107 Jobs von Insolvenz betroffen

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
07/11/2022

Firmeninsolvenzen stiegen um 130 Prozent

Die Detailuntersuchungen des AKV zeigen, dass es in mehr als einem Drittel der Firmeninsolvenzen zu einer Entschuldung kommt.

Die eröffneten Firmeninsolvenzen haben sich im ersten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode verdoppelt. Die abgewiesenen Insolvenzen haben sich verdreifacht. Das bezeichnet der GlĂ€ubigerschutzverband AKV als "besorgniserregend". Es zeige sich, dass bei vielen, durch staatliche Coronahilfen am Leben erhaltenen Unternehmen nicht einmal ein Vermögen vorhanden ist, um die Kosten fĂŒr ein Insolvenzverfahren aufzubringen, so AKV-Expertin Cornelia Wesenauer.

Die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen liegt laut AKV-Auswertung immer noch um rund zehn Prozent unter den Werten von 2018 und 2019, also von vor der Coronakrise. Nur im Mai und Juni wurde der 2019er-Wert wieder ĂŒberschritten. Der in der Pandemie entstandene RĂŒckstau von rund 2.000 Firmenpleiten werde derzeit daher noch nicht recht abgebaut, so die Fachfrau.

Von den 1.384 eröffneten Firmeninsolvenzen (plus 98 Prozent) waren zwei Drittel auf GlĂ€ubigerantrĂ€ge zurĂŒckzufĂŒhren. Abgewiesen wurden 1.080 InsolvenzantrĂ€ge mangels Kostendeckung (plus 190 Prozent). Gesamt gab es somit 2.264 Firmenpleiten (plus 130 Prozent). GrĂ¶ĂŸte Insolvenz war jene der CPI Beteiligungen GmbH mit angegebenen Verbindlichkeiten in der Höhe von 86 Mio. Euro.

Die Detailuntersuchungen des AKV zeigen, dass es in mehr als einem Drittel der Firmeninsolvenzen zu einer Entschuldung kommt. Die Durchschnittsquote der SanierungsplÀne belÀuft sich sogar auf gut 40 Prozent.

Bei den Privatinsolvenzen hat sich der GlĂ€ubigerschutzverband die Auswirkungen der seit vorigem Juli geltenden neuen Regeln angeschaut, die das Zusammenwirken zwischen Exekutions- und Insolvenzverfahren effektiver machen soll. Insbesondere sollten aussichtslose Exekutionen vermieden werden. Nach Startschwierigkeiten wĂŒrden die neuen Regeln auch vermehrt angewendet.

So gibt es neu ein "Gesamtvollstreckungsverfahren", das Verwertungserlöse und pfĂ€ndbare Einkommen gleichmĂ€ĂŸig auf die GlĂ€ubiger verteilt. Insgesamt wurde ein solches bisher 129-mal angewandt, davon 102 heuer im ersten Halbjahr. Schuldenregulierungsfahren wurden von JĂ€nner bis Juni 4.225 aufgenommen (plus 30 Prozent). Abgewiesene Privatinsolvenzverfahren gab es 431 (plus 95 Prozent).

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare