Nur 1,5 Prozent der deutschen Neuzulassungen fahren mit Alternativantrieb.

© dpa-Zentralbild/Arno Burgi

Experte schlägt Alarm
12/14/2015

Billiger Diesel würgt Elektromotoren ab

Anteil von Alternativantrieben geht seit 2013 zurück. Dudenhöffer kritisiert Steuervorteil für Diesel.

Die Ölpreise erreichen im Zuge ihres Sinkfluges historische Tiefststände. Ein Fass der US-Sorte WTI war Freitagabend so billig, wie zuletzt Anfang 2009. Brent-Öl fiel auf den tiefsten Stand seit Ende 2008 - und am Montag ging es weiter bergab. An den heimischen Zapfsäulen kostet der Liter Diesel unter einen Euro - und er sollte in Relation zum Ölpreis eigentlich noch billiger sein (der KURIER berichtete). Kein Wunder, dass Elektroautos weiter ein Schattendasein fristen, während bereits jeder vierte in Österreich neu zugelassene Pkw aus dem SUV-Segment kommt.

E-Autos werden "ausgesondert"

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schlägt deshalb Alarm. "Alternative Antriebe werden trotz Klimadiskussion ausgesondert", schreibt er in einem Bericht des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Etwa die Hälfte der neuzugelassenen Elektroautos seien Hersteller-, Händler- oder Mietfahrzeuge, warnt Dudenhöffer: "Die echten Neuwagenkäufer lassen sie aufgrund der höheren Preise und aufgrund des billigeren Treibstoffs immer stärker links liegen." Der Anteil von Fahrzeugen mit Elektro-, Hybrid und Gasantrieben an den Neuzulassungen sei seit 2013 kontinuierlich zurückgegangen (mehr zur Situation von E-Antrieben in Österreich und Deutschland).

"Historische Chance" verpasst

Das Vorhaben der deutschen Regierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen, sieht der Experte äußerst skeptisch. Vielmehr werde sich der Negativtrend fortsetzen, da die Treibstoffpreise auch 2016 niedrig blieben. Eine erhebliche Rolle spielt dabei der Steuervorteil für Diesel, der in Deutschland, Österreich und vielen anderen EU-Ländern gewährt wird. Die deutsche Regierung habe angesichts des niedrigen Dieselpreises die "historische Chance" verpasst, "die willkürlich niedrigere Besteuerung von Dieselkraftstoff schrittweise abzubauen", übt Dudenhöffer Kritik. Dabei trügen Dieselautos dazu bei, dass in vielen Großstädten mit hohen Stickoxid-Belastungen die EU-Grenzwerte deutlich überschritten würden.

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