© EPA/Drew Angerer / POOL

Wirtschaft
08/23/2021

Finanzwelt: Das Ende von Milch und Honig

Beim Notenbanker-Treffen in den USA diskutiert Fed-Chef Jerome Powell, wie und wann ein Ende der Nullzinspolitik und Konjunkturhilfen eingeleitet werden kann.

von Michael Bachner

Von Donnerstag bis Samstag blickt die Finanzwelt wieder in ein Tal in den Rocky Mountains, genauer nach Jackson Hole in Wyoming (USA).

Im Winter kommen die Skifahrer und Freerider hierher, im Sommer geht es zum Fliegenfischen. Doch seit 1982 treffen sich in der 10.000-Einwohner-Gemeinde Jackson auch die Top-Notenbanker der Welt einmal im Jahr, um an den großen Finanzschrauben zu drehen.

Die große Bühne

Die Banker lockt weniger der zwei Autostunden entfernte Yellowstone Nationalpark. Für sie ist Jackson Hole zur Bühne geworden, von der sie wichtige geldpolitische Entscheidungen verkünden können und so die Märkte bewegen. Auch aus europäischer Sicht: So hat beispielsweise Mario Draghi, der frühere Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) und heutige Premier Italiens, dort einst sein großes und bis heute umstrittenes Anleihekaufprogramm vorgestellt.

Auch in diesem Jahr wird von Jackson Hole zumindest ein einigermaßen klares Signal erwartet, wie es mit der Zinspolitik der US-Notenbank Fed sowie dem gigantischen Anleihekaufprogramm in Zeiten steigender Inflation und einer klar erholten Konjunktur weitergeht.

Fed-Chef Jerome Powell steht unter Druck. Inflation und Wachstum würden für steigende Zinsen und ein Ende des Kaufprogramms sprechen. Doch Experten sagen, das werde nicht vor 2022 geschehen können. Noch sei man von einer Vollbeschäftigung in den USA weit entfernt, noch sei die Pandemie nicht besiegt, um die ultralockere Geldpolitik und die Milliarden-Stützungsprogramme auslaufen zu lassen.

EZB-Chefin Christine Lagarde nimmt zwar nicht an dem Treffen teil, doch auch sie wird es von Frankfurt aus genau verfolgen. Denn auch sie muss bald eine zentrale Frage beantworten: Wie schauen der zeitliche Fahrplan und die inhaltliche Exitstrategie aus der Nullzinspolitik und dem Anleihekaufprogramm in Europa aus?

Während in den USA immer offener darüber diskutiert wird, dass die Konjunkturdaten und vor allem die steigende Inflation – im Juli lag sie in den USA bei 5,4 Prozent – längst höhere Zinsen rechtfertigen würden, bewegt sich die EZB nicht. Wie zum Trotz hat sich die Europäische Zentralbank vor Kurzem sogar ein etwas höheres und flexibleres Inflationsziel verpasst, was es ihr jedenfalls erleichtert, die Verlängerung der extrem lockeren Geldpolitik und der Anleihekäufe zu rechtfertigen.

Es war bildlich gesprochen die Medizin, von der nach der Finanz-, Wirtschafts- und Eurokrise viele hoch verschuldete Länder abhängig wurden und die die EZB jetzt nicht mehr so leicht absetzen kann.

Vierte Welle bremst

Viele andere kleinere Notenbanken außerhalb der USA und der Eurozone – vor allem in Schwellenländern – sind da schon weiter und haben die Zinsen bereits angehoben. Und Länder wie Australien und Kanada haben begonnen, ihre Anleihekäufe zu reduzieren. In Frankfurt ist hingegen Abwarten angesagt. Durch die einsetzende vierte Corona-Welle könnte sich eine Entscheidung im Euroraum auch noch lange hinziehen.

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