© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
09/10/2020

"Das Interesse an Osteuropa ist weiter da"

RBI-Chef Johann Strobl zur Lage in Weißrussland, Zukäufen in Osteuropa und die Zukunft der Büros.

von Anita Kiefer, Robert Kleedorfer

KURIER: Die Commerzialbank Mattersburg ist weiter die Causa Prima im Bankbereich. Wer hat versagt?

Johann Strobl: Die Commerzialbank ist ein Kriminalfall. Wer versagt hat werden wir wissen, wenn mehr aufgeklärt ist.

Commerzialbankchef Pucher hat zugegeben, seit 30 Jahren Malversationen betrieben zu haben. Können Sie ausschließen, dass das noch zu der Zeit war, als die Commerzialbank im Raiffeisen-Sektor war?

Bei Kriminalfällen kann man gar nichts ausschließen. Seitens der Burgenländer ist kommentiert worden, wie es zur Trennung gekommen ist. Alles andere wird man im Zuge der Aufklärung sehen.

Die Aufsicht ist, diesen Eindruck könnte man gewinnen, bei kleinen Verstößen genau – und dann passiert das.

Die Aufsicht investiert auch bei uns sehr viel Energie. Die Bankenaufsicht beschäftigt sich mit vielen Themen und ist für Fälle, wo es um wirtschaftliche Verschlechterungen geht, gut gerüstet. Im Bereich des Kriminalfalls wird man manches in diesem Instrumentarium noch ergänzen müssen.

Sie haben mit der Idee eines Selbstbehalts für Kunden für die Einlagensicherung bei Bankenpleiten aufhorchen lassen. Im Bankenbereich befürworten das einige, offiziell sagen will es aber niemand.

Als ich diese Aussage getroffen habe, war mir bewusst, dass ich damit alleine stehe.

Hat Sie niemand angerufen und beglückwünscht?

Anrufe habe ich schon bekommen. Aber ich stehe alleine, damit hat es auch keinen Sinn darüber weiterzureden.

Wie bewerten Sie die Lage in Weißrussland? Sie bezeichnen Ihre Tochter dort ja als wenig relevant.

Das ist verkürzt. Wir glauben, dass unsere Bank einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Landes leistet. Aber sie ist, sowohl in der RBI als auch im Land, nicht besonders groß. Im Land sind wir die Nummer fünf.

Gibt es Pläne dort das Kreditvolumen zu reduzieren?

Nein. Wir haben uns in diesem Land immer zurückgehalten, das kann man schon sagen. Die Dimension ist so wie wir es wollen.

War es ein Fehler hinzugehen?

Nein. Bei den Ländern, in die wir gegangen sind, war die Hoffnung, dass rasch eine Konvergenz eintritt. In Weißrussland ist das nicht aufgegangen. Das kann man im Vorfeld nicht wissen.

Haben die politischen Turbulenzen dort Auswirkungen auf Ihre Risikovorsorge?

Bisher nicht.

Wie funktioniert die wirtschaftliche Bewältigung der Krise in Osteuropa?

Die Osteuropäer können mit Krisen umgehen. Die Unternehmen haben aus der Finanzkrise im Jahr 2008 viel gelernt. Sie haben eine langfristige Finanzierungsstruktur. Die Betroffenheit ist nicht anders als hier.

Zeitgleich mit dem Anstieg der Kreditmoratorien ist in Österreich die Insolvenzquote gesunken. Werden Unternehmen durch die Krise getragen, die schon tot sind?

Es ist zu früh das zu sagen. Das Besondere jetzt ist, dass durch den Lockdown diese Rezession überall zeitgleich eingetreten ist. Aber in keiner Rezession ist es so, dass Probleme der Unternehmen unmittelbar sichtbar sind. Manchen wird wohl ein paar Monate Luft verschafft, aber langfristig werden keine großen Probleme überdeckt. Wenn ein Unternehmen vor der Krise gut war, wird es danach auch gut sein.

Stichwort Osteuropa: Sie waren mit Mai des Vorjahres noch sehr stark an Tschechien, der Slowakei, Serbien und Ungarn interessiert. Hat sich das durch die Krise erledigt?

Das Interesse ist weiter da.

Und wie konkret ist es?

Es ist noch zu früh, um darüber reden zu können. Aber ich glaube, die Corona-Krise führt zu keiner gravierenden strukturellen Veränderung, sie wirkt eher verstärkend. Die Negativzinsen aus dem niedrigen Zinsniveau verstärken den Ertragsdruck in den Banken. Konsolidierung ist eine Antwort darauf.

Warum wollen Sie an einer Dividendenausschüttung festhalten, obwohl die EZB etwas anderes empfiehlt?

Wir würden gerne, aber wir werden uns nicht gegen die EZB stellen. Das kann man nicht machen. Sobald sie das Verbot – es ist ja eine Empfehlung, aber materiell ist es ein Verbot – aufgibt, sind wir bereit und in der Lage eine Dividende zu zahlen.

Seit März 2017 ist Johann Strobl Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International AG, seit 2007 ist er für Raiffeisen tätig. Strobl blickt auf über 30 Jahre Bankerfahrung zurück

368 Millionen Euro Gewinn hat die RBI International AG im ersten Halbjahr 2020 gemacht (rund 35 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres). 8,5 Milliarden Euro an Krediten waren Ende des Halbjahres Moratorien unterworfen

Stichwort Personalreduktion: Sie haben vor einem halben Jahr gesagt, mit den 200 Stellen ist das Wesentliche getan. Was kommt da noch konkret?

Das ist weitestgehend erledigt, es gab nur coronabedingt eine Unterbrechung in der Umsetzung. Letztlich liegt der Abbau aber im Rahmen der natürlichen Fluktuation. Im IT-

Bereich haben die meisten Kollegen wieder neue Jobs. Mittelfristig werden uns die Ertragsmöglichkeiten der Banken weiter beschäftigen. Dazu kann ich allerdings noch nichts sagen.

Viele Menschen sind ja im Homeoffice, wohl auch noch nach Ende der Pandemie. Braucht die RBI noch so viele Büroräumlichkeiten? Steht die „Welle“ (Zubau am Stadtpark, Anm.) zum Verkauf?

Nein, dazu haben wir keinen Plan. Wir waren erfreut und positiv überrascht, wie gut Homeoffice funktioniert. Sowohl technisch als auch wie gut es die Mitarbeiter angenommen haben. Denn daheim zu arbeiten, ist nicht einfach. Wir experimentieren derzeit gemeinsam mit den Betroffenen und schauen uns an, welche Erfahrungen wir mit unterschiedlich gestalteten Büroflächen machen. Generell gilt: Wenn man die fixen Arbeitsplätze aufgibt, kann man rund 20 Prozent an Fläche einsparen, ohne dass die Mitarbeiter ständig zu Hause sein müssten. Die Raumkosten sind nicht unerheblich, aber nicht der größte Teil.

Was bedeutet das?

Wahrscheinlich werden wir bis Jahresende wissen, in welche Richtung wir gehen können. Die große Chance ist, für Mitarbeiter ein gutes Arbeitskonzept zu finden, aber auch das Unternehmen hat mit reduzierten Raumkosten einen klaren Vorteil. Gute Gebäude werden leicht Nachmieter finden.

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