Belgien verschiebt Atomausstieg um zehn Jahre

Das Atomkraftwerk Tihange in Belgien.
Erst im Dezember hatte die Regierung beschlossen, dass die Nutzung der Kernkraft 2025 enden sollte.

Belgien will den Atomausstieg um zehn Jahre verschieben. Das nahe der deutschen Grenze gelegene Kernkraftwerk Tihange 3 sowie das bei Antwerpen gelegene Kernkraftwerk Doel 4 sollen bis 2035 weiterlaufen. Das bestätigte der belgische Premierminister Alexander De Croo am Freitagabend nach Beratungen der Regierung.

Der Atomausstieg war ursprünglich 2003 beschlossen worden, erst im Dezember bestätigte die Regierungskoalition die Abschaltung aller Reaktoren bis 2025. Im März wurde bekannt, dass darüber erneut verhandelt werden sollte. "Die aktuelle Situation ist eine ganz andere als bei unserer Entscheidung Ende Dezember", erklärte der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo den Schritt.

Die Chancen stehen nicht schlecht für Alexander De Croo

Belgiens Regierungschef Alexander De Croo von den Flämischen Liberalen.

Durch die Laufzeitverlängerung soll die Energiesicherheit gewährleistet werden. Dabei spielen auch der Krieg in der Ukraine und die zuletzt stark angestiegenen Energiepreisen eine Rolle. Denn der geplante Atomausstieg hatte eine stärkere Nutzung von Erdgas vorgesehen.

In Belgien sind zwei Kernkraftwerke mit insgesamt sieben Reaktoren in Betrieb. Sie stehen für etwa 40 Prozent der belgischen Stromproduktion. Die Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 sind die neuesten. Sie sind 1985 in Betrieb gegangen und gehören dem französischen Energiekonzern Engie.

In Deutschland sorgten die belgischen Atommeiler aus den 1970er und 80er Jahren in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen. So wurden bei den Reaktoren im Nachbarland mehrfach Mängel festgestellt, etwa marode Betonteile. Die Stadt Aachen und die deutsche Bundesregierung haben in der Vergangenheit gefordert, die Kernkraftwerke stillzulegen.

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