Fast 5.000 Unternehmen meldeten Insolvenz an

Symbolbild.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
06/08/2021

Experten erwarten keinen "Pleiten-Tsunami"

Der strukturelle Wandel der Unternehmenslandschaft werde durch die Pandemie aber beschleunigt.

von Martin Meyrath

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist in Österreich seit Beginn der Corona-Krise stark zurückgegangen. Im vergangenen Jahr betrug der Rückgang der Pleiten 41 Prozent, im ersten Quartal 2021 sogar 57 Prozent.

Ausschlaggebend dafür ist allerdings nicht eine positive Wirtschaftsentwicklung, sondern dass die staatlichen Hilfsprogramme auch Unternehmen Luft verschafft haben, die sich am Markt nicht mehr hätten behaupten können. Zudem haben Finanz und Sozialversicherung die Insolvenzanträge vorübergehend ausgesetzt.

In einem normalen Geschäftsjahr“ gebe es pro Woche "etwa 100 Unternehmensinsolvenzen", hochgerechnet auf das ganze Jahr also etwa 5.000, erklärt Ricardo-José Vybiral, Chef des Kreditschutzverbandes (KSV1870). Die Sorge, dass es mit Ablauf der Hilfen und Stundungen zu einem sprunghaften nachholenden Anstieg kommen werde, teilt er dennoch nicht.

Zwar seien Marktbereinigungen unausweichlich und im Sinne der wirtschaftlichen Entwicklung auch notwendig. Allerdings würden die Pleiten etwa aufgrund von Ratenzahlungen nicht sprunghaft eintreten. Vybiral sieht das positiv, denn Corona ist kein Management-Fehler“ und viele Unternehmen seien es Wert, gerettet zu werden.

Experten erwarten Wandel

Auch Thomas Oberholzner, Institutsleiter der KMU Forschung Austria erwartet keinen "Pleiten-Tsunami". Allerdings werde sich die Unternehmenslandschaft in Folge der Corona-Krise wandeln.

Es sei nicht damit zu rechnen, dass alle Firmen wieder Fuß fassen könnten, zum Beispiel angesichts eines geänderten Kundenverhaltens. Dazu zählt er zum Beispiel den Wegfall von Stammkunden oder die Verschiebung im Einzelhandel zum Online-Shopping. „Die Marktanteile werden mit dem Öffnen ein bisschen neu verteilt“, so Oberholzner. Wichtig seien deswegen Investitionen in Qualifizierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung.

Auch die interimistische ÖBAG-Chefin Christine Catasta erwartet einen strukturellen Wandel in der Unternehmenslandschaft. So sei das Thema Nachhaltigkeit vom Lippenbekenntnis zu einem ernstzunehmenden Aspekt geworden. Wie auch Vybrial verwies sie auf eine wieder optimistische Gesamtstimmung. Die Erholung sei auch in „kritischen Branchen“ wie der Luftfahrt bereits merklich, so Catasta.

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