millionen Euro sitzen geblieben, die wir dann verschleudert haben. Dafür bekommen wir voraussichtlich eine Unterstützung von rund 150.000 Euro. Man könnte sagen, so gut wie nichts“, ärgert sich der Unternehmer, der erst jetzt die Hilfen für den ersten Lockdown beantragt.

„Das ist ja alles furchtbar kompliziert, es gibt dauernd neue Verwirrungen und zum Schluss kommt nichts raus.“ Es sei „frustrierend, dass den Politikern nichts Besseres einfällt, als uns zuzusperren, obwohl längst bewiesen ist, dass der Handel nicht fürs Infektionsgeschehen verantwortlich ist.“

Kurzarbeit in Etappen

Gut funktioniert habe die Abwicklung der Kurzarbeit, sagt der Modehändler – der in der Coronazeit keine Mitarbeiter gekündigt hat – etwas versöhnlich und schiebt nach: „Aber das werte ich nicht als Unterstützung für das Unternehmen.“ Es gehe dabei ja mehr um das volkswirtschaftliche Ziel, die Arbeitslosenzahlen einigermaßen im Griff zu halten. Ähnliches ist von C&A-Chef Norbert Scheele zu hören. „Die Ostregion ist die umsatzstärkste in Österreich“, sagt Scheele. Allein am Standort in der Mariahilfer Straße hat der Textilhändler nun wieder 80 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet. Die größte Herausforderung sei, dass es keine Planbarkeit gibt. Zunächst war von vier Tagen Osterruhe in der Region die Rede, eine Zeit, die in vielen Filialen mit Urlaubs- und Überstundenabbau überbrückt hätte werden können. Doch dann die Verlängerung und doch wieder Kurzarbeitsanträge. „Unsere Lohnverrechner gehen an die Decke“, sagt Scheele.

Ähnliches ist von Intersport zu hören. „Die aktuellen Schließungen im Osten treffen uns massiv – vor allem die gerade neu eröffneten Standorte in Wien und Parndorf. Leider ist aus heutiger Sicht die Kurzarbeit kaum einsetzbar, da die Dauer nicht berechenbar ist.“

Seit einem Jahr in der Warteschlange

Dazu kommt, dass die Staatshilfen gerade bei großen Unternehmen, bei denen es um große Summen geht, auf sich warten lassen, ist vielerorts zu hören. So auch bei C&A. „Wir warten noch immer auf den Fixkostenzuschuss für den ersten Lockdown“, sagt Scheele. Und der Umsatzersatz sei für Unternehmen mit vielen Standorten ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen, da er mit 800.000 Euro pro Unternehmen gedeckelt war.

Im Vergleich zum Textilhandel ist der Möbelhandel bis zuletzt relativ gut durch die Krise gekommen. Viele haben ins Eigenheim investiert, doch damit ist langsam Schluss, fürchtet Thomas Saliger von der Möbelhauskette XXXLutz (XXXLutz, möbelix, mömax): „Konsum ist ja auch immer Stimmung und die Konsumlaune geht verloren.“ Seine Gruppe macht 40 Prozent des Österreich-Umsatzes in der Ostregion, die Geschäftsausfälle sind dementsprechend hoch. Dennoch ist Saliger mit Blick nach Deutschland (wo die Gruppe auch zahlreiche Standorte hat) einigermaßen zufrieden: „Das ewige Auf- und Zusperren in Österreich ist noch immer besser als der Dauerlockdown in Deutschland.“

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