Wirtschaft
15.01.2013

Elektroindustrie fehlen 800 Techniker

Technikerinnen ziehen Uni-Jobs der Industrie vor. Der Fachverband appelliert an Frauen.

Sag mir, wo die Frauen sind ... 95 Prozent aller Personalchefs in der heimischen Elektronikindustrie würden laut Umfrage gerne mehr Frauen in technischen Positionen einstellen. Der Haken: Sie finden keine. „Manche Frauen-Programme mussten wieder abgesetzt werden, weil es einfach keine Technikerinnen gab“, erzählt Infineon-Chefin Monika Kircher, Vize-Präsidentin des Fachverbandes Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI). Nur acht Prozent des Technik-Personals in der Branche ist weiblich, beim Vorzeigeunternehmen Infineon sind es dank zahlreicher Initiativen immerhin 14,6 Prozent.

"Wir sind eine Branche, die sehr gut zahlt", Monika Kircher

Jobs gäbe es genug, der Fachkräftemangel ist trotz Auftragsflaute groß. Rund 800 Stellen, vor allem in der Elektrotechnik, Mikroelektronik, technischen Physik und Leistungselektronik könnten schon längere Zeit nicht besetzt werden, geht aus der Umfrage des Industriewissenschaftlichen Instituts hervor. Jedes dritte Elektronik-Unternehmen erwartet, dass die Suche nach Fachkräften mit zumindest Matura in den nächsten Jahren noch schwieriger wird.

Hoch qualifizierte Technikerinnen wiederum sind für Industriejobs offenbar wenig zu begeistern. Der Anteil weiblicher Studenten an Technischen Universitäten und Fachhochschulen nimmt zwar leicht zu, die Absolventinnen suchen sich aber lieber eine Stelle im universitären Umfeld als in einem Betrieb. Laut einer Studie des AMS in Kooperation mit der Soll & Haberfellner Unternehmensberatung sind nur rund 16 Prozent aller Wissenschaftler und Ingenieure in Betrieben Frauen, während es im Hochschulsektor schon rund 29 Prozent sind.

Arbeitsumfeld

Entscheidend für die Jobwahl sei weniger das Einkommen als das Arbeitsumfeld, erläutert Studienautorin Regina Haberfellner. Im universitären oder staatlichen Bereich seien die Rahmenbedingungen für Frauen besser, etwa was Teilzeit anbelangt. „Es macht auch einen Unterschied, ob Frauen in einer männlichen Umgebung eher isoliert sind oder ob es eine kritische Masse an Frauen in einem Unternehmen gibt“. Auch Kircher ortet ein Image-Problem der Industrie und will die Rahmenbedingungen für Frauen verbessern.