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Wirtschaft
06/14/2021

Firmenbeteiligung statt Sparschwein: Wie Politik Sparer anlocken will

Speziell in Tourismusbetrieben gibt es zu wenig Eigenkapital. Neue Beteiligungsmodelle sollen das ändern

von Simone Hoepke

Die Sparquote der Österreicher ist zuletzt auf knapp 20 Prozent gestiegen. Aufgrund des Zinsumfeldes ist aber zu befürchten, dass sich die Ersparnisse in absehbarer Zeit nicht auf wundersame Weise vermehren werden.

Auf der anderen Seite fehlt es den Firmen an Geld. Genauer gesagt an Eigenkapital. Ein Problem, das in der Tourismusbranche ein Dauerbrenner ist. Im Branchen-Durchschnitt liegt die Eigenkapitalquote bei 12,7 Prozent. „Eine unterdurchschnittliche Kapitalausstattung bedeutet auch eine unterdurchschnittliche Widerstandsfähigkeit“, warnt Finanzminister Gernot Blümel am Montag nach dem Kapitalmarkt- und Investitionsgipfel in der WKO. Nicht nur im Tourismus, in der gesamten Wirtschaft fehlen private Geldgeber.

Einfacher Einstieg

Es brauche also eine neue Rechtsform, die eine Beteiligung an Firmen erleichtert bzw. attraktiver macht. Wie bereits berichtet, schwebt den Experten ein Wagniskapitalfonds nach dem Vorbild der Schweiz, Italiens oder Luxemburgs vor (in den Expertenkreisen unter der Luxemburger Unternehmensform „Sicaf“ bekannt). Diese international übliche Form ist vor allem für institutionelle Anleger (wie Banken oder Versicherungen) von Bedeutung, weil diese meistens in verbriefte Anteile investieren müssen.

Ob dieses Vehikel aber auch als Eigenkapitalbringer für den typischen Hotelbetrieb geeignet ist, bezweifelt Wolfgang Kleemann von der Tourismusbank (ÖHT): „Wir brauchen Lösungen, die möglichst einfach und mit geringen Verwaltungskosten umgesetzt werden können“, sagt er im KURIER-Gespräch. Zudem brauche es Lösungen, bei denen die Gesellschafterstruktur unangetastet bleibt: „Niemand will gleich Unternehmer mit allen damit verbundenen Haftungen werden, nur weil er sich an einem Unternehmen beteiligt. Andererseits wollen Unternehmer keine Verbreiterung der Gesellschafterbasis und suchen daher stimmrechtsloses Eigenkapital“.

Aus Investorensicht haben stille Beteiligungen einen Schönheitsfehler. Sobald man sich seine Erträge aus der Beteiligung ausschütten lässt, sind sie einkommenssteuerpflichtig, andererseits können auf Unternehmerseite ausbezahlte Renditen nicht als steuermindernder Aufwand geltend gemacht werden. Hier brauche es eine neue Rechtsform, argumentieren die einen. „Es reicht eine Änderung im Steuergesetz“, findet Kleemann.

Geht es nach ihm, sollten die derzeit mit Bundesgarantien hinterlegten Kredite künftig als atypisch stille Einlagen oder als Genussrechtskapital begeben werden und in der Bilanz als „korrigiertes Eigenkapital“ ausgewiesen werden.

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