Böses Erwachen: Kammerumlage um fast 80 Prozent erhöht

Ein Unternehmensberater kritisiert die Beitragserhöhung und wirft der Wiener Fachgruppe UBIT Intransparenz vor. Die Grüne Wirtschaft fordert eine österreichweite Vereinheitlichung der Grundumlage.
WKO Wien, Haus der Wiener Wirtschaft

Seit mehr als zehn Jahren ist Unternehmensberater Christian Zehetbauer Mitglied der Fachgruppe UBIT (Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT) in der Wirtschaftskammer Wien (WKW). Vor Kurzem flatterte ihm die Vorschreibung für die Grundumlage ins Haus – und er staunte: Der Betrag stieg von 65 auf 115 Euro, eine Erhöhung um knapp 80 Prozent. Begleitschreiben oder Begründung fehlten.

„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine derartige Erhöhung ohne Information vorzunehmen, ist eine bodenlose Frechheit und zeigt, wie abgehoben die Wirtschaftskammer agiert“, ärgert sich Zehetbauer. Ihm gehe es weniger um den Betrag selbst als um die fehlende Transparenz und die Höhe der Steigerung. Für sein Unternehmen sehe er „keinerlei konkreten Mehrwert“.

Vorwurf zurückgewiesen

Die Fachgruppe UBIT zählt zu den größten und wachstumsstärksten Fachgruppen der WKW. Laut Kammerangaben stieg die Mitgliederzahl seit 2015/2016 von rund 17.000 auf mehr als 27.000. Bei einer Grundumlage von 65 Euro ergaben sich bisher Einnahmen von rund 1,75 Millionen Euro jährlich. Mit 115 Euro seien es nun etwa 3,1 Millionen Euro – ein Plus von rund 1,35 Millionen Euro.

Besonders kritisiert Zehetbauer die Kommunikation. „Man schickt einfach einen Erlagschein – die Zwangsmitglieder zahlen ja ohnehin“, sagt er. Die UBIT Wien weist den Vorwurf der Intransparenz zurück.

Von Vollversammlung der Mitglieder beschlossen

In einer Antwort an Zehetbauer erklärt die Wiener UBIT, die Grundumlage sei von der Fachgruppentagung, der Vollversammlung der Mitglieder, beschlossen worden. Zuvor habe es eine dreiwöchige Information und Befragung über Website und Newsletter gegeben.

Zur Begründung verweist die UBIT auf stark gestiegene Kosten. Dieser Pflichtbeitrag sei seit 2004 nicht erhöht worden, Kostensteigerungen der vergangenen 22 Jahre seien aus Rücklagen finanziert worden. Diese seien mittlerweile nahezu aufgebraucht, was auch vom Kontrollamt beanstandet worden sei. Zugleich verweist die Fachgruppe auf ihr Leistungsangebot, darunter kostenlose Weiterbildungen, Netzwerkveranstaltungen, Fachreisen, Messeauftritte, Imagekampagnen und einen Bildungsbonus.

Mehrere Probleme

Kritik kommt auch von der Grünen Wirtschaft. „UBIT Wien ist aber ein Spezialfall, weil die Rücklagen unterdeckt sind und damit nicht den kammerinternen Vorgaben entsprechen“, sagt Bundessprecherin Sabine Jungwirth zum KURIER. Ziel sei es offenbar, diese Rücklagen wieder aufzufüllen. In dieser Fachgruppe gibt es aber einen hohen Anteil an Ein-Personen-Unternehmen (EPU).

Aus Jungwirths Sicht sollte die Grundumlage für EPU bei 100 Euro pro Jahr gedeckelt werden. „Für uns ist die Höhe der Grundumlage ein Thema, das wir in die kommenden Verhandlungen einbringen werden“, sagt sie.

Weitere Erhöhungen

Außerdem fordert sie eine österreichweite Vereinheitlichung der Grundumlage. Derzeit werde sie je Fachgruppe und Bundesland separat eingehoben, was für Betriebe mit mehreren Standorten rasch teuer werde. Zum Vergleich verweist Jungwirth auf Deutschland: Dort lägen die Beiträge zur Industrie- und Handelskammer im Schnitt bei nur 20 bis 25 Prozent der Belastung österreichischer Betriebe. 

Hierzulande wiederum seien die Grundumlagen in kleineren Bundesländern oft höher, da dort weniger Mitglieder die Kosten tragen. UBIT Wien ist nicht die einzige Fachgruppe mit höheren Beiträgen. In der Wiener Hotellerie steigt die Grundumlage um 140 Prozent auf 120 Euro pro Betriebsstätte, bei Gesundheitsbetrieben um 40 bis 80 Euro. In Salzburg wurden die Pflichtbeiträge für Lebens- und Sozialberaterinnen von 99 und 150 Euro und die für 24-Stunden-Betreuerinnen von 70 auf 90 Euro angehoben.

Kommentare