Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber erhielt 2014 exakt 1.158.513 Euro Jahresgehalt

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Einkommensbericht
12/22/2015

Die vierfache Kanzler-Gage

Rechnungshof: 74 staatsnahe Manager kassieren mehr als Kanzler Faymann. Zuwächse viel höher als für "Normalos"

von Hermann Sileitsch-Parzer

Exakt 295.393 Euro: So hoch war 2014 das Bruttogehalt von Bundeskanzler Werner Faymann. Klingt viel? Für den typischen Herrn oder die typische Frau Österreicher mit Sicherheit: Er oder sie kommt schließlich nur auf knapp 26.000 Euro Bruttojahreseinkommen (median).

Nach Managermaßstäben ist das Kanzler-Einkommen aber kaum der Rede wert. Die Spitzenmanager im staatsnahen Bereich verdienen bis zum Vierfachen, zeigen der Einkommensbericht des Rechnungshofes (RH) (zur Kurzfassung des RH-Berichts, 32 Seiten, pdf) und KURIER-Recherchen. Dieser Personenkreis ist beträchtlich: Insgesamt 74 Manager aus 31 staatsnahen Firmen übertrumpfen ihren indirekten „Chef“ vom Ballhausplatz – allein 18 bei den ÖBB und 12 beim Verbund.

Dort durfte sich Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber 2014 über knapp 1,16 Millionen Euro aus Fixum und Boni freuen - ungefähr das Vierfache der Kanzler-Gage. Post-Chef Georg Pölz folgt mit knapp 1,13 Millionen Euro. Der gesamte Vorstand der Bahn-Holding erhielt im Vorjahr 1,72 Millionen Euro. Wie viel davon ÖBB-Chef Christian Kern heimträgt, ist zwar ein Geheimnis – aber einigermaßen nachvollziehbar. Es dürften gut 700.000 Euro aus fixen und erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteilen sein. Telekom, OMV und Landesenergieversorger sind vom RH-Bericht nicht erfasst.

Üppige Zuwächse

Ein Top-Verdiener war 2014 der abgesägte ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, der 513.000 Euro kassierte. Die durchschnittlichen Gehälter der Generaldirektoren der Nationalbank und der Flugsicherung AustroControl sind unter den Kanzlerverdienst gesunken. Die Chefs von Finanzmarktaufsicht (FMA) und Telekom-Regulator RTR verdienten ebenfalls weniger, die Chefs der Strombehörde E-Control hingegen mehr als der Kanzler.

Der Bericht nennt zwar keine individuellen Gagen, fördert aber einige Überraschungen zutage:

Hohe Steigerung

Verblüffend sind die Zuwächse. Zwischen 2011 und 2014 sind die Managergehälter um satte 15,3 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Löhne der Beschäftigten kletterten in diesem Zeitraum nur um 7,5 Prozent. Vorstände und Geschäftsführer verdienten im Schnitt das Vierfache der normalen Mitarbeiter.

Mehr Frauen, weniger Gage

Zahlenmäßig holen die Frauen auf; ihr Anteil an den Vorstandsmitgliedern beträgt nun 20,3 Prozent. Vor drei Jahren waren es 16,4 Prozent. Grund zur Freude ist das aber nicht. Frauen erreichen nämlich nur 73 Prozent der männlichen Durchschnittsbezüge. Die Schere geht also auf: 2012 waren es 81,3 Prozent.

Anmerkung: Die Diskrepanz zwischen Geschäftsberichts- und Rechnungshof-Zahlen erklärt sich aus dessen Methodik. Der Rechnungshof errechnet Durchschnittseinkommen pro Person (so als würden alle Vorstände dasselbe erhalten). Ob ein Manager unterjährig ausgeschieden ist, bleibt in dieser Tabelle unberücksichtigt. Außerdem umfasst beim RH-Einkommensbericht der Gesamtjahresbezug nicht nur das Fixgehalt und die erfolgsabhängigen Bestandteile, sondern auch freiwillige Sozialaufwendungen, etwa Pensionsvorsorgen. Deshalb kann der (errechnete) Durchschnittsbezug aller Vorstände im Einzelfall sogar höher ausfallen als der (faktische) Bezug des Spitzenverdieners.