Wirtschaft
23.05.2017

Bitcoin: Was hinter dem Kurshöhenflug steckt

Der Wert der Kryptowährung klettert erstmals über 2000 Dollar. Der Hype nährt sich selbst.

Es war ein Popularitätsschub der fragwürdigen Sorte, der die virtuelle Währung Bitcoin jüngst ereilt hat: Die Erpresser, die hinter dem Computervirus WannaCry stecken, forderten 300 Dollar Lösegeld pro Computer, um die Nutzerdaten der massenhaft befallenen Rechner freizugeben – zahlbar ausschließlich in Bitcoin. Für viele Computeranwender war es vermutlich der erste Kontakt mit Bitcoin.

Dass die Online-Gauner auf diese Zahlungsvariante bestanden, kommt nicht von ungefähr. Bitcoin gibt es nicht als Papiergeld oder Münzen, sondern nur in digitaler Form. Eine Bitcoin-Transaktion wird nicht über zentrale Stellen abgewickelt, sondern im Computer-Netz aller Währungsanwender abgesegnet. Sie ist zwar nachvollziehbar, kann aber keinem konkreten User zugeordnet werden.

Rückgrat der Bitcoins ist die "Blockchain", das dezentrale Verzeichnis, in dem alle Käufe und Verkäufe vermerkt sind. Und erschaffen werden Bitcoins, indem Computernetzwerke komplizierte Algorithmen berechnen, die dem Verschlüsseln der Transaktionen dienen (deshalb der Name Kryptowährungen).

Dem Kurs-Höhenflug konnten die WannaCry-Machenschaften jedoch nichts anhaben, im Gegenteil: Der Wert eines einzigen Bitcoin stieg am Montag auf ein Rekordhoch von 2165 US-Dollar. Den Preis für eine Feinunze Gold (1257 Dollar) hat Bitcoin damit längst hinter sich gelassen – obwohl das Edelmetall seit Jahrtausenden als "Krisengeld" etabliert ist, während es Bitcoin seit knapp zehn Jahren gibt.

Was steckt hinter dem Höhenflug? Abermals spekulieren Investoren, dass die US-Börsenaufsicht SEC erstmals einen Bitcoin-Fonds zulassen könnte. Das würde der Währung einen offiziellen Anstrich verleihen. Allerdings wurde das bereits im März erwartet – und damals von der SEC abgelehnt.

Und: Japan hat Bitcoin im April zu einem legitimen Zahlungsmittel erklärt. Woraufhin die Billig-Fluglinie Peach werbewirksam verkündete, die Währung zu akzeptieren. Solche Meldungen nähren Hoffnungen auf einen anhaltenden Kursboom.

Vertrauen

Das Problem: Der Wert von Bitcoin und ähnlichen Währungen wie Ethereum, NEM, Ripple oder Litecoin ist reine Vertrauenssache. Das Pseudogeld ist nur etwas wert, solange jemand bereit ist, den verlangten Preis zu bezahlen. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Der Wert eines Euro lässt sich beim täglichen Einkauf überprüfen – Bitcoins werden dagegen nur von wenigen Händler akzeptiert.

Somit lassen sich mit Gerüchten und Spekulationen die Erwartungen und damit Kurse hochtreiben. Notenbanken warnen davor, Geld in Bitcoin und Co. anzulegen. Die Schwankungsanfälligkeit sei zu hoch, die Gefahr des Wertverlustes groß.