© Lorenz Masser

Wirtschaft
02/21/2020

Der Sturm im Molkerei-Milchglas

Nur 12 von 700 Lieferanten der Ennstal Milch vermarkten direkt. Sie stellen Forderungen, die nicht erfüllbar sind.

von Andreas Anzenberger

"Wir haben lange intensive Gespräche geführt", betont der Geschäftsführer Ennstal Milch, Harald Steinlechner. Daher werde es keine Änderungen bei den Regeln für Direktvermarkter geben. Ab März gilt für jene Milchbauern, die nicht nur die Ennstal Milch beliefern, sondern auch direkt vermarkten, folgende Regel: Wenn sie die vereinbarte monatliche Lieferhöchstmenge um 70 Prozent oder mehr unterschreiten, so wird das Milchgeld für den entsprechenden Monat um fünf Cent pro Liter gekürzt.

Wobei Steinlechner die Milchbauern nicht von der Direktvermarktung abhalten will. "Es muss aber Regeln geben, die für alle akzeptabel sind. Ich brauche Planbarkeit bei den Verarbeitungsmengen." Derzeit wird Milch in Kooperation mit anderen Molkereien zwischengelagert, um die Lieferausfälle durch die Direktvermarktung auszugleichen. "Ich habe Lieferverträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Wenn ich die Lieferungen kürze, wird mir der Vertrag gekündigt", weiß der Geschäftsführer.

Mehrkosten

Die Zwischenlagerung verursacht Kosten. "Es ist nicht akzeptabel, dass jene Milchbauern, die keine Direktvermarktung machen, die als Folge der Direktvermarktung entstanden Kosten mitbezahlen." Daher die Kürzung des Milchgelds, wenn die Anliefermenge deutlich sinkt. Schulmilch fällt übrigens nicht unter Direktvermarktung.

Ursprünglich habe man vereinbart, dass die Kürzung des Milchgeldes bereits ab einer Reduktion der vereinbarten monatlichen Lieferhöchstmenge von 50 Prozent eintritt. Doch es habe Bedenken gegeben, dass dadurch kleine Milchbetriebe zu wenig Milch für die Direktvermarktung übrig bleibt. Daher wurde die Mindestliefermenge auf 30 Prozent reduziert.

Doch dann kamen von einzelnen Milchbauern zusätzliche Forderungen, erzählt Steinlechner "Sie wollten sich zuerst fünf und dann drei Tage im Monat aussuchen, an denen sie keine Milch an die Molkerei liefern. Das kommt für uns nicht in Frage. Wo soll ich die Milch herbekommen?"

Nun trat die IG-Milch, eine Vereinigung von Milchbauern, auf den Plan. Von einer Existenzbedrohung der Milchbauern und dem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung sowie möglichen Klagen war die Rede. Doch das ist lediglich ein Sturm im Milchglas. Von den 700 Lieferanten der Ennstal Milch wollen laut Steinlechner nur 12 Milchbauern direkt vermarkten. Außerdem wird es juristisch wohl kaum durchsetzbar sein, dass der Lieferant den Molkerei seine Bedingungen aufzwingt.

Die Ennstal Milch verarbeitete jährlich  85 Millionen Liter Milch und beschäftigt 270 Mitarbeiter. Die Exportquote beträgt  46 Prozent. Produziert werden vor allem Milchmixgetränke. Steinlechner: "Wir haben immer höchste Milchpreise bezahlt."

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