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Wirtschaft
09/13/2021

Die scheibchenweise Demontage des Jack Ma

Die Machthaber in Peking wollen AliPay zerschlagen. Die Botschaft dahinter: Die Politik hat das Sagen, nicht die Konzerne.

von Anita Staudacher

Es ist eine weitere politische Machtdemonstration gegen den großen, in Ungnade gefallenen Alibaba-Boss Jack Ma: Wie die Financial Times unter Berufung auf Insider berichtet, zwingen die Behörden in Peking den zur Alibaba-Finanztochter Ant Group gehörenden Bezahldienst AliPay zum radikalen Umbau. Konkret soll das lukrative Geschäft mit Konsumkrediten vom Unternehmen abgespalten und in ein Joint-Venture mit staatseigenen Firmen eingebracht werden.
 

Sämtliche Nutzerdaten, die das Fintech bei seinen Kreditentscheidungen zugrunde legt, sollen in dieses Gemeinschaftsunternehmen ausgelagert werden. Auch andere Internet-Kreditanbieter seien von der schärferen Regulierung betroffen, heißt es in dem Bericht. Von der Ant Group selbst gab es zunächst keine Stellungnahme.

Der Schritt reiht sich ein in eine ganze Serie von Regulierungsmaßnahmen, durch die Machthaber in Peking ihre Aufsicht über viele Branchen verschärfen – von der Technologie über die Bildung bis zum Finanz- und Immobilienmarkt. Damit soll nach Jahren des rasanten, wenig regulierten Wachstums die Kontrolle über die Wirtschaft zurückgewonnen werden.

Ziel: Finanzstabilität

„Die Führung in Peking riskiert offensichtlich wirtschaftlichen Schaden, um politische und soziale Ziele zu erreichen. Eines dieser Ziele ist zweifellos die finanzielle Stabilität“, sagt Jacob Gunter, Experte beim Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. Im Falle von AliPay soll die Stabilität durch die Trennung von Kredit- und Zahlungsgeschäft erfolgen. Nachvollziehbar, zumal in China fast niemand mehr bar zahlt und sogar Hypothekarkredite rasch und bequem via AliPay-App abgeschlossen werden können.

Mehr Wettbewerb

„Eine weitere Absicht dahinter heißt Wettbewerbsregulierung-Regulierung“, erläutert Gunter dem KURIER. „Das Alibaba- und das Tencent-Ökosystem sollen in kleinere Einzelteile zerlegt werden, damit weniger finanzielles Risiko von ihnen ausgeht und sie leichter zu steuern sind.“ Die vielen miteinander verflochtenen Geschäftszweigen steuern längst das Alltagsleben der Chinesen mit. Erst am Montag verpflichtete die chinesische Regierung die Tech-Konzerne dazu, künftig gegenseitige Verlinkungen auf ihren Internetseiten zuzulassen. Wer sich nicht daran hält, soll hart bestraft werden. Auch dieser Schritt soll die Macht von Alibaba und Tencent eindämmen.

Die Konsequenzen der Regulierung zeigen sich kurzfristig zwar in einem enormen Wertverlust an der Börse, längerfristig könnten sich die Konzerne aber durchaus wieder erholen und expandieren, meint Gunter. „Grundsätzlich möchte Peking ja ein starkes Alibaba und ein starkes Tencent im globalen Markt, allerdings nur unter der Kontrolle der kommunistischen Partei.“

Und Jack Ma? Der charismatische Alibaba-Gründer wurde mit seiner Forderung nach einer Deregulierung des Finanzmarktes zur Gefahr für die Partei. Gunter: „Die KP sendet eine klare Botschaft aus: Die Politik ist am Ruder und nicht die Wirtschaft. Große Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft wie Jack Ma werden demontiert.“ Die Demontage wirkt sich auch auf das Vermögen des Multi-Milliardärs aus.

Seitdem Peking im Herbst des Vorjahres den Börsengang von Ant gestoppt hat, ist Jack Ma um fast 13 Mrd. Dollar ärmer geworden. Sparen muss er dennoch nicht, Forbes schätzt sein Vermögen auf 41,5 Mrd. Dollar.

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