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Wirtschaft
05/27/2021

Flughafen-Chef Julian Jäger: "Billigflieger kommen zurück"

Warum Julian Jäger mit steigenden Ticketpreisen in Richtung USA rechnet und nicht jeder angekündigte Flug auch stattfindet.

von Simone Hoepke

KURIER: Reisebüro-Chefs raten, schnell den Urlaub zu buchen. Aus Eigeninteresse oder werden freie Plätze in Fliegern wirklich knapp?

Julian Jäger: Ich denke, der Aufruf ist berechtigt. Selbst im Vorjahr waren die Maschinen letztlich voll besetzt. Dazu kommt, dass diesen Sommer die meisten innerhalb der EU reisen werden. Beliebte Destinationen fallen wegen der Infektionszahlen weg, die Nachfrage nach anderen Reisezielen nimmt dafür zu. Will man zum Beispiel nach Griechenland, sollte man also wirklich schnell buchen. Freie Kapazitäten werden knapp, die Preise gehen damit sukzessive nach oben.

Ist die Zeit der Billigflüge überhaupt vorbei?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Das kommt darauf an, von welcher Destination wir reden. Ich denke, dass vor allem die Ticketpreise Richtung Nordamerika anziehen werden.

Warum?

Die Nachfrage wird schnell wieder zurück sein. Schon allein wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen wird es Nachholeffekte geben. Die Strecken werden aber ausschließlich von US-Airlines und Fluglinien aus Europa geflogen und diese werden mit dem Angebot zurückhaltend sein. Unter anderem, weil sie die Krise dazu genutzt haben, ihre alten Flieger in die Pension zu schicken. Steigende Nachfrage gepaart mit einem verhaltenen Angebot führen dann zu steigenden Preisen.

Städteflüge innerhalb Europas zum Preis eines Mittagsmenüs wird es aber weiterhin geben?

 

Kommt darauf an, wohin. Auf jenen Strecken, auf denen zum Beispiel die Ryanair und WizzAir gegeneinander anfliegen, bestimmt. Dass die Billigflieger zurückkommen, steht außer Frage. Allein die Ryanair hat 200 neue Maschinen bei Boeing bestellt.

 

Welche Strecken werden am schnellsten wieder aufgenommen werden?

Als erstes kommt das Thema „visiting friends“ zurück, also jene Strecken, die Freunde und Familien zusammenbringen. Unter anderem also deutsche Städte. Schnell wieder hochgefahren werden zudem klassische Urlaubsdestinationen am Meer, das Städte-Segment wird noch länger leiden.

Und Geschäftsreisen nach Frankfurt?

Die Zeiten, in denen man für ein zweistündiges Meeting nach Frankfurt geflogen ist, sind vorerst vorbei. Die Menschen haben gelernt, mit Videokonferenzen zu leben. Das werden wir im Geschäftsreisesegment mitunter spüren.

In welches Land gibt es aktuell die meisten Flugverbindungen ab Wien?

Spitzenreiter ist derzeit Italien mit 150 Abflügen pro Woche, darunter Hochfrequenzstrecken wie Rom oder Mailand. Zum Vergleich: 2019 waren 190, im Vorjahr nur 100 die Woche.

Die Airlines überschlagen sich förmlich mit Ankündigungen von neuen Strecken. Geht es hier um Ankündigungspolitik oder wird wirklich alles geflogen, was angekündigt wird?

Vor zwei Jahren hätte ich gesagt, was angekündigt wird, ist fix. Aber bei den derzeitigen Unsicherheiten wird ständig evaluiert und angepasst.

Die EU hat sich auf ein gemeinsames Gesundheitszertifikat geeinigt, den Grünen Pass. Er soll mit 1. Juli kommen. Ist damit von heute auf morgen Reisen wieder ohne viel Papierkram möglich?

Das ist das klare Ziel und ich würde mich freuen, wenn das so bald wie möglich kommt. Die technische Umsetzung ist allerdings schon eine Herausforderung. Die Einigung ist aber schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Weniger in die richtige Richtung geht laut Ihrer Meinung wohl die Idee von EU-Klimakommissar Fans Timmermans, Kurzstreckenverbindungen unter der Marke von 800 Kilometern zu streichen, um die Umwelt zu schonen ...

... das sind doch rein populistische Ansagen. 90 Prozent der Kurzstreckenflüge nach Wien sind Zubringer. Fallen sie weg, werden die Passagiere über Paris, Frankfurt oder Zürich fliegen und die Klimabilanz wird um nichts besser sein. Im Übrigen ist die Flugbranche für gerade einmal zwei Prozent des weltweiten -Ausstoßes verantwortlich. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich von Bahnverbindungen wie Wien-Berlin in vier Stunden lese. Da steht dann im Kleingedruckten, „ab dem Jahr 2035“ ...

Unbestritten ist, das derzeit ohnehin wenig geflogen wird. Wie schauen die Verkehrszahlen am Flughafen Wien-Schwechat aus?

Bei den Passagieren liegen wir bei zehn Prozent des Normalniveaus, bei den Flügen bei 20 Prozent. Die Auslastung in den Maschinen ist dramatisch gesunken. Aber seit den ersten Reiselockerungen geht es steil bergauf, in den vergangenen Tagen immerhin um 40 Prozent.

Wie könnte es in der Hochsaison ausschauen?

Normalerweise haben wir im Juli, August und September 100.000 Passagiere am Tag, diesen Sommer halb so viele zu erreichen, ist unser Ziel.

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