Europa fällt beim Zukunftsthema KI weiter zurück

Europa fällt beim Zukunftsthema KI weiter zurück
USA hängen Europa deutlich bei Investitionen in KI-Start-ups ab, wie Studien für das deutsche Handelsblatt zeigen.

KI ist derzeit in aller Munde. Doch trotz einiger Start-ups in Europa, wie etwa Deepl aus Köln oder StabilityAI aus London, fällt Europa bei Investments in KI-Unternehmen weiter zurück, wie Studien für das deutsche Handelsblatt zeigen.

Laut Auswertungen des Analysehauses Pitchbook gab es im ersten Halbjahr 2023 in den USA 1.129 Wagniskapitaldeals im Bereich KI und maschinelles Lernen. 30,8 Milliarden Dollar flossen in entsprechende Start-ups. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2022 ein starkes Plus: So kamen vergangenes Jahr lediglich 15,6 Milliarden Dollar bei 1.249 Deals an Investments zusammen.

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Anders sieht die Situation jedoch in Europa aus. So kamen im zweiten Halbjahr 2022 bei 761 Deals noch 4,6 Milliarden Dollar zusammen. Im ersten Halbjahr 2023 wurden bei 646 Deals nur noch 3,7 Milliarden Dollar eingenommen. Das europäische Investitionstempo verlangsamte sich also.

Dass europäischen Start-ups weniger Geld zur Verfügung stehen, sei laut Beobachtern kein neues Phänomen – so sind die US-Kapitalmärkte sind schlicht weiterentwickelt und Investoren traditionell risikofreudiger. Alarmiert sind Beobachter vielmehr, dass die europäische Risikokapitalfinanzierung zurückging, statt wie in den USA deutlich zuzulegen.

Der Einfluss von Tech-Giganten

"Europa fällt beim Zukunftsthema KI weiter zurück", so Brendan Burke vom Analysehaus Pitchbook gegenüber dem Handelsblatt. "Zwar gibt es auch in Europa bedeutende KI-Forscher, akademische Einrichtungen und fähige Gründer. Sie sind aber nicht in der Lage, vergleichbare Summen wie in den USA einzuwerben."

Laut Burke seien auch Tech-Giganten wie, Google, Meta und Apple mit Schuld an der Investitionsschwäche Europas 2023. Einerseits würden viele KI-Start-ups von ehemaligen Angestellten der Tech-Riesen gegründet.

Andererseits investierten ebendiese in vielversprechende Start-ups, um auf deren Entwicklungen für die interne Forschung zurückzugreifen. Das wiederum trieb das Wachstum des KI-Sektors in den USA voran. Europäische Start-ups sind hier weit weniger erfolgreich und hätten keine "Megadeals" wie ihre US-Konkurrenten abschließen können, so Burke.

Europäische KI-Start-ups oft Ziel ausländischer Übernahmen

Eine weitere Auswertung, die das Analysehaus Dealogic für das Handelsblatt erstellt hat, hat europäische Start-ups identifiziert, die die Gründungsphase überstehen, und sich den Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) angesehen. Diese werden der Studie zur Folge oft zu Übernahmekandidaten. Und auch hier liegen die USA weit vor Europa: Im ersten Halbjahr 2023 wurden in den USA 9,3 Milliarden Dollar für (M&A)-Transaktionen ausgegeben, in Europa waren es 3,2 Milliarden Dollar.

Europäische KI-Start-ups werden also laut Auswertung viel schneller zum Ziel ausländischer Übernahmen. Im ersten Halbjahr 2023 flossen 1,6 Milliarden Dollar in entsprechende M&A-Transaktionen nach Europa. Im Gegenzug gaben europäische Unternehmen eine Milliarde Dollar aus, um KI-Spezialisten aus anderen Regionen der Welt zu übernehmen.

Ein anderes Bild zeichnet sich in den USA ab: Dorthin strömten lediglich 775 Millionen Dollar für Fusionen und Übernahmen. Und die USA sehen also offenbar nur wenige attraktive Übernahmekandidaten im Rest der Welt: Gerade einmal 238 Millionen Dollar steckten sie in ausländische M&A-Transaktionen.

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