Thomas Wieser

© Kurier / Gilbert Novy

Wirtschaft

EU-Coronahilfen: Ökonom appelliert an Hilfsbereitschaft Österreichs

Thomas Wieser, früherer Leiter der Eurogruppen-Arbeitsgruppe, meint, Österreich müsse etwas "zurückgeben".

05/27/2020, 08:39 AM

Der frühere Leiter der Eurogruppen-Arbeitsgruppe, Thomas Wieser, hat an Österreich appelliert, einen Teil der aus der eigenen EU-Mitgliedschaft gezogenen Vorteile angesichts der Coronakrise den nun in Schwierigkeiten geratenen Staaten "zurückzugeben".

Enorme Vorteile

"Wenn man Mitglied einer Gemeinschaft ist, aus der man enorme Vorteile gezogen hat, ist es nicht nur anständig, sondern auch vernünftig, hin und wieder einen Teil dieser Vorteile zurückzugeben", sagte der österreichische Ökonom im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radios am Mittwoch.

Seiner Ansicht nach würde ein "vernünftiger Mix mit großem Anteil an verlorenen Zuschüssen den Wiederaufbau am meisten unterstützen". Wenn man etwa einem Spital in Norditalien einen Kredit geben würde, den dieses zurückzahlen müsse, würde man dem Spital nicht helfen, sondern nur dessen Insolvenz verschieben.

Schwierige Situation

Er betonte weiters in Anspielung auf die schwierige Situation von Ländern wie Italien und Spanien: "Zusätzliche Mittel sollen den von der Krise am meisten Betroffenen zugutekommen und nicht jedem."

Wieser warnte im Fall eines Misslingens der EU-Coronahilfestrategie vor einer "politischen Eiszeit" innerhalb der Europäischen Union. "Wenn es nicht zu einer vernünftigen Einigung kommt, die auch darauf Rücksicht nimmt, dass hier unverschuldet einige Länder in überproportionale Schwierigkeiten geraten sind, werden die Folgen nicht nur wirtschaftlicher, sondern politischer Natur sein. Die so aufgerissene Gräben werden die Kooperation in Europa auf Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte massiv beeinträchtigen."

Spannung

Die Europäische Kommission will am Mittwoch ihren mit Spannung erwarteten Wiederaufbauplan gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise vorlegen. Deutschland und Frankreich haben im Vorfeld einen Plan vorgestellt, der Zuschüsse im Gesamtumfang von 500 Milliarden Euro vorsieht. Demgegenüber fordern die "Sparsamen Vier" - die Nettozahler Österreich, Niederlande, Dänemark und Schweden - rückzahlbare und befristete Kredite.

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