Wunsch und Wirklichkeit beim Kinderkriegen

Emily Stueven  Mandy Schoenke
Foto: AP/FABIAN BIMMER

Forscher aus Deutschland, der Schweiz und Österreich suchen Ursachen für niedrige Fertilität.

Seit Mitte der Achtzigerjahre geht die Geburtenrate in Österreich zurück. Derzeit beträgt sie, je nach Zählweise, zwischen 1,4 und 1,6 Kinder pro Frau. So wie in Deutschland und der Schweiz. Ein Forscherteam hat nicht nur die Gründe dafür erhoben, sondern gibt auch Empfehlungen für die Zukunft: Wenn wir wieder mehr Kinder wollen, muss unsere Arbeitswelt umgekrempelt und an gesellschaftliche Veränderungen angepasst werden.

"Geht derzeit nur mit Karriereknick"

„Die Gesellschaft, wir alle, muss das Wohlbefinden von Eltern und Kindern als Wert an sich anerkennen“, erklärt Alexia Fürnkranz-Prskawetz von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Eine Möglichkeit: Beide Eltern arbeiten Teilzeit, „das geht derzeit aber nur mit Karriereknick“. Eine andere Empfehlung ist die Verbesserung der Sexual-Aufklärung, sagt Frauenarzt Wolfgang Holzgreve.

1. Mythos Bildungsgrad. 
Der Einfluss von Bildung wurde in der Vergangenheit überschätzt, in beiden Richtungen. Zum einen: Der Anteil kinderloser Akademikerinnen beträgt in Deutschland gerade einmal 28 Prozent. Zum anderen bleiben Männer mit geringem Einkommen und Bildungsniveau häufig kinderlos. 2. Mythos Karrierefrau.
Eine Legende. Länder mit hoher Fertilität – etwa Schweden, Frankreich und die USA – zeichnen sich durch eine hohe Zahl von Frauen aus, die arbeiten gehen. Wobei es in Frankreich möglich ist, die Kinder bereits im Alter von drei Monaten in eine Krippe zu geben. 3. Mythos Immigrantin. 
Gastarbeiterinnen gelten als äußerst fruchtbar. Das stimmt nur zum Teil, etwa für in der Türkei geborene Frauen. Insgesamt liegt die Fertilität der Immigrantinnen in Österreich auch nur bei 1,9 Kindern pro Frau. Einwanderinnen der zweiten Generation weisen bereits eine ähnliche Fertilität auf wie einheimische Frauen. 4. Mythos Spermienqualität.
Meldungen über schädliche Umwelteinflüsse auf die Spermien lassen sich nicht erhärten. Zuletzt ist die Qualität gleich geblieben. Vergleiche mit älteren Studien sind schwierig, weil früher nur die Spermienzahl ermittelt wurde.

Durchschnittsalter liegt bei 30

Das Durchschnittsalter der Frauen bei der Geburt beträgt heute 30 Jahre (1980er-Jahre: 25) – „ein Megatrend. Die Kinder, die wir zwischen 20 und 30 nicht bekommen, holen wir zwischen 30 und 40 nicht mehr auf“. Mit 35 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft 60 Prozent, mit 42 Jahren 10 Prozent. Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften steigt von 1 (25–34 Jahre) auf 5 Prozent (über 40). „Die Entscheidung, Kinder zu haben, bleibt eine persönliche, aber wir wünschen uns, dass es die bestmögliche Information gibt.“ Die Forscher haben gängige Erklärungen für die niedrige Fertilität untersucht – und zerpflückt (siehe Bilderstrecke)

(kurier) Erstellt am
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