Fragen zu Lehrabschluss, Zeugnissen, Homeoffice oder Kurzarbeit

┬ę APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
11/05/2020

Weniger Lehrlinge: Corona bremst Lehre aus

Heuer haben weniger Jugendliche eine Lehre begonnen. Das liegt mitunter an der Corona-Pandemie.

Die Zahl der Lehrlinge ist heuer in der Coronakrise gesunken. In den ersten zehn Monaten des Jahres bis Ende Oktober haben ├Âsterreichweit 31.438 Jugendliche eine Lehre begonnen, ein Minus von 8,9 Prozent gegen├╝ber dem Stichtag im Vorjahr.

Das geht aus Zahlen der Wirtschaftskammer hervor, die der APA vorliegen. Besonders hoch war der R├╝ckgang in Wien mit 14,5 Prozent sowie im Tourismus mit 26,2 Prozent. Paradoxerweise blieben im Tourismus dennoch viele Lehrstellen unbesetzt.

Weniger Schulabbrecher

Der R├╝ckgang ist nicht nur auf die Coronakrise zur├╝ckzuf├╝hren. Lehrlingsexperten der Wirtschaftskammer sch├Ątzen, dass gut die H├Ąlfte des Minus coronabedingt ist. Die Zahl der Lehrlinge sei schon in den Jahren davor gesunken, hie├č es. Nach geburtenstarken Jahrg├Ąngen sei die Zahl der 15-J├Ąhrigen zuletzt r├╝ckl├Ąufig gewesen. Dazu sei heuer ein Sondereffekt gekommen, der indirekt mit der Corona-Pandemie zusammenh├Ąngt. Viele Sch├╝ler durften heuer n├Ąmlich trotz F├╝nfer aufsteigen. Damit habe es am Lehrlingsmarkt weniger Schulabbrecher gegeben.

Rechnet man die ├╝bertriebliche Lehre heraus, sind heuer 29.089 Jugendliche in ihren Lehrberuf gestartet, ein R├╝ckgang um 8,0 Prozent. Generell zeigte sich der Lehrlingsmarkt bisher weitgehend stabil. Aktuell absolvieren 102.187 Lehrlinge ├Âsterreichweit in tausenden Unternehmen eine Lehre, das ist gegen├╝ber dem Vorjahr ein R├╝ckgang von nur 0,6 Prozent. Der Gro├čteil der Firmen hat in der Krise seine Lehrlinge gehalten, allerdings auch weil diese erstmals auch in Kurzarbeit geschickt werden konnten.

Katastrophe ausgeblieben

Aus Sicht der Wirtschaftskammer ist die bef├╝rchtete Katastrophe ausgeblieben. Insbesondere in der Sparte Gewerbe & Handwerk, wo fast die H├Ąlfte der Lehrlinge ausgebildet wird, ging die Zahl der Lehranf├Ąnger mit einem Minus von 5,5 Prozent unterdurchschnittlich stark zur├╝ck. Auch der Handel erwies sich als stabilisierender Faktor mit einem R├╝ckgang von nur 3,9 Prozent. In der Industrie lag das Minus mit 12,3 Prozent ├╝ber dem Schnitt, einen regelrechten Einbruch um mehr als ein Viertel gab es in der Freizeitwirtschaft.

Trotz des gro├čen Minus bei Lehranf├Ąngern in Berufen aus der Gastronomie und der Hotellerie, gibt es hier laut Wirtschaftskammer weiterhin deutlich mehr offene Lehrstellen als Suchende. Das d├╝rfte einerseits damit zusammenh├Ąngen, dass die Lehrstellen vor allem im Westen ├ľsterreichs sind, die Bewerber aber im Ost├Âsterreich zuhause sind. Andererseits hat die Branche durch ihre Anf├Ąlligkeit gegen├╝ber der Pandemie wohl auch an Attraktivit├Ąt eingeb├╝├čt. Auch in bestimmten Industrieberufen war das Minus gro├č, etwa in der Luftfahrtechnik. Auch beim Lehrberuf Veranstaltungstechnik und bei pers├Ânlichen Dienstleistungen gab es deutliche R├╝ckg├Ąnge.

"Dass es Ende Oktober einen ├ťberhang offener Lehrstellen gibt, beweist, dass die Unternehmen nach wie vor einen gro├čen Bedarf haben", schlussfolgert die Wirtschaftskammer. Der R├╝ckgang der Lehranf├Ąnger sei zu einem guten Teil darauf zur├╝ckzuf├╝hren, dass viele offene Lehrstellen aus Mangel an geeigneten Bewerbern nicht besetzt werden k├Ânnen. Im Jahresdurchschnitt gab es in folgenden Berufen den gr├Â├čten Lehrstellen├╝berhang: Einzelhandel, Metalltechnik, Restaurantfachmann/ -frau, Koch/K├Âchin und Elektrotechnik.

Normalerweise beginnen die meisten 15-J├Ąhrigen im September ihre Lehre. Aufgrund der Coronapandemie und der im Fr├╝hjahr ausgefallenen Berufsorientierung an den Schulen kam es heuer zu Verz├Âgerungen. "Aus Deutschland und von R├╝ckmeldungen heimischer Unternehmen wissen wir, dass heuer viele Lehrvertr├Ąge 'auf dem letzten Dr├╝cker' abgeschlossen werden", sagte WK├ľ-Lehrlingsexperte Alfred Freundlinger. Die Einsch├Ątzung der Kammer ist, dass durch eine Verl├Ąngerung des Lehrlingsbonus bis Jahresende noch zus├Ątzliche Lehrstellen geschaffen werden k├Ânnten.

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