Eine Katze.

© Kurier/Franz Gruber

Wirtschaft
01/07/2022

Fat Cat Day: Wie ATX-Manager in 63 Stunden ein Jahresgehalt verdienen

Die Chefs der ATX-Konzerne verdienen in fünf Tagen so viel wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer.

von Martin Meyrath

Nur 63 Stunden muss ein durchschnittlicher ATX-Vorstand heuer arbeiten, um das Einkommen eines normalen Beschäftigten zu verdienen. Wird ein 12-Stunden-Tag angenommen, ist das in etwas über fünf Tagen erledigt. Damit fällt der jährliche „Fat Cat Day“ („Tag der fetten Katze“) heuer, nach Abzug der arbeitsfreien Tage, auf Sonntag den 9. Jänner, berechnet die Arbeiterkammer (AK).

Der Fat Cat Day ist jener Tag, an dem ein Vorstandsvorsitzender hochgerechnet auf die jährlichen Bezüge, das Medianeinkommen der jeweiligen Volkswirtschaft verdient hat. Erfunden hat ihn der britische Think Tank „High Pay Centre“, um auf die enormen Gehaltsunterschiede aufmerksam zu machen. „Fat Cat“ ist eine in Großbritannien geläufige, wenig schmeichelhafte Bezeichnung für reiche und einflussreiche Menschen.

Berechnung

Von ausgeprägtem Müßiggang, wie er bei den namensgebenden Katzen die Norm ist, wird in der Berechnung allerdings nicht ausgegangen. Im Gegenteil wird dabei sogar ein sehr hohes Arbeitsvolumen vorausgesetzt: Demnach arbeiten die Manager zwölf Stunden pro Tag, nehmen nur eines von 4 Wochenenden frei, beschränken sich auf zehn Tage Urlaub und neun Feiertage pro Jahr. Das macht 320 Arbeitstage mit 3.840 Stunden pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 545 Euro.

Die Spitzenreiter in der diesjährigen Berechnung mit einem Jahresgehalt von über fünf Millionen Euro sind Anas Abuzaakouk (Bawag Group) und Peter Oswald (Mayr-Melnhof Karton). Sie erwirtschaften ein österreichisches Medianeinkommen, das 2020 bei 34.092 Euro lag, an nur zwei Tagen. Weitere zehn ATX-Chefs schaffen es innerhalb von sieben Tagen, darunter mit Elisabeth Stadler (Vienna Insurance Group) die einzige Frau in der Liste (siehe Illustration). Das „Schlusslicht“ bildet EVN-Chef Stefan Szyszkowitz mit immerhin 18 Tagen. Da für das vergangene Jahr noch keine Daten vorliegen, beziehn sich die Zahlen auf das Jahr 2020.

Forderungen

Die AK sieht in der Höhe der Managergehälter ein Alarmsignal. Die Vorstandsvergütung habe sich in den letzten Jahren deutlich vom übrigen Lohn- und Gehaltsgefüge abgekoppelt. „Anfang der 2000er hat sie etwa das 20-fache eines durchschnittlichen Lohnes betragen, zehn Jahre später das 48-fache und jetzt ist das Verhältnis 1 zu 57“, sagt AK-Referentin Christina Wieser im Gespräch mit dem KURIER. Zwar sei klar, dass Manager gerade in Krisenzeiten viel Verantwortung tragen würden, die Entlohnung dafür müsse aber „in einer angemessenen Relation stehen“.

Ein positives Beispiel dafür sieht Wieser bei der EVN. Der niederösterreichische Energieversorger hat festgelegt, dass das Grundgehalt eines Vorstands maximal das 20-fache eines Durchschnittsgehalts sein darf.  Dass österreichische Firmen im Rennen um die besten Köpfe das Nachsehen hätten, wenn sie keine internationalen Spitzenlöhne zahlen, ist für die Betriebswirtin „ein bissl ein Mythos“. Der Anteil internationaler Führungskräfte sei in Österreich, ebenso wie in Deutschland, gering.

Wieser hofft auf einen Paradigmenwechsel auf europäischer Ebene. Ein Gutteil der Vergütung von Managern beruht darauf, dass bestimmte Ziele erreicht werden.  Bisher dominiere dabei die Orientierung an kurzfristigen finanziellen Kennzahlen. Das würde zwar die Aktionäre zufriedenstellen, wäre aber nicht im Sinne der Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft, wie das laut Green Deal angestrebt wird. Noch im ersten Quartal 2022 soll eine EU-Richtlinie zu nachhaltige Unternehmensführung veröffentlicht werden. Wieser hofft, dass darin verpflichtende Nachhaltigkeitsstandards festgelegt werden. Beispielsweise könnte ein Drittel der variablen Vergütung an die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen gebunden werden. Zu diesen zählen nicht nur Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch soziale und politische Vorgaben, etwa zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

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