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Wirtschaft
02/20/2019

"Der Lkw wird immer als der große Feind gesehen"

Fahrer im Interview: Matthias Lachowitz wünscht sich mehr Maßnahmen für Verkehrssicherheit. Auch Arbeitsbedingungen sollen verbessert werden.

von Konstantin Auer

Matthias Lachowitz ist seit 34 Jahren Lkw-Fahrer. Er transportiert mit seinem Sattelschlepper österreichweit Gefahrengut. Für ihn gehört für mehr Sicherheit im Stadtverkehr mehr getan, als nur zu Abbiegeassistenten zu verpflichten.

KURIER: Wie ist es für einen LKW-Fahrer, in der Stadt zu fahren?

Lachowitz: Das ist sehr anstrengend. Ich sage immer, es ist, wie wenn man mit einem Elefanten in einer 35 Wohnung spazieren geht. Das größte Problem ist die Aggressivität der anderen Verkehrsteilnehmer. Der Lkw wird immer als großer Feind gesehen. Die Leute glauben, dass wir zum Vergnügen fahren.

Was macht es so schwierig?

Wir haben Zeitdruck, wir werden geschnitten und in Wien ist eine Stunde Zeitverlust nicht viel. Unsere Fahrzeuge sind 16 Meter lang und 14 Tonnen schwer, da geht es oft um Zentimeter. Die anderen Verkehrsteilnehmer könnten auch mehr aufpassen, ich sehe so viele mit dem Handy in der Hand und mit Kopfhörern.

Würden Abbiegeassistenten helfen?

Ich möchte sagen, dass ich sowohl Mitleid mit den Angehörigen der Unfallopfer als auch mit den Lkw-Fahrern habe. Mit so etwas muss man mal leben können. Jedes Assistenzsystem unterstützt, aber es wird nie einen Unfall verhindern. Am Ende muss immer der Fahrer reagieren und bremsen.

Das Nachrüsten bringt also nichts?

Der schnelle Vorstoß ist optisch schön, wird aber nicht die erhoffte Wirkung haben. Es bräuchte ein europaweites Gesamtpaket. Mehr als die Hälfte der Lkws kommen aus dem Ausland, die müssten auch nachrüsten. Außerdem braucht es mehr Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen.

Was wäre sonst noch nötig?

In den Städten könnte man die Zebrastreifen weiter weg von der Kreuzung platzieren, dann sehe ich die Fußgänger besser, wenn sie nicht neben dem Zebrastreifen gehen. Eigene Grünphasen für die Fußgänger oder Registriernummern bei Fahrrädern könnten auch helfen. Die Radler dürfen in Wien rechts neben dem Lkw fahren. Der Abbiegeassistent würde so oft piepsen, dass er irgendwann ignoriert werden würde.

Sind die Arbeitsbedingungen in der Lkw-Branche mitschuldig an den Unfällen?

Viele Fahrer haben Stress, aber das würde ich so nicht sagen. Wir passen immer auf, besonders bei Kreuzungen.

Wodurch wird der Stress verursacht?

Wir haben kurze Lieferfenster und müssen Ruhezeiten und Pausen einhalten. Außerdem ist der Verkehr mehr geworden. Wir leben eigentlich von Überstunden und haben ein niedriges Lohnniveau, obwohl wir Facharbeiter mit entsprechender Ausbildung und Verantwortung sind.

Ist das der Grund für den Fahrermangel?

Wir müssen unseren Beruf mit weniger Arbeitszeit und höheren Löhnen attraktiver machen. Fahrer aus dem Osten drücken das Gehalt. Viele kommen aus Rumänien und Bulgarien oder auch aus der Ukraine. Wenn diese ortsunkundig sind und die Sprache nicht können, hat das auch Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Aber in meiner Firma haben wir nur Österreicher und finden auch junge Leute, weil die Bedingungen stimmen.

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