Philip Morris Österreich-Chef Alexander Schönegger (re.) in der KURIER-Pop-up-Redaktion auf der Wiener Mariahilferstraße.

© Kurier/Gerhard Deutsch

Wirtschaft
09/05/2020

Der Kulturwandel weg vom Marlboro-Cowboy

Nikotinkonsum: Der Tabakkonzern Philip Morris richtet sein Geschäft neu aus.

von Martin Meyrath

Philip Morris ist die Nummer 1 am österreichischen Tabakmarkt. International macht der Konzern bereits ein Fünftel seines Umsatzes mit Alternativprodukten, die weniger schädlich sein sollen als klassische Zigaretten. “Iqos“ sieht aus wie eine Plastikhülse, aus der hinten ein Filter steht. Wie auch bei E-Zigaretten findet dabei kein Verbrennungsprozess statt, erklärt Philip Morris Österreich-Chef Alexander Schönegger im KURIER Talk.

KURIER: Sie arbeiten für einen Tabakkonzern und wollen angeblich den Leuten das Rauchen abgewöhnen. Wie passt das zusammen?

Alexander Schönegger: Weil wir es können und weil es das Richtige ist. Philip Morris befindet sich in einem Wandel weg vom Tabakkonzern hin zu einem technologiegetriebenen Unternehmen.

Dabei geht es um Alternativprodukte zu klassischen Zigaretten?

Richtig. Es geht darum, Alternativen zu finden, die für erwachsene Raucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen, eine Lösung sind. Und zwar möglichst nah an ihrer bisherigen Art und Weise, wie sie von der herkömmlichen Zigarette Gebrauch machen.

Was ist das Produkt?

Unser Produkt ist ein Tabakerhitzer. Es geht darum, den Verbrennungsprozess auszuschalten. Denn es ist der Verbrennungsprozess, der die krebserregenden Schadstoffe freisetzt. Wir haben einen Halter, in den ein Tabakstick eingeführt und durch einen Heizstab auf 350 Grad erhitzt wird. Daraus entsteht ein nikotinhaltiges Aerosol.

Muss Rauchen vernünftig sein? Ist das ein Kulturwandel weg vom Marlboro-Cowboy, hin zu einem vernünftigen Konsum von Nikotin?

Wir haben uns von den ikonischen Werbefiguren verabschiedet. Wir konzentrieren uns auf den Kunden, das ist der erwachsene Raucher, der aufhören will und es nicht schafft. Insofern ist das ein Kulturwandel. Und wenn man einen gewissen Wandel nicht macht und den Konsumenten nicht zuhört, dann blicken Sie auf die Fortune 500 Firmen, die 2002 gelistet waren. Davon sind 52 Prozent heute nicht mehr existent.

2019 wurde in Österreich das Rauchverbot in der Gastronomie eingeführt und zur Eröffnung der Schanigartensaison 2020 kam die Corona-Krise. Haben sie das im Absatz gemerkt? Mit Covid sieht man eine Verschiebung der Zigarettenverkäufe. Dadurch, dass die Mobilität eingeschränkt war, gab es weniger Touristen in Österreich. An den Zahlen sieht man, dass in Tourismusgebieten und großen Einzugsgebieten die Zahlen zurückgegangen sind, aber in Wohngebieten und grenznahen Gebieten sind die Tabakverkäufe hinaufgegangen.

Wenn Iqos helfen soll, mit dem Rauchen aufzuhören: wer ist dann mittelfristig die Zielgruppe?

Der klare Ansatz von Philip Morris ist, man soll mit dem Rauchen nicht anfangen. Wenn man angefangen hat, soll man aufhören und wenn man das nicht kann, soll man auf Alternativen schauen. Wir sehen die Möglichkeit, dieser großen Gruppe zu helfen, auf risikoreduzierte Produkte umzusteigen.

Philip Morris bezahlt die Forschung zu den gesundheitlichen Risiken. Wer führt sie durch?

Wir verfolgen bei den Studien die „good clinical practices“, das sind internationale Leitlinien. Die Studien werden von externen Organisationen durchgeführt. Wenn eine Studie gestartet wird, ist sie immer transparent und öffentlich zugänglich. Letztendlich werden sie von externen Instituten beziehungsweise Regierungsbehörden noch mal überprüft. Es ist wichtig hinzuzufügen, dass auch risikoreduzierte Produkte ein Risiko bergen, denn sie enthalten Nikotin und Nikotin macht süchtig. Es geht hier nicht um eine Schönwascherei oder ein Vermindern des Risikoempfindens, sondern um ernst zu nehmende Alternativen.

Ist das Produkt in Österreich schon zugelassen? In Österreich ist Iqos seit dem 1. März zugelassen.

Haben Sie in anderen Ländern Erfahrung mit der Markttauglichkeit?

Der erste Markt, in dem Iqos lanciert worden ist, war Japan, einer der größten Tabakmärkte der Welt. Wir konnten dort sehr gute Resultate verzeichnen und haben in kurzer Zeit einen Marktanteil von 18 Prozent erzielt.

Haben Sie eine Zielvorgabe für Österreich?

Wir sind erst einige Monate auf dem Markt und es ist noch viel zu früh zu sagen, in welche Richtung sich das entwickeln wird. Wir hoffen auf Userzahlen im fünfstelligen Bereich im ersten Jahr.

Wie sind die Preise im Vergleich zu konventionellen Zigaretten?

Der durchschnittliche Preis liegt in Österreich bei 5,11 Euro. Wir bieten Iqos Tabaksticks um fünf Euro an. Der Halter beginnt bei 69 Euro, das Flagship-Gerät wird um 99 Euro verkauft.

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