Die tschechische Sazka Group hat jetzt das Sagen

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
08/13/2020

Causa Casinos: Neue Anzeige thematisiert Sazka-Einstieg

Ein anonymes Schreiben ging Ende Juli an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Seit Ende Juli gibt es eine neue anonyme Sachverhaltsdarstellung rund um die Causa Casinos, die auch vom parlamentarischen Ibiza-U-Ausschuss untersucht wird. Sie erging laut "Standard" an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Es geht um die "feindliche Übernahme" der teilstaatlichen Casinos Austria durch die tschechische Sazka-Gruppe, inzwischen größte Anteilseignerin der Casinos.

Laut dem zweieinhalbseitigen Schreiben ging es bei der Übernahme nicht mit Samthandschuhen zu, interpretiert die Zeitung. Sazka steige immer mit kleinen Beteiligungen ein, schließe wie mit Novomatic als damaligem Casinos-Miteigner Schiedsgerichtsklauseln mit hohen Strafdrohungen und sobald die unterschrieben seien, sei das "der Anfang vom Ende".

Zur Vorbereitung des Casinos-Einstiegs sei eine Verbindung zwischen dem Chef der Sazka-Gruppe, Karl Komarek, und dem damaligen Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hergestellt worden. Das sei über einen Ex-OMV-Manager und Geschäftspartner Komareks gegangen. Sazka sei als Casinos-Aktionär keinem Fit-and-Proper-Test unterzogen worden; obwohl in Österreich über ihre indirekte Beteiligung an der Betano illegales Onlineglücksspiel gelaufen sei.

All das dementierte ein Sazka-Sprecher, gegenüber dem "Standard", der ihn mit der Anzeige konfrontiert hat. Man habe zwar indirekt eine Minderheit an der Betano erworben, aber die Gesellschaft sofort dazu gebracht, illegale Aktivitäten in Österreich zu stoppen. Auch die Darstellung, wonach Schelling nach seinem Ausscheiden als Finanzminister einen Konsulentenvertrag mit Komareks Gesellschaft KKCG bekommen habe (über einen Subkontrakt mit dem Ex-OMV-Mann), mit dem Ziel, Novomatic zu einem Verkauf ihrer Casag-Anteile an die Tschechen zu bewegen, entbehre jeder Grundlage.

Laut dem Anzeiger änderten die Tschechen danach ihre Strategie, um an die Casag-Mehrheit zu kommen, berichtet die Zeitung. Von Fallen für ÖBIB und Novomatic sei da die Rede, von Dirty Campaigning und politischem Lobbying für den Erhalt des Glücksspielmonopols und Steuerreduktion.

Vorstandsbesetzung

Als Erstes sei dann die Vorstandsdiskussion in Gang gebracht worden, wobei Novomatic mit der Nominierung von FPÖ-Mann Peter Sidlos ein schwerer Fehler unterlaufen sei. Komarek habe Sidlo bereits gekannt und er hasse ihn. Beides wird seitens Sazka aber bestritten.

Ein weiteres Thema in der Anzeige ist laut dem Bericht ein viel zitiertes Treffen bei der Glücksspielmesse in London, bei dem etwa die heutige Casag-Chefin Bettina Glatz-Kremsner dabei war und der damalige FPÖ-Staatssekretär im Finanzministerium, Hubert Fuchs. Das Meeting sei quasi von Sazka initiiert worden und hätte ebenfalls dem politischen Lobbying dienen sollen - das habe aber nicht geklappt. Also habe man auf die Anti-Sidlo-Schiene gesetzt. Zwei von Sazka unterstützte Berater hätten ein erstes anonymes Schreiben verfasst (was die und Sazka bestreiten), auch um im Schiedsverfahren gegen Novomatic zu punkten, schreibt "Der Standard".

Genau zu dem Zeitpunkt sei dann das "Geschenk Gottes", das Ibiza-Video, öffentlich geworden. "Und", so der Anzeiger, "zur Überraschung aller" habe dies zu massiven Ermittlungsschritten der Justiz geführt. Warum der Anonymus das schreibt? Er habe Streit mit der Komarek-Gruppe KKCG, weswegen er der Ansicht sei, dass die Adressaten des Schreibens "das Benehmen von KKCG und Sazka kennenlernen sollten".

Sazka weist Anschuldigungen zurück

Die Sazka wies die Anschuldigungen gegenüber der APA zurück: "Es handelt sich hierbei um den reinen Versuch, uns auf besonders niederträchtige Weise zu diskreditieren", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die anonyme Sachverhaltsdarstellung sei "voll von unwahren Aussagen, unbegründeten Spekulationen und teilweise sogar lustig in ihren lächerlichen Schlussfolgerungen", die auch "verrückt" seien. Beweise gebe es keine: "Wir sind unseren Werten Professionalität, Integrität, Vertrauen und gesundes unternehmerisches Urteilsvermögen stets gerecht geworden."

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