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Wie kleine Bäckereien unter der Steuersenkung leiden

Eine Semmel wird ab Juli mit 4,9 Prozent besteuert, ist sie mit Käse gefüllt, ist der Steuersatz doppelt so hoch. Regelungen wie diese stellen Bäcker vor große Herausforderungen.
Fresh French Bread and croissants in a Bakery in cooling rack

Am 1. Juli tritt die Mehrwertsteuersenkung in Kraft. Die Regelung, die Verbraucher finanziell entlasten soll, stellt die heimischen Betriebe vor große Herausforderungen. So etwa die kleinen Bäckereien, die aktuell damit beschäftigt sind, für jede Backware abzuklären, welcher Steuersatz denn nun gilt. 

Denn während Klassiker wie Brot und Semmeln künftig mit 4,9 Prozent besteuert werden, gilt für ausgefalleneres Backwerk wie etwa ein Kürbiskernweckerl weiterhin der reguläre Satz für Lebensmittel von zehn Prozent. Hintergrund sind zahlreiche Ausnahmeregelungen. So ist der neue Steuersatz nur anzuwenden, wenn das Gebäckstück weder Honig, Eier noch Käse oder Früchte enthält. Früchtebrot und Käsestangerl scheiden somit laut Regelung als Grundnahrungsmittel aus.

Auch der Zucker- und Fettgehalt in der Trockenmasse darf für die günstigere Steuer fünf Prozent nicht übersteigen. Damit fällt nicht nur süßes Gebäck weiterhin unter den zehnprozentigen Steuersatz, sondern wegen der fettreichen Kerne genauso auch Kürbiskern- oder Mohnweckerl. Ebenso Handsemmeln, die meist einen höheren Fettanteil aufweisen als Industrieware. 

Komplexe Regeln mit absurden Ergebnissen

Die komplexen Regeln führen zu geradezu absurden Ergebnissen: So bezahlt jemand, der eine Buttersemmel kauft, zehn Prozent Mehrwertsteuer. Wer Semmel und Butter einzeln kauft, nur fünf Prozent. Wird in der Bäckerei bei Tisch bestellt, kann es sich um eine Gastronomieleistung handeln. Dann ist der begünstigte Steuersatz sowieso ausgeschlossen.

Viele heimische Bäcker fühlen sich stark belastet durch die zunehmende Bürokratie. „Die neue Regelung bedeutet einen irren Aufwand. Ob das hingegen jemandem etwas nützt, ist fraglich“, sagt Barbara Ochmann, die eine Bäckerei mit 14 Mitarbeitern in Krumbach (Bezirk Wiener Neustadt) betreibt, im Gespräch mit dem KURIER. 

Rund 30 Arbeitsstunden müsse die Bäckerin opfern, um die Vorgaben umzusetzen. Und das in einer arbeitsintensiven Branche, in der es ohnehin nicht einfach sei, genügend Personal zu finden. „Anders als große Ketten, haben kleine Betriebe wie unserer natürlich keine eigene Abteilung, die sich um solche bürokratischen Angelegenheiten kümmert. Das müssen wir schon selbst machen.“ 

Doch bei der Frage, welches Gebäckstück künftig wie zu besteuern sein wird, endet der Mehraufwand für die Bäckerei-Chefin nicht. Auch die Speisekarten müssen neu geschrieben und die Kassensysteme ausgetauscht werden. Letztere hätten zwar noch einwandfrei funktioniert, sie konnten aber den Steuersatz von 4,9 Prozent nicht verarbeiten. Deswegen habe der Betrieb rund 5.000 Euro für Kassen investieren müssen: 2.800 Euro netto kostete das neue Gerät im Geschäftslokal, weitere 1.000 Euro jede mobile Kassa, die in den Fahrzeugen des Betriebs beim Ausliefern verwendet wird. 

Bäcker fühlen sich von der Wirtschaftskammer allein gelassen

Von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) habe sich Ochmann allein gelassen gefühlt, wie sie sagt. Ein Vorwurf, den Josef Paul Schrott, Innungsmeister des Bundesverbands der Bäcker, verstehen kann. Die Schuld sei aber nicht bei der Kammer gelegen. „Wir wurden als WKÖ vom Finanzministerium auch lange ignoriert, aber jetzt gab es eine Einigung – wenn auch erst ganz kurz vor zwölf“, sagt Schrott dem KURIER. 

Denn nun stellt das Finanzministerium den Unternehmern eine pauschalierte Berechnungsformel inklusive Online-Rechner zur Verfügung, um den anzuwendenden Steuersatz zu ermitteln. Ohne diese Formel hätten Bäcker Analysen über die Bestandteile ihrer Backwaren durchführen müssen. „Das wäre zeitlich nicht machbar. Außerdem haben wir natürliche Schwankungen beim Fettgehalt in unseren Rohstoffen“, so Schrott.

Insgesamt hält der Bundesinnungsmeister die Mehrwertsteuersenkung „nicht für den großen Wurf“. Auch der bürokratische Aufwand, der die Bäcker nun trifft, sei „nicht das, was die Regierung versprochen hat“. Auch Bäckerin Ochmann übt Kritik: „Wir hätten mehr Verständnis, wenn die Regelung mehr Nutzen hätte. Aber so wie es jetzt ist, glaube ich, es gäbe bessere Lösungen.“ 

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