Für Felbermayr gibt es prinzipiell politisch umsetzbare Lösungen

© APA - Austria Presse Agentur

Weltwirtschaft
09/01/2020

China ist Gewinner der Corona-Krise

Laut dem Ökonomen Gabriel Felbermayr trifft die Wirtschaftskrise die Konkurrenz härter.

von Robert Kleedorfer

Kaum zu glauben, aber wahr: ausgerechnet jenes Land, wo die Pandemie ihren Ursprung nahm, wird gestärkt aus der weltweiten Krise hervorgehen. Das zeigen Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), auf die sich der österreichische Top-Ökonom Gabriel Felbermayr bezieht. „Es verschiebt sich derzeit relativ viel Richtung China“, sagte der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) bei einem Besuch in Wien auf Einladung des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation.

China sei neben einigen afrikanischen Staaten eines der wenigen Länder, das auch heuer ein Wachstum von rund zwei bis drei Prozent verzeichnen werde. Unterm Strich werde der Corona-bedingte Rückgang des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis 2021 nur drei Prozentpunkte ausmachen (siehe Grafik).

 

„China gewinnt dadurch weiter an Bedeutung“, sagte Felbermayr. Am unteren Ende der Skala liegt Indien. Deutschland kann sich demnach mit minus sechs Prozentpunkten auch recht gut halten, was für Österreich und seinen starken wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Nachbarn nicht unwesentlich ist. Die Konsequenz aus dieser Entwicklung: „Die Angst vor China wird zunehmen, zugleich wird aber auch dieser Markt bedeutender. Da bin ich ratlos, wie wir mit dieser Entwicklung umgehen können“, so Felbermayr.

Abwehrstrategie

Hat Trump mit seiner harten Haltung Chinas gegenüber also doch recht? Für Felbermayr eine schwierige Frage. Die Arbeitshypothese, wonach sich China schon den internationalen Spielregeln anpassen werde, sei gescheitert. „Wenn die Amerikaner das gewusst hätten, hätten sie den Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001 verhindert.“ Trump habe zwar das Problem richtig erkannt, mit Sanktionen und Handelskriegen könne man allerdings nichts erreichen. „Sondern mit einem Grundkonsens, ohne dass sich China aufgeben muss.“

Die Krise ist laut Felbermayr jedenfalls „so brutal wie keine andere seit den 1930-er-Jahren“. 2008 seien immerhin die Schwellenländer insgesamt noch gewachsen. Um die Krise zu bewältigen, „werden gigantische Summen bewegt“ (siehe Grafik). Zwar sei besser und schneller reagiert worden als in der Finanzkrise 2008, die Wirkung werde daher nicht verfehlt, aber es bestehe die Gefahr der Überreaktion.

Felbermayr hat dazu zwei Beispiele im Gepäck: Zum einen würden die EU-Länder viele Mittel des 750 Milliarden-Euro-Hilfspakets nicht abrufen, weil sie für frisches Geld am Kapitalmarkt kaum mehr zahlen müssten, diese Mittel aber nicht an Auflagen gebunden seien.

Zum anderen seien die Insolvenzen stark rückläufig. Das passe nicht zusammen mit der schweren Krise. Hier dürften Firmen, die eigentlich auch ohne Corona pleite gegangen wären, die Hilfen nutzen, um noch einige Zeit weiter bestehen zu können.

Felbermayr warnt zudem auch vor einem Umbau der Wirtschaft hin Richtung Regionalisierung. „Das ist Wirtschaftsmasochismus.“ Denn würde die gesamte Wertschöpfungskette in Österreich erfolgen, würde dies die heimischen Produkte verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit leiden. In diesem Zusammenhang sieht er auch keine Abhängigkeit im Pharmabereich vom Ausland. „In Deutschland beträgt hier der Exportüberschuss 30 Milliarden Euro.“ Lediglich bei einzelnen Produkten sei man vom Ausland abhängig.

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