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Wirtschaft von innen
12/01/2019

Casinos: Wollte Sazka ein Gegengeschäft für Bestellung von Sidlo?

Ein Protokoll über eine Sitzung des Personalausschusses listet Voraussetzungen für ein Memorandum auf. Die Tschechen dementieren einen Zusammenhang.

von Andrea Hodoschek

„Schockiert“ zeigte sich Sazka-Chef Robert Chvatal dieser Tage in einem Standard-Interview über die Vorgänge rund um die Bestellung des FPÖ-nahen Managers Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos. Er forderte nicht nur den Rücktritt von Sidlo, sondern auch seiner eigenen Kollegen im Aufsichtsratspräsidium – der Raiffeisen-Manager Walter Rothensteiner und Josef Pröll sowie von Novomatic-Chef Harald Neumann.

Forderungspaket

Es stellt sich allerdings die Frage, ob der angeblich so tief bestürzte Chvatal im Präsidium versucht hatte, die Bestellung von Sidlo mit einem Forderungspaket der Sazka zu junktimieren. Das Protokoll der Sitzung des Personalausschusses, der ident mit dem Präsidium ist, vom 14. März 2019 könnte darauf schließen lassen.

Dort findet sich zwar nicht der Name von Sidlo, aber die drei Vorstandsmandate (siehe Faksimile). Beim CEO-Bonus hat sich ein Tippfehler eingeschlichen, dort muss es 100 Prozent heißen. Die Fixgehälter wurden nachträglich noch etwas erhöht.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass Sidlo der Novomatic-Kandidat für den CFO war.

Sazka wollte im Aufsichtsrat schon seit langem ein Memorandum of Cooperation (MOC) durchbringen und versuchte es in dieser Sitzung wieder. Die Tschechen verlangen eine fixe Dividendenpolitik, mindestens 80 Prozent des Gewinnes der Casinos sollten ausgeschüttet werden. Inklusive 90 Prozent des Gewinnes der Cash-Cow Lotterien. An Reserven dürften daher maximal 20 Prozent dotiert werden.

Begehrlichkeiten

„80 Prozent sind für die Casinos sehr viel und nicht begründbar. Diese Begehrlichkeit der Eigentümer nimmt zu wenig Rücksicht auf Wachstum und Investitionen“, meint dazu Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger.

Im MOC werden außerdem vierteljährliche Informationen für Verpflichtungen gegenüber Banken und für Kapitalmarktmaßnahmen sowie einer anteiligen Konsolidierung der Casag gefordert.

Sazka expandiert stark und gab zuletzt am 15. September eine Anleihe über 300 Millionen Euro aus, verzinst mit 4,125 Prozent. „Diese Verzinsung ist ein Zeichen, dass in der Branche ein erhöhtes Risiko gesehen wird“, attestiert Rasinger.

Außerdem schlug Sazka vor, die Staatsholding ÖBAG und Novomatic sollten einen weiteren Ankauf von Casinos-Aktien nicht verhindern. Dabei geht es hauptsächlich um den fünfprozentigen Anteil von Schelhammer & Schattera, Sazka hat mit dem Bankhaus bereits ein Stimmrechtsabkommen. Bereits 2017 zeigte Sazka bei der Wettbewerbsbehörde an, man wolle die Mehrheit am Casinos-Konzern erwerben.

Operativer Ausschuss

Für die Lotterien wird außerdem die Installierung eines operativen Ausschusses unter der Leitung von Chvatal gefordert. Dieser Punkt wurde umgesetzt, alle anderen Begehrlichkeiten abgelehnt.

Sazka weist einen Zusammenhang zwischen den Forderungen und der Sidlo-Bestellung vehement zurück. Die Verhandlungen über dieses Memorandum würden seit Langem geführt und „haben in keiner Weise mit der Bestellung von Sidlo zu tun“.

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