Neue Studien: Welche Jobs tatsächlich durch KI bedroht sind

Neue Studien: Welche Jobs tatsächlich durch KI bedroht sind
Zwei neue Studien zeigen drastische Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt.

Erst vergangene Woche zeigte eine neue Umfrage der Unternehmensberatung PwC: Österreicher fürchten wegen Künstlicher Intelligenz (KI) um ihre Jobs. Darin gaben 63 Prozent an, dass KI zahlreiche Arbeitsplätze bedrohen und für einen Wandel in der Arbeitswelt sorgen könnte. 

Jetzt legen die Macher des KI-Programms ChatGPT sowie die Investmentbank Goldman Sachs insgesamt zwei Studien nach, die die Befürchtungen bekräftigen. Die Arbeitswelt wird durch KI stark beeinflusst werden, lautet der gemeinsame Tenor. Aber auch explizite Jobs werden genannt, die im Zuge der KI-Revolution hinfällig werden könnten.

 

OpenAI zeichnet kritisches Bild der eigenen Technologie

Forscher des Start-up-Unternehmens OpenAI (Erfinder ChatGPT) haben sich mit Wissenschaftlern der University of Pennsylvania zusammengetan, um herauszufinden, auf welche Jobs sich ChatGPT am stärksten auswirkt.

Danach gehören Buchhalter zu den Berufsgruppen, die am stärksten von den Möglichkeiten der generativen künstlichen Intelligenz betroffen sind. Mindestens die Hälfte der Aufgaben in der Buchhaltung könnten mit dieser Technologie viel schneller erledigt werden.

Neue Studien: Welche Jobs tatsächlich durch KI bedroht sind

Die Macher des Programms ChatGPT bringen Studie zu den Auswirkungen der eigenen Technologie heraus

Auch Mathematiker, Programmierer, Dolmetscher, Schriftsteller und Journalisten sollten sich der Studie zufolge darauf einstellen, dass die Künstliche Intelligenz zumindest einen Teil ihrer bisherigen Aufgaben übernehmen kann. Denn obwohl die KI-Systeme derzeit bei ihren Antworten oft noch fehlerhafte Fakten „halluzinieren“, liefern sie bei Aufgaben wie Übersetzung, Klassifizierung, kreativem Schreiben und Generierung von Computercodes auch jetzt schon beachtliche Ergebnisse.

Die Forscher von OpenAI und der University of Pennsylvania gehen davon aus, dass die meisten Arbeitsplätze in irgendeiner Form durch die KI-Sprachmodelle verändert werden. Rund 80 Prozent der Arbeitnehmer in den USA seien in Berufen tätig, in denen mindestens eine Aufgabe durch generative KI schneller erledigt werden könne.

Es gibt aber auch Berufe, in den die KI nur eine untergeordnete Rolle spielen wird: Dazu gehören Köche, Kfz-Mechaniker und Jobs in der Öl- und Gasförderung aber auch in der Forst- und Landwirtschaft.

Neue Studien: Welche Jobs tatsächlich durch KI bedroht sind

Zwei Drittel der heutigen Arbeitswelt sind der KI-Revolution ausgesetzt, erhebt eine Forschungsabteilung der Investmentbank Goldman Sachs 

Goldman Sachs: Zwei Drittel der heutigen Arbeitswelt sind KI-Revolution ausgesetzt

Eine Forschungsabteilung der Investmentbank Goldman Sachs hat in einer Studie ausgerechnet, was diese Entwicklung für den Arbeitsmarkt konkret bedeuten kann. Wenn die sogenannte generative KI die versprochenen Fähigkeiten einhalte, könne dies „zu erheblichen Störungen auf dem Arbeitsmarkt“ führen, heißt es.

Unter „generativer KI“ werden Computerprogramme verstanden, die neue Ideen, Inhalte oder Lösungen erstellen können, anstatt nur vordefinierte Regeln oder Anweisungen abzuarbeiten.

Goldman Sachs geht davon aus, dass etwa zwei Drittel der derzeitigen Arbeitsplätze einem gewissen Grad an KI-Automatisierung ausgesetzt sind. Die generative KI könne bis zu einem Viertel der derzeitigen Arbeit ersetzen. „Rechnet man unsere Schätzungen auf die ganze Welt hoch, so könnte generative KI das Äquivalent von 300 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen der Automatisierung aussetzen.“

KI-Experte: "KI-Modell kann eigene Sicherheit nicht einschätzen"

Hinrich Schütze, Direktor des Centrums für Informations- und Sprachverarbeitung an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), sieht in der Entwicklung der generativen KI eine Revolution, die technologisch mit dem Internet oder dem Smartphone vergleichbar ist.

Dabei seinen die KI-Systeme von einem echten inhaltlichen Verständnis der Themen noch weit entfernt: „Die Grundtechnologie für die Sprachmuster ist einfach immer das nächste Wort vorherzusagen, ganz stupide, immer das nächste Wort.“

Dennoch seien die Folgen schon jetzt enorm: „Es werden sich große Veränderungen darin ergeben, wie wir schreiben, wann immer wir Texte verfassen, wie wir programmieren.“ Das habe auch große Folgen auf den Arbeitsalltag. „Ganz viele Berufe werden wegfallen, wenn es einfach nur darum geht, Zusammenfassungen zu schreiben, Wissen zu sammeln und zu verdichten.“

Der Münchner KI-Experte warnt jedoch davor, der künstlichen Intelligenz zu viel Aktionsradius bei den Entscheidungen einzuräumen, etwa in der Justiz, der Medizin, der Steuerberatung, oder Vermögensverwaltung.

Die KI treffe viele Aussagen mit großer Überzeugungskraft, obwohl die Fakten oft fehlerhaft seien, „Der Mensch denkt, das muss ja stimmen, wenn sich das Modell so sicher ist. Aber in Wirklichkeit kann das Modell seine eigene Sicherheit nicht einschätzen. Das ist eines der großen Probleme, die wir haben.“

Der Potsdamer Informatik-Professor Christoph Meinel sieht ein weiteres Hindernis für den flächendeckenden Durchbruch der KI in der Arbeitswelt, denn die Systeme benötigen gewaltige Rechnerkapazitäten und erfordern damit auch riesige Mengen an Energie.

„Viele Erwartungen an die KI erscheinen mir überzogen und im Hinblick auf deren Energieverbrauch auch unrealistisch“, sagt der scheidende Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI).

Die erfolgreichen KI-Anwendungen basierten auf dem so genannten Deep Learning, also dem Training mit riesigen Datenmengen. „Und die verschlingen Unmengen an Energie.“ Ein breite Einführung wäre deshalb für das Klima und die Erreichung der Klimaziele fatal. „Wir müssen erst deutlich energieeffizientere KI-Systeme entwickeln.“

Meinel sieht aber nicht nur im hohem Strombedarf eine Herausforderung, sondern auch beim Thema Datenschutz. „Wer im Internet neueste Anwendungen der Künstlichen Intelligenz ausprobiert, sollte mit der Preisgabe sensibler eigener Daten vorsichtig sein“, rät Meinel.

Trotz des Hypes sollten sich alle Verantwortlichen bewusst sein, dass man mit den eigenen Anfragen und Daten gratis die KI-Modelle der Anbieter trainiere und schlau mache. Wer etwa interne Finanzdaten auf bestimmte Plattformen hochlade, damit diese automatisch eine Präsentation daraus herstellen, müsse wissen, dass dadurch möglicherweise auch Geschäftsgeheimnisse preisgegeben werden.

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