"Das Interesse an Osteuropa ist weiter da"

"Das Interesse an Osteuropa ist weiter da"
RBI-Chef Johann Strobl zur Lage in Weißrussland, Zukäufen in Osteuropa und die Zukunft der Büros.

KURIER: Die Commerzialbank Mattersburg ist weiter die Causa Prima im Bankbereich. Wer hat versagt?

Johann Strobl: Die Commerzialbank ist ein Kriminalfall. Wer versagt hat werden wir wissen, wenn mehr aufgeklärt ist.

Commerzialbankchef Pucher hat zugegeben, seit 30 Jahren Malversationen betrieben zu haben. Können Sie ausschließen, dass das noch zu der Zeit war, als die Commerzialbank im Raiffeisen-Sektor war?

Bei Kriminalfällen kann man gar nichts ausschließen. Seitens der Burgenländer ist kommentiert worden, wie es zur Trennung gekommen ist. Alles andere wird man im Zuge der Aufklärung sehen.

Die Aufsicht ist, diesen Eindruck könnte man gewinnen, bei kleinen Verstößen genau – und dann passiert das.

Die Aufsicht investiert auch bei uns sehr viel Energie. Die Bankenaufsicht beschäftigt sich mit vielen Themen und ist für Fälle, wo es um wirtschaftliche Verschlechterungen geht, gut gerüstet. Im Bereich des Kriminalfalls wird man manches in diesem Instrumentarium noch ergänzen müssen.

Sie haben mit der Idee eines Selbstbehalts für Kunden für die Einlagensicherung bei Bankenpleiten aufhorchen lassen. Im Bankenbereich befürworten das einige, offiziell sagen will es aber niemand.

Als ich diese Aussage getroffen habe, war mir bewusst, dass ich damit alleine stehe.

Hat Sie niemand angerufen und beglückwünscht?

Anrufe habe ich schon bekommen. Aber ich stehe alleine, damit hat es auch keinen Sinn darüber weiterzureden.

Wie bewerten Sie die Lage in Weißrussland? Sie bezeichnen Ihre Tochter dort ja als wenig relevant.

Das ist verkürzt. Wir glauben, dass unsere Bank einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Landes leistet. Aber sie ist, sowohl in der RBI als auch im Land, nicht besonders groß. Im Land sind wir die Nummer fünf.

Gibt es Pläne dort das Kreditvolumen zu reduzieren?

Nein. Wir haben uns in diesem Land immer zurückgehalten, das kann man schon sagen. Die Dimension ist so wie wir es wollen.

War es ein Fehler hinzugehen?

Nein. Bei den Ländern, in die wir gegangen sind, war die Hoffnung, dass rasch eine Konvergenz eintritt. In Weißrussland ist das nicht aufgegangen. Das kann man im Vorfeld nicht wissen.

Haben die politischen Turbulenzen dort Auswirkungen auf Ihre Risikovorsorge?

Bisher nicht.

Wie funktioniert die wirtschaftliche Bewältigung der Krise in Osteuropa?

Die Osteuropäer können mit Krisen umgehen. Die Unternehmen haben aus der Finanzkrise im Jahr 2008 viel gelernt. Sie haben eine langfristige Finanzierungsstruktur. Die Betroffenheit ist nicht anders als hier.

Zeitgleich mit dem Anstieg der Kreditmoratorien ist in Österreich die Insolvenzquote gesunken. Werden Unternehmen durch die Krise getragen, die schon tot sind?

Es ist zu früh das zu sagen. Das Besondere jetzt ist, dass durch den Lockdown diese Rezession überall zeitgleich eingetreten ist. Aber in keiner Rezession ist es so, dass Probleme der Unternehmen unmittelbar sichtbar sind. Manchen wird wohl ein paar Monate Luft verschafft, aber langfristig werden keine großen Probleme überdeckt. Wenn ein Unternehmen vor der Krise gut war, wird es danach auch gut sein.

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