Besonders Teilzeitkräfte und Arbeitskräfte mit Vor- und Nachbereitungsarbeiten, wie im Einzelhandel, sind gefährdet, nicht alle Überstunden ausbezahlt zu bekommen.

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Wirtschaft
12/05/2019

Der Nepp mit den Überstunden

Eine Milliarde Euro streifen Unternehmen jährlich auf Kosten der Arbeitnehmer ein.

Seit Anfang November machen Herr und Frau Österreicher wieder gratis Mehrarbeit. 255 Millionen Überstunden werden jährlich in Österreich geleistet, 17 Prozent davon werden nicht vergütet, sagt Adi Buxbaum von der Abteilung Sozialpolitik der Arbeiterkammer (AK). Auf das Jahr umgerechnet werden also nur bis 31. Oktober Überstunden bezahlt, ein Umstand, auf den die AK jetzt kurz vor Weihnachten noch einmal aufmerksam macht.

Verhandlungsfrage

„Ob Überstunden vergütet werden oder nicht, ist eine Frage der Verhandlungsmacht“, sagt Buxbaum. Der Anteil der unbezahlten Überstunden habe sich in den vergangenen Jahren zwar reduziert, sei aber immer noch hoch. 43 Millionen Stunden wurden 2018 nicht ausbezahlt. „Nimmt man einen durchschnittlichen Stundenlohn von 15 Euro an und rechnet einen Überstundenzuschlag von 7,5 dazu, kommen 22 Euro raus“, rechnet Buxbaum vor.

Multipliziert mit den 43 Millionen Stunden komme man auf knapp eine Milliarde Euro, die nicht bei den Arbeitnehmern, sondern bei den Unternehmern lande. In Jobs umgerechnet wären das 25.000 Vollzeitbeschäftigungen, so der AK-Experte.

Frauen stärker betroffen

Frauen sind von der Nichtvergütung stärker betroffen als Männer. Jede Fünfte bekommt Überstunden nicht korrekt ausbezahlt. Bei den Männern ist es jeder Siebente, beide Geschlechter zusammen gerechnet jeder Sechste. „Frauen sind deshalb stärker benachteiligt, weil sie oft eine schlechtere Arbeitsmarktsituation haben“, erklärt Buxbaum. Sie würden öfter in Teilzeit arbeiten, wo der Druck oft höher sei und mehr Bereitschaft für unbezahlte Überstunden herrsche.

Generell gebe es diese Unart in allen Branchen, am stärksten jedoch in jenen, in denen es Vor- und Nachbereitungsarbeiten gebe, wie zum Beispiel im Einzelhandel. Es treffe nicht nur alle Branchen, sondern auch alle Qualifikationen, nicht nur schlechter bezahlte Tätigkeiten.

Wer nach Lösungen sucht, muss auf mehreren Ebenen tätig werden. „Oft ist die Personalplanung zu knapp bemessen“, sagt Buxbaum. Dadurch könnten lange Arbeitszeiten entstehen, die nachher nicht abgegolten werden. Weiters müsste man in manchen Unternehmen die Wertschätzungskultur fördern und das Bewusstsein für die Leistungen der Mitarbeiter fördern.

Schärfere Kontrollen

Ein weiteres Thema wären gesetzliche Kontrollen, die verschärft werden müssten, meint Buxbaum. Er kritisiert die gesetzlich legalen Verfallsklauseln von oft nur drei Monaten. Viele Arbeitnehmer würden davon nichts wissen. Die Arbeiterkammer setze sich für ein Verbot dieser Klauseln ein.

Auch wenn der Trend hin zu weniger unbezahlten Überstunden geht, wird die Arbeiterkammer an dem Thema dranbleiben, sagt Buxbaum. „Wir haben immer noch 100.000 Arbeitslose mehr als vor der Krise 2008/’09.“ Und je höher die Arbeitslosigkeit sei, desto größer sei auch die Gefahr, dass jemand ausgetauscht werde, wenn er am Arbeitsplatz aufbegehre.

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