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Wirtschaft
08/23/2021

Zahl der Friseur-Lehrlinge um mehr als ein Drittel eingebrochen

Die Branche kämpft mit fehlendem Nachwuchs, 3G und Kunden, die sie an die Schattenwirtschaft verlieren

von Simone Hoepke

Aus Sicht von Wolfgang Eder ist die Situation zum Haare raufen.

Der Friseurmeister und Branchensprecher sucht zwei zusätzliche Mitarbeiter für seinen Salzburger Betrieb, aber niemand bewirbt sich. „Das AMS ist weder in der Lage, mir eine Fachkraft noch einen Lehrling zu schicken. Ich kann die AMS-Statistiken nicht glauben, wonach es Friseure im Land gibt, die einen Job suchen“, wettert Eder. Viele seiner Kollegen – laut einer aktuellen Umfrage will ein Siebentel der Betriebe Mitarbeiter einstellen – würden deshalb freie Stellen schon gar nicht mehr ans AMS melden. „Ich bin seit 1984 im Geschäft, aber so eine Situation wie jetzt habe ich noch nie erlebt.“

Dass seine Branche ein Imageproblem hat, will Eder gar nicht leugnen. Haben früher ganze Generationen von Mädchen den Berufswunsch „Friseurin“ ins Stammbuch geschrieben, fehlt heute der Nachwuchs.

Die Zahl der Lehrlinge ist allein zwischen 2010 und 2020 um 38 Prozent gesunken. Nicht jeder will den ganzen Arbeitstag lang stehen – und das bei vermeintlich überschaubarem Gehalt. Das Argument, dass der Job schlecht bezahlt ist, will wiederum Eder so nicht stehenlassen. Zwar liege das Einstiegsgehalt bei 1.522 Euro brutto im ersten Berufsjahr, doch ab den 6. Jahr sei man laut Kollektivvertrag bei 1.749 Euro angelangt. Und das sei noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. „Gute Friseurinnen verdienen deutlich mehr,  da sie oft über Prämiensysteme am Umsatz beteiligt sind. Damit kommen oft noch einmal 50 bis 60 Prozent auf das KV-Gehalt drauf“, behauptet der Branchensprecher.

Bleibt die Frage, wie die Geschäfte der landesweit 9.000 Friseursalons derzeit generell laufen – Stichwort Corona.

Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass ein Drittel der befragten Kundinnen noch immer seltener zum  Friseur geht als vor der Krise. Hauptgrund ist die 3-G-Regel, die vor allem junge Menschen, die noch nicht geimpft sind, als Hürde empfinden.

Gleichzeitig geben potenzielle Kunden an, dass sie sich neuerdings im Familien- oder Freundeskreis die Haare machen lassen. Was übersetzt wohl so viel heißt, wie dass die Schwarzarbeit blüht.

Dazu kommt das Preisdumping am Markt, das Eder schon lange Sorgen bereitet. „Jemand, der nach kaufmännischen Prinzipien kalkuliert, kann keinen Haarschnitt um 15 oder 18 Euro anbieten“, sagt er. Das ginge nur, wenn man an der Steuer vorbei arbeitet bzw. die Beschäftigten nicht ordnungsgemäß anmeldet. Apropos Steuer: Bei der Mehrwertsteuer wünscht sich Eder eine Erleichterung nach niederländischem Vorbild. „Dort wurde 2005 die Mehrwertsteuer für einige Branchen – darunter Friseure – von 20 auf 10 Prozent gesenkt. Das hat nachweisbar dazu geführt, dass mehr und höhere Gehälter bezahlt wurden.“ In Österreich würde bei Steuererleichterungen aber immer nur vom Tourismus geredet werden, ärgert sich der Branchenvertreter.

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