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Wirtschaft von innen
02/04/2020

Friesacher verabschiedet sich von der OMV

Eigene Firmengruppe des eifrigen Netzwerkers wird immer größer, Konzernchef Seele verliert Vertrauten.

von Andrea Hodoschek

Wenn man’s wortwörtlich nimmt, müssten die besten Jahre für Markus Friesacher, gerade erst 45 geworden, eigentlich schon wieder vorbei sein. Nach 20 Jahren Selbstständigkeit erlebe er „jetzt die schönsten Jahre in der OMV“, schwärmte er 2018 in einem trend-Interview über seinen Job im Öl- und Gaskonzern.

Mit 1. Februar hat sich Friesacher vom teilstaatlichen Energieversorger verabschiedet. Ein OMV-Sprecher bestätigt: „Herr Friesacher hat das Unternehmen verlassen, um sich auf seine wachsende Firmengruppe zu konzentrieren.“

Unternehmensintern kommt der Abschied des ehemaligen Rennfahrers nicht so überraschend.

Wenig präsent

In den vergangenen Monaten wurde Friesacher nicht mehr sehr häufig in seinem Büro im Headquarter gesehen. In und außerhalb des Konzerns wird heftig über die Gründe spekuliert. Wer wirft schon locker einen hoch dotierten Job als Senior Vice President hin, direkt unterhalb der Vorstandsebene der OMV. Wenn er obendrein als der engste Vertraute von Konzern-Boss Rainer Seele gilt.

Der Salzburger Gastronomensohn, Ex-Rennfahrer, Unternehmer und Investor hat ein eng gesponnenes Netzwerk. In die Politik, in Wirtschaftskreise und zum Sport.

Gute Kontakte

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz unterstützte ihn in den 1990-er Jahren als ambitionierten, aber nicht rasend erfolgreichen Formel-3000-Fahrer. Bundeskanzler Sebastian Kurz nahm Friesacher im Vorjahr mit nach Abu Dhabi. Mit ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel ist Friesacher ebenso per Du wie mit Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. In grauer Vorzeit war Friesacher kurz Mitglied der FPÖ, trat dann aber aus. Während der türkis-blauen Regierungsbildung brachte er sich selbst als Wirtschaftsminister ins Gespräch.

Mit seinem Netzwerk im Hintergrund diente Friesacher dem OMV-Boss in der offiziellen Funktion eines Büroleiters. Mit Friesacher hatte der Deutsche Seele, der in Österreich niemanden kannte, einen Türöffner.

Nach dem jähen Abgang des Strategiechefs übernahm Friesacher vorübergehend auch dessen Funktion. Damit bekam er endgültig den Überblick über Österreichs größtes börsenotiertes Unternehmen.

Hofer-Tankstellen

Seele kaufte Friesacher sozusagen bei der Übernahme der Hofer-Tankstellen (FE-Trading) Ende 2015 mit ein. Die OMV hatte die von Friesacher gegründete Diskont-Kette um 57 Millionen Euro übernommen, 31 Millionen flossen in die Abdeckung von Verbindlichkeiten. Den Rest erhielten die Verkäufer Friesacher und sein damaliger Partner, der Immo-Tycoon René Benko.

Dass Friesacher acht Tankstellen behielt, wurde in der Branche, nicht jedoch in der OMV als unvereinbar gesehen. Eine vom Aufsichtsrat 2019 angeregte interne Prüfung des Tankstellen-Deals über mögliche Provisionsflüsse ergab keine Verdachtsmomente.

Fünfter Vorstandsposten

Insider vermuten, Friesacher könnte auf den Aufstieg in den Konzern-Vorstand gehofft haben. Die Besetzung einer zusätzlichen, fünften Vorstandsposition mit einem Jahressalär in der Größenordnung von 1,3 Millionen Euro ist überfällig. Der Job ist nach wie vor nicht besetzt, die OMV sucht dafür immer noch eine Frau.

Friesacher hat seine Firmengruppe während seiner OMV-Tätigkeit tüchtig ausgebaut. Investments in Immobilien, in einen Olivenhain in Istrien, in eine Speckerzeugung und 2018 übernahm er von Maximilian von Moy die traditionsreiche Gmundner Keramik mit 130 Mitarbeitern. Im Vorjahr folgte dann der Einstieg ins Daten-Business als 20-Prozent-Miteigentümer des Österreich-Ablegers der britischen Green Edge Cloud Ltd. 2018 wies seine Holding AP Trading einen kumulierten Bilanzgewinn von 21,67 Millionen Euro aus.