Anlage der Wien Energie Fernwärme in der Müllverbrennungsanlage Spittelau.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Wirtschaft
12/21/2020

Wien-Energie-Chef Strebl: „Energiewende ist ein Maßanzug“

Wien Energie kauft Windparks der deutschen Encavis im Burgenland und der Steiermark

von Martin Meyrath

Am Montag wurde bekannt, dass Wien Energie 49 Prozent des österreichischen Windparkportfolios der deutschen Encavis AG kauft. Dabei geht es um zwei Windparks in der Steiermark und einen im Burgenland. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Wie Wien-Energie-Chef Michael Strebl dem KURIER erklärt, handelt es sich um „keine Finanzbeteiligung“. Die Akquisition ist Teil der Dekarbonisierungsstrategie des Energieversorgers. „Wir werden jede Form von erneuerbarer Energie brauchen“, so Strebl. Da Wien damit „nicht gerade gesegnet“ sei, werden auch Anlagen in anderen Bundesländern benötigt.

Die insgesamt 13 Windräder haben eine Leistung von 37 Megawatt. Mit 49 Prozent der Produktion kann die Wien Energie den Strombedarf von etwa 14.800 Haushalten decken. Im Vergleich zu fossilen Energieträgern sollen die drei Windparks 14.500 Tonnen einsparen. Die europäischen Klimaziele und der „Wiener Klimapakt“ stellen hohe Anforderungen an den Energieversorger. Wien werde in Kürze zwei Millionen Einwohner haben, so Strebl, „wie kann man eine Millionenstadt dekarbonisieren“?

Ein wesentlicher Bestandteil soll Fotovoltaik auf den Dächern sein. Bis 2030 will das Unternehmen 600 Megawatt Leistung installieren. Das entspricht dem Bedarf von 250.000 Haushalten. Strebl sieht hier auch eine Rolle für private Energiegemeinschaften. Alleine reicht das aber nicht aus, um die wachsende Stadt zu versorgen. Derzeit kommt der größte Teil aus den Verbrennungsanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Diese werden laut Strebl auch weiterhin eine gewichtige Rolle spielen, da sie mit 95 Prozent einen hohen Energienutzungsgrad haben und der Strom außerdem nicht weit transportiert werden muss: „Wir sparen mit der Fernwärme in Österreich 1,5 Millionen Tonnen verglichen mit Öl- und Gasheizungen.“

 

Ob sich die Kunden auf höhere Strompreise gefasst machen müssen, ist für Strebl nicht absehbar. Strom werde international an der Börse gehandelt, der Marktpreis ist insofern kaum vorhersehbar. Allerdings entfällt nur 20 Prozent der verbrauchten Energie auf Strom, der Großteil geht in Wärme und Verkehr.

Heizen

45 Prozent der Wiener Haushalte heizen mit Fernwärme, etwa gleich viele mit Gas. Allerdings wird auch die Fernwärme bislang zu einem hohen Prozentsatz mit fossilen Energieträgern erzeugt, denn die Müllverbrennung kann den Bedarf bei weitem nicht decken. Strebl sieht jedoch den Vorteil, dass die Fernwärme vergleichsweise einfach umgestellt werden kann. Statt Umbauten in den Haushalten müsse nur die Quelle ersetzt werden.

Neben der Müllverbrennung setzt Wien Energie auf drei Energiequellen: Zum einen gelte es, geothermische Energie im Wiener Becken zu erschließen. Das bedeutet, dass unterirdische heiße Quellen für das Fernwärmenetz genutzt werden sollen. Teilweise bereits umgesetzt ist die Nutzung vorhandener Abwärme. Beispiele dafür sind die Anschlüsse in der Manner Schnittenfabrik in Hernals und in der Therme Oberlaa. Ein dritter wichtiger Baustein ist der Einsatz von Wärmepumpen. Eine solche am Standort Simmering versorgt bereits 25.000 Haushalte. Eine weitere soll voraussichtlich bis 2024 in der Hauptkläranlage fertiggestellt werden und etwa 100.000 Haushalten Wärme liefern.

Darüber hinaus könnte grünes Gas zukünftig eine Rolle spielen. Eine einfache Lösung für den Ersatz der Gasheizungen sieht Strebl nicht. „Die Energiewende ist ein Maßanzug und keine Stangenware.“

Allerdings spielt beim Thema Raumwärme auch die Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Großes Potenzial sieht Strebl deswegen in der thermischen Sanierung. Bis 2030 will Wien Energie 1,2 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren, sowohl in Zukäufe, als auch in Ausbauten.

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