Klimaschutz: Jeder kann was tun

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Wirtschaft
07/24/2019

CO2-Steuer: Sollen Klimasünden ein Preispickerl bekommen?

Die Diskussion über eine neue Abgabe wird hitziger. Der KURIER hat sich bei heimischen Managern umgehört.

von Christine Klafl, Michael Bachner, Thomas Pressberger, Irmgard Kischko, Robert Kleedorfer, Hermann Sileitsch-Parzer

Ein Sommer wie damals? Alles andere als das. Hitzerekorde und Dürreperioden, kurz unterbrochen von Starkregen und Hagel, sind zur Normalität geworden. Der Klimawandel ist voll im Gange. Der Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) muss reduziert werden, um die Erderwärmung zu stoppen. Einzelne Maßnahmen wie die Förderung von Elektroautos oder das Dämmen von Häusern, um Energie zu sparen, wirken der Erwärmung viel zu wenig entgegen. Für mehr Tempo braucht es allerdings mehr Geld.

Mehr Anhänger

Die Einführung einer CO2-Steuer gewinnt in Deutschland immer mehr Anhänger. Erste Manager großer Konzerne können einer derartigen Steuer etliches abgewinnen. Frank Appel, Chef der Deutschen Post, sagte etwa kürzlich: „Wir brauchen in Europa oder in allen Industriestaaten eine -Steuer, die berechenbar langfristig ist.“ Dann könnten sich Konsumenten und Unternehmen in ihrem Verhalten anpassen. Volkmar Denner, Chef des weltgrößten Autozulieferers Bosch, wiederum meint, dass sich durch eine CO2-Bepreisung Technologie fördern ließe, sie alleine werde aber nicht zur Klimaneutralität in allen Wirtschaftssektoren führen.

Umfrage

Der KURIER hat sich in einem Rundruf erkundigt, wie heimische Manager zu einer CO2-Steuer stehen. Die Bandbreite der Meinungen finden Sie hier.

Josef Zotter

Chocolatier: Die Abgabe wird als Steuerungseffekt wohl notwendig werden, sonst hört dieser globale Transport nie auf. Wenn sich Europa einig ist, wird es auch kein Problem sein.

Herbert Eibensteiner

Voest-Boss: Die derzeit in Diskussion befindlichen Vorschläge einer CO2-Besteuerung werden aus unserer Sicht erst zu bewerten sein, wenn entsprechende Details vorliegen.  

Alexander Klacska

Transportunternehmer: Die Anstrengungen bei sind zu unterschiedlich, als dass sich Europa hier durchsetzt. Der Warenaustausch könnte stark verteuert werden.

Gabriele Herzog

Austropapier-Chefin: CO2-Steuern haben nur EU-weit Sinn. Unternehmen, die beim Emissionshandel dabei sind, dürfen nicht doppelt zahlen.

Kurt Weinberger

Hagelversicherung: Wir brauchen eine Steuer auf fossile Brennstoffe, einen Klimabonus pro Bürger, mehr öffentlichen Verkehr und Schutz vor Bodenverbauung.

Wolfgang Anzengruber

Verbund-Chef: Der Verbund plädiert für einen europaweiten -Mindestpreis, der sukzessive steigt. Die Einnahmen sollen zweckgebunden werden.

Martin Hagleitner

Chef des Boilerherstellers Austria Email: Steuern können nur das letzte Mittel sein, wenn alle anderen Optionen nicht wirken oder ausgeschöpft sind.

Ludwig Richard

Busunternehmer: Wenn es eine europaweit umgesetzte Bepreisung von CO2-Ausstoß gibt, fällt es mir als umweltbewusstem Menschen schwer, nicht dafür zu sein.gibt

Sebastian Spaun (l.)

Zement-Verbandspräsident: Die Diskussion über eine CO2-Steuer ist nur in  Ländern berechtigt, in denen es bisher noch überhaupt keine Regelung gibt.

Johann Marihart

Agrana-Chef: Sie macht Sinn. Aber es darf zu keiner Doppelbesteuerung kommen, sie müsste Importe und den Flugverkehr inkludieren und für Klimaschutzprojekte zweckgewidmet sein.

Tanken und Heizen teurer

Eine CO2-Steuer bedeutet ganz konkret: Tanken und Heizen mit Öl und Gas werden teurer, weil auf Diesel, Benzin, Heizöl und Gas eine Klimaprämie aufgeschlagen wird. Laut Modellrechnungen würde das bei Treibstoffen einer Verteuerung von anfänglich rund zehn Cent je Liter bedeuten. Schrittweise könnte diese Prämie auch angehoben werden.

Lenkung

Von einer derartigen CO2-Steuer wäre zum einen ein Lenkungseffekt zu erwarten. Je teurer das Autofahren oder Heizen, desto mehr würde nach Alternativen gesucht werden. Zum anderen würden Gelder, die zweckgebunden sein müssten, Richtung Fiskus fließen, die dieser wiederum für die Förderung von Fossil-Alternativen einsetzen könnte.

Sozial verträglich

Förderungen beim Kauf einer „braven“ Heizung etwa könnten eine derartige Steuer sozial verträglicher gestalten. Das Pendlerpauschale zu erhöhen, würde dem Klimaschutz wohl nicht helfen. Dafür könnte man Fahrgemeinschaften fördern.

Ausnahmen abschaffen

Die Politik könnte aber auch noch einige Schritte weitergehen: Eine Steuer auf das bisher noch immer befreite Kerosin würde allein in Österreich hunderte Millionen Euro bringen. Auch eine Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel würde nicht nur viel Geld einbringen. Sondern vielleicht auch die Lkw-Flut quer durch Österreich eindämmen. Dabei hilft auch, dass es erste Versuche mit Künstlicher Intelligenz gibt, Leerfahrten zu vermeiden.

Konzept der Neos

Alle Parteien werben mit dem Klimaschutz, nun werfen sich auch die Neos für CO2-Steuern in die Schlacht. Eher ungewöhnlich an der Präsentation des pinken Konzepts am Dienstag war, dass IHS-Chef  Martin Kocher dem Neos-Abgeordneten Sepp Schellhorn Schützenhilfe leistete. „Ich verfolge keine parteipolitischen Ziele. Mir geht es rein um die Sache“, sagt der auf seine Unabhängigkeit bedachte Ökonom zum KURIER. Er trete seit Langem für eine Ökologisierung des Steuersystems ein. Die CO2-Steuer sei „in einem vernünftigen Mix“ an Maßnahmen ein wichtiger Bestandteil, um die Klimaziele zu erreichen.

Bis 25.000 km billiger

Zentraler Inhalt des Neos-Konzepts ist ein Mehrstufenplan zur Entlastung von Umwelt und Arbeit durch eine aufkommensneutrale Besteuerung der Treibhausgas-Emissionen. In einem ersten Schritt soll das beim Verkehr kommen. Die Neos würden dafür die bisherigen Auto-Steuern wie Möst oder Kfz-Steuer streichen und durch die CO2-Steuer ersetzen. Bis zu einer Fahrleistung von 25.000 km pro Jahr ergebe das sogar eine steuerliche Entlastung für Autofahrer, sagen die Pinken. Somit wäre auch der durchschnittliche Pendler, der laut Statistik täglich 30 Kilometer fährt, entlastet.

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