Für größere Formate bis ebenfalls zwei Kilo muss man vier Euro berappen.

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Österreichische Post
08/11/2016

Die Post bringt "Päckchen", höhere Tarife und elektrischen Strom

"Päckchen" für den Onlinehandel, Briefporto wird zum Teil teurer.

von Franz Jandrasits

Die Post bringt ab 1. Jänner 2017 nicht nur Briefe und Pakete, sondern auch „Päckchen“. Diese bis zu maximal 2 Kilo schweren Kleinpakete, die vor allem für den boomenden Online-Handel gedacht sind, kosten 2,50 Euro Porto, wenn sie in den Briefkasten passen. Für größere Formate bis ebenfalls zwei Kilo muss man vier Euro berappen. Die anderen Pakettarife im Inland bleiben unverändert.

Bei Briefen innerhalb Österreichs langt die Post ab 2017 zum Teil kräftig zu. Zwar kostet der Standardbrief bis 20 Gramm unverändert 68 Cent. Ab 20 bis 75 Gramm fallen aber bereits stolze 1,25 Euro an. Das bedeutet eine Verteuerung um bis zu 25 Prozent. Die preisgünstigere Variante – 20 bis 50 Gramm um 1 Euro – wird abgeschafft. Und ab 75 Gramm Gewicht gibt es nur noch das „Päckchen“ um 2,50 bzw. 4 Euro, den Maxibrief bis zu 500 Gramm um 1,60 Euro Porto bietet die Post dann ebenfalls nicht mehr an.

Teures Ausland

Die Abschaffung einiger Formate und Gewichtsklassen verteuert auch Auslandsporti teilweise massiv. Das Porto für den Standard-Brief in Europa bleibt zwar bei 80 Cent, ab 75 Gramm wird es aber empfindlich teurer. Denn ab diesem Gewicht gibt es nur noch die Formate Large und XL bis zum Gewicht von zwei Kilo um 6,90 bzw. 12,90 Euro pro Sendung.

Seit Kurzem bringt die Post neben Briefen und Paketen auch elektrischen Strom. In den vergangenen Wochen wurden bereits knapp 1500 Lieferverträge für Kunden abgeschlossen.

Rekordergebnis

Das Postgeschäft selbst leidet nach wie vor unter der Substitution des Briefes durch elektronische Medien. Zwar blieb der Umsatz der Briefsparte im ersten Halbjahr wegen der Bundespräsidentenwahl stabil, das Betriebsergebnis des Bereichs ging aber zurück. Dank der Zuwächse im Paketbereich und dem positiven Ergebniseffekt aus dem Verkauf der verlustreichen deutschen Paket-Tochter trans-o-flex fuhr die Post mit 98,6 Millionen Euro das beste Halbjahresergebnis in der Unternehmensgeschichte ein. Im Gesamtjahr erwartet Pölzl unverändert rund zwei Milliarden Euro Umsatz und ein stabiles Betriebsergebnis.

Ein Post-Päkchen namens XS

S, M, L, XL: Nein, damit sind nicht Hosengrößen gemeint, sondern die neuen Brief- und Paketgrößen der Österreichischen Post. Ganz dem Trend der Zeit folgend, stellt sie ihr Tarifsystem ab Jänner 2017 gleich so um, dass es ein Preisvergleich zu früher kaum möglich ist. Wie auch vergleichen, wenn es diese Angebote vorher so gar nicht gegeben hat?

Den Inlands-Brief etwa gibt es künftig nur noch in zwei Größen: S und M, wobei das Porto für den Standardbrief (S) unverändert bei 68 Cent bleibt, der M aber künftig statt 1,25 statt 1 Euro kostet. Gut, dafür dürfen es auch 25 Gramm mehr sein. Das Paket hingegen gibt es künftig auch als kleines Päckchen, wie es die Deutsche Post DHL schon länger im Sortiment hat. Das Päkchen hat es zwar vorher auch schon irgendwie gegeben, aber dafür wurden nun eigene Größen definiert. Es gibt S (Inland) XS und MINI (Ausland). Die Tarife für S, XS und MINI sind natürlich völlig unterschiedlich. Direkt in den Postkasten zugestellt werden nur XS und S, nicht jedoch das MINI.

„Noch einfacher und moderner “ nennt die Post selbst ihre Tarifumstellung. Schließlich gehe es um eine "E-Commerce-konforme Sendungsstruktur". Mag sein, aber für den einfachen Haushalt wird es eher noch komplizierter und intransparenter.

Streit um Paket-Tochter eskaliert

„Ein Teil der Familie versucht, die politische Unruhe auszunutzen. Die Motivation ist das Bestreben, einen höheren Preis zu erzielen.“ Post-Chef Georg Pölzl übt heftige Kritik am türkischen Partner, der Familie Aras, die noch die 75-Prozent-Mehrheit am gleichnamigen Paketzusteller hält. Die Post will, wie vereinbart, weitere 50 Prozent übernehmen. Miteigentümerin und Firmenchefin Evrin Aras wehrt sich dagegen und hat die Post per Presseaussendung aufgefordert, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

Hintergrund des eskalierten Streits: Den Türken ist der beim Einstieg der Post 2013 vereinbarte Preis – der sich am Betriebsergebnis 2015 orientiert – zu niedrig. Pölzl will weder aus dem Vertrag aussteigen noch einen wesentlich höheren Preis zahlen: „Wir halten uns an Verträge.“ Derzeit wird noch verhandelt, er werde in den nächsten Wochen häufiger in die Türkei reisen. Können sich die Partner nicht einigen, entscheidet ein Schiedsgericht in Genf.