© APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

Analyse
04/15/2020

Eurokrise 2.0: Da braut sich etwas zusammen

Das Coronavirus trifft just die Euro-Sorgenkinder mit Abstand am härtesten. Das hat Konsequenzen für die ganze Währungsunion.

von Hermann Sileitsch-Parzer

In Neapel baumeln Brotkörbe von vielen Balkonen. Drin befinden sich Milch, Gebäck, Konserven, Obst. Eine Geste der Solidarität mit den Ärmsten: Wer hat, soll geben. Wer braucht, darf sich nehmen.

Das Land wird auf eine harte Probe gestellt. Just der industriereiche Norden ist lahmgelegt. Die Regionen Lombardei, Emilia Romagna, Piemont und Venetien sind für 45 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Wann sich der Tourismus, eine tragende Säule, erfängt, steht in den Sternen.

Eine simple Rechnung

Der IWF prognostiziert für Italien heuer einen Einbruch der Wirtschaft (BIP) um 9,1 Prozent. Schlimmer trifft es nur Griechenland (–10 Prozent), das sich eher schlecht als recht von seiner Krise erfangen hat. Spanien geht es wenig besser.

Gigantische Ausgaben und Steuerausfälle, einbrechende Wirtschaft, dazu hohe Altlasten: Man muss kein Prophet sein, dass bald die Frage auftauchen wird, wie Italien und Co. ihre Schulden bedienen können.

Die Rechnung ist relativ simpel: Wegen des schrumpfenden BIP und der jetzt nötigen Neuschulden wird Italiens ohnehin exorbitant hohe Schuldenquote von 134 Prozent um weitere rund 20 Prozentpunkte steigen.

Die EZB muss es richten

Sicher: Der Kampf um Menschenleben hat jetzt Priorität, die auch in Österreich ausgerufene Devise „Koste es, was es wolle“ wird aber langfristig eine Riesenherausforderung für die Eurozone. Nämlich dann, wenn sich Investoren (es können, müssen aber keine Spekulanten sein) auf das schwächste Glied der Währungsunion einschießen.

Das 540-Mrd.-Euro-Hilfspaket, das die Finanzminister aufgelegt haben? Damit ist Italien und Co. bedingt geholfen, denn Notkredite lassen die Schulden weiter steigen.

Im Moment verhindert die Europäische Zentralbank (EZB) eine Schuldenkrise, indem sie die Zinsen tief hält. Am meisten profitierte davon übrigens Deutschland, dessen Fiskus sich 436 Mrd. Euro Zinskosten seit 2007 erspart hat. (Das wurde nicht in Rom berechnet, sondern von der Bundesbank in Frankfurt.)

Die Stimmung kippt

Falls der Euro-Zusammenhalt nicht finanziell ausgetestet werden sollte, dann politisch: Die Italiener vermissen angesichts von 21.000 Corona-Toten Mitgefühl und fühlen sich im Stich gelassen. Die Stimmung droht, befeuert von den Nationalisten rund um Matteo Salvini, gegen die EU zu kippen. In einem Gründungsland.

Beim Videogipfel am 23. April steht für die EU-Regierungschefs also viel auf dem Spiel. Eine Italien-Pleite und Kollabieren des Euro würde die „Mutter aller Finanzkrisen“ (© Ökonom Eichengreen) auslösen. Kommissionsvize Valdis Dombrovskis brachte nun einen 1.500-Mrd.-Euro-Hilfsfonds zum Wiederaufbau Europas ins Spiel. Es wäre ein gigantischer europäischer Brotkorb.

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