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Wirtschaft
09/18/2020

Autohandel: Vor allem Pensionisten kaufen jetzt Neuwagen

Die Kaufvertragsabschlüsse sind seit Mai um zehn Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Autohandel. Die Corona-Krise setzt den europäischen Autobauern nach wie vor stark zu. In den ersten acht Monaten des heurigen Jahres sind die Neuzulassungen um rund 30 Prozent zurückgegangen. Das heißt, dass fast drei Millionen Autos weniger als im Vergleichszeitraum 2019 in Verkehr gebracht wurden.

„Die europäische Autoindustrie erholt sich auf niedrigerem Niveau. Alle Autobauer in Europa stellen sich darauf ein, dass sie künftig kleinere Brötchen backen und niedrigere Umsätze erzielen werden“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research in Duisburg, zum KURIER. „Wir gehen davon aus, dass man gut zehn Jahre brauchen wird, bis man das alte Niveau 2019 in Europa wieder erreicht.“

In Spanien und Italien sind die Neuzulassungen um rund 40 Prozent zurückgegangen, in Frankreich um 32 Prozent. Dudenhöffer rechnet mit einem breiten Jobabbau in der Autoindustrie und bei den Zulieferfirmen.

In Österreich sind die Neuzulassungen bis Ende August um 33,2 Prozent gesunken, bei Opel sind es sogar 52,5 Prozent, bei Fiat 41,1 Prozent und bei Dacia 39,8 Prozent. „Man sieht, dass die preisgünstigsten Fahrzeuge am meisten leiden“, sagt Dudenhöffer. Das heißt, Leute mit kleineren Budgets haben u. a. durch Kurzarbeit kein Geld für einen Autokauf.

Lange Lieferzeiten

In Österreich fehlt den Autohändlern der Nachschub. „Die Kaufvertragsabschlüsse sind seit Mai um zehn Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Aber jedes Auto, das ich derzeit verkaufe, bekomme ich, wenn ich Glück habe, noch heuer“, sagt Klaus Edelsbrunner, Bundesobmann des Fahrzeughandels in der Wirtschaftskammer. „Ich liefere nächste Woche ein Auto an einen Kunden aus, das habe ich im Februar bestellt.“ In der Corona-Krise habe sich die Lieferzeit verdoppelt.

Bei E-Autos gibt es durch die starke Nachfrage einen massiven Lieferengpass. „Die fehlen uns schon das ganze Jahr“, sagt Edelsbrunner. Grund sei, dass es durch die Corona-Krise in China einen Mangel an Bauteilen gab.

Hingegen profitiert der Autohandel hierzulande derzeit von zwei Käufergruppen.

„Leute mit Geld kaufen Autos mit teuren Ausstattungen, weil sie ihr Geld anlegen wollen“, sagt Edelsbrunner. „Die große Käuferschicht sind aber die Pensionisten, die Geld auf der hohen Kante haben.“

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