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Wirtschaft
03/30/2020

Autobranche sucht ihr Glück in Produktion medizinischer Güter

Zulieferer und Hersteller suchen Strategien gegen Flaute in der Produktion.

von Robert Kleedorfer, Kid Möchel

2020 dürfte die Pkw-Produktion in Deutschland auf zwischen 3,4 und 3,8 Millionen Fahrzeuge schrumpfen. Das schätzt der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das wäre der tiefste Stand seit der Ölkrise Mitte der 70er-Jahre. Dudenhöffer rechnet mit massiven Überkapazitäten und infolge mit einem Abbau von 100.000 Jobs. Das alles wird nicht ohne Folgen für Österreichs Zulieferer bleiben. Denn Deutschland ist einer der wichtigsten Exportmärkte. Umgerechnet auf heimische Betriebe würde der Jobabbau rund 8.000 der 74.000 Mitarbeiter betreffen.

Eine Strategie, um der Flaute entgegen zu wirken, ist die Produktion anderer Güter. Zwei Drittel der Betriebe ist schon jetzt außerhalb des automotiven Bereichs tätig.

Aufsteckbarer Türgriff

Mit Corona rücken mit einem Schlag medizinische Güter und Produkte aus dem weiteren Umfeld in den Fokus. So hat die Kapfenberger Firma Rapid Product Development einen aufsteckbaren Türgriff entwickelt. Der Clear Handle ist ab 35 Euro für diverse Klinken erhältlich. Weiters kommt bald noch ein persönlicher Griff für Einkaufswagen.

 

Die Eibiswalder Firma Fuchshofer Präzisionstechnik wiederum bietet seit Kurzem Plexiglaswände für Kassen in Supermärkten und Banken an.

Der oberösterreichische Zulieferer Polytec fertigt in Ebensee neben Heckklappenverkleidungen auch Mehrwegboxen für den Lebensmittelhandel an. Auf 14 Fertigungslinien werden rund eine Million Transportboxen für den Logistik-Dienstleister Ifco erzeugt. Ifco ist auch in Österreich Marktführer, der den Handel mit Boxen versorgt. „Wir tragen indirekt zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung bei“, so Polytec-Sprecher Paul Rettenbacher zum KURIER. „Wir produzieren in drei Schichten rund um die Uhr Boxen in verschiedenen Größen. Wir mussten die Auslastung von 80 auf 100 Prozent erhöhen.“

Desinfektionsgerät

Einem Ingenieurteam des kanadischen Magna-Konzerns gelang es nach eigenen Angaben, ein Desinfektionsgerät zu entwickeln. Die PURO Sanitizing Box könnte auch gegen das Coronavirus wirken. Magna ist nun auf der Suche nach einem Testpartner, der zeitnah überprüft, ob sich damit auch Covid-19 abtöten ließe. Sobald dies als nachgewiesen gilt, ist die Box laut Magna innerhalb weniger Wochen zur Massenproduktion bereit.

Aber die Erweiterung der Produktpalette ist nicht so einfach. „Wir haben uns überlegt, Bauteile für Beatmungsgeräte herzustellen, doch die Anforderungen in der Medizintechnik sind so hoch, dass es wahrscheinlich ein Jahr dauern würde, bis wir die entsprechende Zertifizierung erhalten“, so ein Unternehmer aus der Zulieferindustrie zum KURIER. „Das macht daher für uns keinen Sinn.“

Formel-1

Auch im großen Stil wird versucht, Leben zu retten. So will ein Konsortium aus Formel-1-Teams sowie Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Luftfahrt (u. a. Airbus, Mercedes, Ford, Rolls-Royce) Großbritannien mit 10.000 Beatmungsgeräten beliefern. Die Produktion soll noch diese Woche anlaufen. Dafür wurden auch Mitarbeiter von anderen Projekten abgezogen. Konsortiums-Leiter Dick Elsy sagte am Montag, er sei zuversichtlich, mit vereinten Kräften Leben retten zu können. Wann die neuen Geräte zur Verfügung stehen, blieb zunächst offen.

Und US-Präsident Trump zwingt General Motors auf Basis eines alten Kriegsgesetzes dazu, 40.000 Beatmungsgeräte herzustellen. Er sagte, dass innerhalb der nächsten 100 Tage durch Ankauf oder zusätzliche Produktion amerikanischer Firmen zusätzlich 100.000 Beatmungsgeräte beschafft werden. Das entspreche der dreifachen US-Produktion eines normalen Jahres. "Wir werden viele Beatmungsgeräte produzieren", erklärte Trump.

 

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