Energie-Preissprung: Sollte ich jetzt den Anbieter wechseln?

Gaspreise plus 35 Prozent, Strom plus 15 Prozent: Der Iran-Krieg treibt die Energiekosten in luftige Höhen. Wer jetzt draufzahlt - und wie man gegensteuern kann.
Der Strompreis soll sinken, die heimischen Energieversorger wollen ihren Teil dazu beitragen.

Die Energiepreise ziehen wieder an. Auslöser ist der Krieg im Nahen Osten, der wichtige Gaslieferungen aus Katar beeinträchtigt. Energieexperte Johannes Benigni verwies im Ö1-Morgenjournal auf mögliche langfristige Folgen

Für österreichische Haushalte stellen sich dadurch zahlreiche Fragen: Wie stark schlagen die höheren Energiepreise bereits auf der eigenen Rechnung durch - und was kommt noch? Wer ist besonders betroffen? Und lohnt sich ein Anbieterwechsel jetzt überhaupt noch? Der KURIER hat nachgefragt.

"Die gestiegenen Großhandelspreise schlagen sich bereits jetzt in den Endkundentarifen nieder“, sagt Energieexperte Martin Zwickl vom Vergleichsportal durchblicker.

Bei Gas sind die Arbeitspreise seit Februar um rund 35 Prozent gestiegen - von 3,85 auf 5,20 Cent pro Kilowattstunde. Beim Strom liegt der Anstieg bei rund 15 Prozent, von 9,10 auf 10,50 Cent.

Auf die gesamte Jahresrechnung bezogen bedeutet das ein Plus von rund 17 Prozent bei Gas und 8 Prozent bei Strom.

  • Warum die Energiepreise steigen

Die Ursachen des Preisanstiegs lassen sich am internationalen Energiemarkt verorten. Nach Angriffen auf Anlagen in Katar fehlen wichtige Gasmengen, gleichzeitig bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt. Das sorgt für Unsicherheit - und treibt die Preise in die Höhe.

Das zeigt sich bereits an den Märkten: Öl und Gas haben zuletzt deutlich zugelegt. Am Freitagvormittag lag der Preis für Nordseeöl (Brent) bei rund 110 US-Dollar pro Barrel, nachdem er am Vortag zeitweise auf knapp 120 Dollar gestiegen war.

Auch Gas verteuerte sich deutlich: Der europäische Referenzpreis legte zwischenzeitlich um mehr als ein Viertel zu.

Dass die Preissteigerung auf der Rechnung geringer ausfällt als beim reinen Energiepreis, liegt übrigens daran, dass auch Netzentgelte und Abgaben einen erheblichen Teil der Kosten ausmachen und Preisschwankungen abfedern. Erfahrungsgemäß verengt sich dieser Abstand aber mit der Zeit, wenn das erhöhte Großhandelsniveau bestehen bleibt.

  • Wer davon besonders betroffen ist

Nicht alle Haushalte spüren die Preissteigerungen gleich stark.

"Am stärksten betroffen sind Haushalte mit sogenannten Floater-Tarifen, die automatisch an den Großhandelspreis gekoppelt sind“, erklärt Zwickl. 

Auch Kunden, die ihren Anbieter schon länger nicht gewechselt haben und keine Preisgarantie mehr haben, sind direkt betroffen.

Wer hingegen einen Fixpreistarif hat, ist vorerst geschützt und zahlt weiterhin den vereinbarten Preis.

  • Lohnt sich ein Anbieterwechsel noch?

Ein Anbieterwechsel kann sich trotz steigender Preise weiterhin lohnen.

"Auch jetzt gibt es noch erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern“, sagt Zwickl.

Im Vergleich zu Standardtarifen der Landesversorger lassen sich aktuell rund 105 Euro bei Strom und 131 Euro bei Gas pro Jahr sparen. Vor allem Haushalte, die ihren Anbieter seit Jahren nicht gewechselt haben, zahlen häufig deutlich mehr als nötig.

  • Was ist beim Wechsel zu beachten ist

Wer wechselt, sollte derzeit auf einen Fixpreistarif setzen.

"Wer sich jetzt eine Preisgarantie sichert, schützt sich vor weiteren Anstiegen“, so Zwickl.

Der Hintergrund: Die Großhandelspreise liegen aktuell noch über dem Niveau, das bei Haushalten angekommen ist. Bei variablen Tarifen besteht daher das Risiko, dass die Preise in den kommenden Wochen weiter nachziehen.

  • Was Konsumenten jetzt tun sollten

"Viele Haushalte zahlen schon heute deutlich mehr als nötig, ohne es zu wissen“, sagt Zwickl. Gerade in Phasen steigender Preise mache ein früher Wechsel einen großen Unterschied.

Ein häufiger Fehler sei hingegen Abwarten: "Viele hoffen auf sinkende Preise und verlieren dabei Monat für Monat Geld.“

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