Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Berechtigte Ärger der Bäcker: Nur Brösel mit der Steuersenkung

Es ist absurd: Brot und Gebäck werden ab 1. Juli billiger. Aber niemand freut sich. Mit einer Ausnahme.
Anita Staudacher
Fresh French Bread and croissants in a Bakery in cooling rack

Es ist schon absurd. Am kommenden Mittwoch, 1. Juli, werden Brot und Gebäck in Österreich billiger, aber niemand freut sich. Warum auch?

Die Haushalte erhalten eine Mini-Entlastung von ein paar Cent pro Produkt, was nur wenige Euro monatlich im Börserl bringt. Die Regierung muss dafür eine gewaltige Gegenfinanzierung in Höhe von 400 Millionen Euro aufbringen und stößt mit der wohl EU-rechtswidrigen Paketsteuer auf massiven Widerstand nicht nur aus der Wirtschaft. 

Die ursprünglich geplante Plastikabgabe wurde eiligst wieder schubladisiert. Ökonomen kritisieren wiederum die sozial wenig treffsichere Gießkanne, die Reiche gleichermaßen (wenig) entlastet. Und kleinere Händler sowie Bäckereien stöhnen unter hohen Umstellungskosten ihrer Kassensysteme und einem neu geschaffenen Bürokratie-Monster.

Rauchende Köpfe

Die Frage, welches Laberl, Striezerl oder Weckerl jetzt welchen Steuersatz hat, sorgt seit Monaten für rauchende Köpfe in den Backstuben und seitenlangen Anfrage-Beantwortungen von den zuständigen Experten im Finanzministerium. Ein Fundstück gefällig: „Eine halbgebackene Semmel ist wie eine fertiggebackene Semmel in die KN-Unterposition 1905 90 30 einzureihen“.

Der Aufschrei vieler Bäckereien ist verständlich. Die Umsetzung kostet Geld und Nerven und bindet Ressourcen, die kleine Betriebe nicht haben. Dadurch haben sie erst recht wieder einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den großen Supermarktketten, deren Marktmacht die Teuerung bei den Lebensmitteln zweifelsfrei mit verursacht. Die Verursacher sind vielleicht die einzigen, die sich freuen, recht ungeschoren davongekommen zu sein.

Spannend bleibt daher die Frage, ob die Senkung am 1. Juli auch tatsächlich von allen umgesetzt werden kann – was, wenn nicht? – und wie lange es dauert, bis die unrunden Preise wieder auf die üblichen 99-Cent-Preise gerundet werden und die Anti-Inflations-Maßnahme wieder verpufft ist.

Kommentare