Energieexperte über Gas-Versorgung: "Dann haben wir ein Problem"
Der Krieg im Iran hält unvermindert an, und seine Auswirkungen sind längst auch in Österreich spürbar. Seit Beginn der Eskalation sind die Spritpreise deutlich gestiegen, die strategisch wichtige Straße von Hormus ist weitgehend blockiert, und in Katar wurde die weltweit größte Produktionsanlage für Flüssiggas schwer beschädigt. Über diese Entwicklungen und ihre Folgen sprach Energieexperte Johannes Benini im Ö1-Morgenjournal.
Österreich: Keine Versorgungslücke, aber steigende Kosten
"Wir haben ungefähr 20 Prozent des weltweiten Ölbedarfs, der von dort gedeckt wird", sagte Benini mit Blick auf die Straße von Hormus. Das entspreche "so 15 bis 17 Millionen Fass", aktuell könnten aber "nur mehr 11 Millionen raus". Auch beim Gas seien es "ungefähr 20 Prozent, vor allem Flüssiggas", das nun fehle – insbesondere in Asien.
Für Österreich sieht Benini keine akute Versorgungslücke, aber steigende Kosten. "Wir bekommen hier weiterhin unseren Diesel. Aber die Preise richten sich nach den internationalen Preisen." Zusammengefasst bedeute das: "Es wird alles über den Preis gespielt." Europa sei bereit, mehr zu zahlen als asiatische Abnehmer, die die Nachfrage drosseln.
"Dann haben wir ein Problem"
Besonders kritisch sieht der Experte den Ausfall Katars als Lieferant. "Wenn jetzt so weiterhin das Gas aus Katar ausbleibt, dann haben wir auch in Europa ein Problem." Die Dimension gehe aber weit darüber hinaus: "Also weltweit ein Riesenproblem, weil natürlich Katar als einer der größten Flüssiggas-Lieferanten ausfällt."
Selbst wenn sich die geopolitische Lage kurzfristig beruhigen sollte, bleiben die Folgen spürbar. Im Ölbereich könnte sich die Situation innerhalb weniger Monate stabilisieren. Die Preise werden dennoch "nicht mehr auf das Niveau runtergehen, wo sie vorher waren. Das wird eine lange Zeit brauchen." Beim Gas zeichnet sich ein deutlich längerer Zeitraum ab. "Im Gasbereich werden uns auch nachhaltig ungefähr 17 bis 20 Prozent des Gases aus Katar für die nächsten drei bis fünf Jahre fehlen“, warnt Benini.
"Schreibtisch-Attentäter unterwegs"
Steuersenkungen hält Benini für das wirksamste Instrument, um kurzfristig gegenzusteuern. "Wenn es darum geht, dass man inflationshemmelnde Maßnahmen setzt, sollte man rasch agieren." In diesem Fall mache es Sinn, "dass man kurzfristig eine Steuer aussetzt". Besonders geeignet sei aus seiner Sicht die CO2-Steuer. Italien habe gezeigt, wie rasch das wirken könne.
Kritisch sieht Benini hingegen Forderungen nach einer Begrenzung von Margen. "Die Margenbegrenzung ist nicht umsetzbar und ist auch nicht notwendig." Auch bei den Tankstellen hält Benini die Diskussion für verfehlt. "Da zeigt sich wieder, dass die Schreibtisch-Attentäter unterwegs sind." Tankstellenbetreiber hätten "sehr wenig Geld am Tisch liegen" und seien mit stark schwankenden Einkaufspreisen konfrontiert. "Die haben ein unternehmerisches Risiko", eine Übermarge lasse sich hier kaum darstellen.
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