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Chronik Österreich
05/25/2021

Augenzeugen: Menschenmassen ohne Abstand am Flughafen Wien

Nach KURIER-Recherchen sollen ankommende Reisende aus sicheren Ländern künftig nur noch stichprobenartig kontrolliert werden.

von Andreas Puschautz

Das vergangene Pfingst-Wochenende war für viele die perfekte Gelegenheit, erstmals nach den langen Monaten des Lockdowns Österreich zumindest für einen Kurzurlaub zu verlassen. Möglich wurde das durch die am 19. Mai in Kraft getretenen Lockerungen, im Zuge derer auch die zehntägige Pflicht-Quarantäne nach der Einreise aus insgesamt 35 Staaten aufgehoben wurde.

Die 3G-Regel gilt jedoch weiterhin: Wer nach Österreich einreisen will, muss also geimpft, genesen oder getestet sein. Zusätzlich ist auch eine Vorab-Registrierung vor der Einreise notwendig (siehe Infobox unten) – und beides, also 3G-Regel und Registrierung, werden auch kontrolliert. Das führte am Pfingstmontag nicht nur an den Autobahngrenzübergängen zu Staus, sondern auch am Flughafen Wien-Schwechat, wie mehrere Passagiere dem KURIER berichteten.

Menschenmassen

So sei es bei der Einreise aus EU-Ländern vor den Gesundheitskontrollen zu langen Schlangen gekommen. Richtiggehende „Menschenmassen“ hätten sich in dem engen Gang befunden, in dem die Checks durchgeführt werden. Die Maskenpflicht sei zwar weitgehend eingehalten, Lautsprecher-Aufforderungen zur Einhaltung des Mindestabstands aber weitgehend ignoriert worden.

Vorab-Registrierung
Wer nach Österreich einreisen möchte, muss sich vorab, jedoch frühestens 72 Stunden vor der Einreise, elektronisch registrieren („Pre-Travel-Clearance“).

3G-Regel
Auch am Flughafen gilt zusätzlich die 3G-Regel: Wer einreisen will, muss entweder geimpft, genesen oder getestet sein.

Quarantäne
Für Reisende aus aktuell 35 Staaten mit geringem Infektionsgeschehen – darunter der Großteil der EU – entfällt seit 19. Mai die ansonsten verpflichtende Einreise-Quarantäne.

Information
Die häufigsten Fragen zur Einreise nach Österreich beantwortet das Gesundheitsministerium hier.

Noch wildere Szenen werden von der Ankunft aus Drittstaaten geschildert. Ein aus Montenegro gekommener Passagier erzählt, nach der Landung auf einer Außenposition wären die Fluggäste per Bus zur Passkontrolle gebracht worden. Dort hätten sich die Ankommenden unterschiedlicher Flüge vermischt, Sicherheitsabstände wären trotz entsprechender Bodenmarkierungen nicht eingehalten worden, man sei in der niedrigen und schlecht belüfteten Halle „Rücken an Rücken gestanden“ (siehe großes Bild oben).

Ständig hätten Busse weitere Menschen gebracht, die sich in die Halle drängten; Sicherheitspersonal habe er keines gesehen, so der Passagier.

Ausnahmesituation

Seitens der Landespolizeidirektion NÖ hieß es, man habe in Erwartung des starken Reisewochenendes die Kräfte am Flughafen verstärkt und laufend „Gesundheitsstreifen“ durchgeführt. Man habe auch mehrere geringfügige Verstöße abgemahnt, „aufsehenerregende Amtshandlungen“ wären aber ebenso wenig verzeichnet worden wie Unmutsäußerungen wegen langer Wartezeiten.

Seitens des Flughafens wird betont, man nehme die Covid-19-Maßnahmen sehr ernst, weise im Terminalbereich auch laufend darauf hin und stehe darüber hinaus in enger Kooperation mit den Behörden. Im Regelbetrieb funktioniere das auch sehr gut und der Mindestabstand sei kein Problem. Wenn wie am Montag jedoch mehrere Flugzeuge kurz hintereinander landen, könne es aber vorkommen, dass der Mindestabstand „nicht flächendeckend“ eingehalten werden könne, sagte Flughafen-Sprecher Peter Kleemann.

Das sei jedoch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln zu Stoßzeiten so. Zusätzlich gebe es leider viele Passagiere, die die Vorab-Registrierung nicht durchgeführt hätten, was den Ablauf zusätzlich verzögere.

Die Kontrollen an anderer, luftigerer Stelle durchzuführen, sei aus baulichen Gründen keine Möglichkeit, so Kleemann. Bis zur Einführung eines digitalen „Grünen Passes“ sehe er auch keine andere Möglichkeit, die Ankommenden schneller abzufertigen. Darum begrüße man die entsprechenden Bemühungen der Bundesregierung.

Ministerium reagiert

Im Gesundheitsministerium erfuhr man erst durch die KURIER-Anfrage von den chaotischen Szenen am Flughafen – und reagierte schnell. Es werde bereits ein Erlass ausgearbeitet, der es den Behörden künftig erlauben wird, „risikobasierte Kontrollen“ durchzuführen, sagte ein Ressortsprecher. Das heißt: Einreisende aus Ländern mit geringem Infektionsgeschehen werden bald nur mehr stichprobenartig kontrolliert.

Das soll letztendlich Ressourcen freimachen und dadurch die Warteschlangen reduzieren, so die Hoffnung. Der Erlass soll, „wenn alles klappt“, bereits am Mittwoch in Kraft treten.

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