Wirtschaft
18.11.2018

Wirbel hinter den Kulissen der OMV-Diskonttochter

Probleme im Management - und der ursprüngliche Expansionskurs ist stark eingebremst.

Der ehemalige Rennfahrer Markus Friesacher zeigte vor, wie man erfolgreich ein Unternehmen gründet. Die von ihm aufgezogene Diskont-Tankstellenkette FE-Trading ist als „Hofer Tankstelle“ jedem Autofahrer in Österreich bekannt. Doch seit Friesacher sein Unternehmen Ende 2015 an den teilstaatlichen Öl- und Gaskonzern OMV verkaufte und sich 2017 konzernintern aus dem Tankstellen-Bereich verabschiedete, ist Sand ins Getriebe gekommen.

Der Netzwerker Friesacher ist nicht mehr fürs Tankstellengeschäft zuständig, sondern ist als Senior Vice President (Management-Ebene direkt unter dem Vorstand) der Cheflobbyist von Konzern-Boss Rainer Seele. Die Hofer-Tankstellen wurden mit den Avanti-Stationen, der ursprünglichen Billig-Schiene der OMV, zusammengelegt. Das gemeinsame Dach firmiert als Avanti.

Die OMV zahlte 57 Millionen Euro für die FE-Trading. 26 Millionen gingen an Friesacher und seinen Finanz-Partner, den Immobilien-Tycoon René Benko, der Rest floss in die Tilgung von Verbindlichkeiten. Friesacher hat sich inzwischen das Traditionsunternehmen Gmundner Keramik gekauft.

Die OMV argumentierte den Kauf mit Effizienz und Expansionspotenzial und machte ein gutes Geschäft. Bei den Instandhaltungs- und Wartungskosten waren die Tankstellen der FE-Trading um bis zu 70 Prozent kostengünstiger als Avanti, flexibel die Belegschaft, flach die Hierarchie. Friesachers Truppe hatte eine ehrgeizige Expansion vorbereitet, vor allem in Deutschland mit der Hofer-Mutter Aldi Süd. Das Team hatte es ja auch geschafft, in wenigen Jahren österreichweit eine Kette aufzustellen. Und die OMV kaufte sich zusätzlichen Raffinerie-Umsatz.

Heute betreibt die Firma 140 Avanti Tankstellen und 73 Diskont-Stationen auf Hofer-Parkplätzen. Außer den Verträgen für die Standorte hat der Lebensmitteldiskonter nichts mit den Zapfsäulen zu tun.

Doch bald nach der Übernahme begannen die Probleme im Management. Die Geschäftsführer gaben einander die Türklinke in die Hand, in nicht einmal zwei Jahren ist der dritte Chef am Ruder. Der aktuelle Geschäftsführer Holger Hirmann kommt aus der Welt des Fast Food. Er suchte bei McDonald’s Standorte und wurde von Downstream-Vorstand Manfred Leitner geholt.

Innerhalb eines Jahres dürfte Hirmann, Senior Vice President für den Discount Retail, beinahe das gesamte Management entfernt haben. „Er holzt in die Belegschaft, unabhängig davon, ob es sich um ehemalige Friesacher-Leute oder um OMV-ler handelte“, hört man aus dem Konzern. Das Betriebsklima sei am Sand, die Mannschaft völlig verunsichert, Leute würden strafversetzt, ein Experte, der frustriert gekündigt hatte, wegen Personalknappheit wieder zurück geholt, sogar von Bossing (Mobbing durch den Chef) ist die Rede.

Die OMV jedoch dementiert offiziell Managementprobleme, zu einzelnen Arbeitsverhältnissen äußere man sich generell nicht.

In der OMV wird auch kolportiert, dass man von den Expansionszielen weit entfernt sei. Der ursprüngliche Kooperationsvertrag der FE-Trading mit Hofer in Österreich hatte 100 Tankstellen vorgesehen. Doch Hirmann soll die meisten der weiteren Standorte als unwirtschaftlich abgelehnt haben.

Tanken bei Aldi Süd

Friesacher selbst hatte noch die Expansion mit Aldi Süd in Deutschland angekündigt und von 200 Automaten-Tankstellen gesprochen. Im ersten Schritt seien 10 Stationen auf den Parkplätzen geplant gewesen, erklärt dazu die OMV. Derzeit gibt es acht Avanti-Tankstellen, nur drei davon bei Aldi Süd. Zwei seien in Bau und für weitere laufen die Genehmigungsverfahren. Brancheninsider fragen sich außerdem, warum die Stationen bei Aldi Süd unter der Marke Avanti ausgeschildert sind und nicht als Diskont-Tankstellen.

Die offizielle Erklärung für den langsamen Fortschritt: Man beobachte die Absatzentwicklung an den neuen Automatentankstellen. Nachdem das Konzept einer solchen Tankstelle in Deutschland „noch eher ungewohnt ist, entscheidet für Avanti letzten Endes die Kundenakzeptanz darüber, ob mittelfristig weitere Automatentankstellen errichtet werden“. Klingt nicht gerade nach dynamischen Wachstumsplänen.

Ebenso in Slowenien. Hier waren zu Friesachers Zeiten angeblich 25 Tankstellen geplant. Derzeit betreibt die OMV nur sechs Tankstellen auf Hofer-Parkplätzen, zwei weitere sind in Bau und werden unter der Marke Avanti eröffnet. „Auch hier gilt, dass wir die Entwicklung beobachten“, heißt es dazu von der Presseabteilung.

In Ungarn waren unter Friesacher 30 Tankstellen konzipiert. Tatsächlich in Betrieb sind derzeit lediglich drei Stationen.

"Im Plan"

Die OMV erklärt trotzdem: Das Diskont-Tankstellengeschäft „wächst und entwickelt sich nach unseren Vorstellungen“. Die Expansionspläne seien „im Plan“, man sehe Automatentankstellen als ein Segment mit Wachstumspotenzial. Der Cashflow lag 2017 bei 2,6 Millionen Euro.

Viele verärgerte Kunden soll sich die OMV übrigens mit der Umstellung der Kunden-Diskontkarten von FE-Trading auf Avanti eingehandelt haben. Der Wechsel wurde offenbar nicht entsprechend kommuniziert und viele überraschte Kunden wussten mit den Namen Avanti bei der Abbuchung von ihrem Bankkonto nichts anzufangen. Etliche Kunden sollen daraufhin den Bankeinzug zurückgeholt haben. andrea.hodoschek