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Wirtschaft
07/20/2021

Kampf gegen Geldwäsche: Bar zahlen nur noch bis 9.999 Euro

Die EU-Kommission will hohe Bargeldzahlungen verbieten. Ein Ende für Münzen und Scheine ist das nicht, Finanzminister Blümel ist dennoch dagegen

von Ingrid Steiner-Gashi

Wer hat’s erfunden – das Geld Waschen? Al Capone. Der Mafioso wollte sein mit Alkoholschmuggel und sonstigen Verbrechen verdientes Geld in den geregelten Wirtschaftskreislauf einbringen. Zu diesem Zwecke kaufte er sich also einer Reihe von Waschsalons und begann sein Geld „zu waschen“.

So fintenreich Kriminelle seither auch versuchen, ihr illegal erworbenes Vermögen sauber zu bekommen – ein altbewährter Weg blieb bisher offen: jener über das Bargeld. Und genau damit soll künftig Schluss sein, wenn es nach der EU-Kommission geht.

Die Behörde in Brüssel legte am Dienstag einen Gesetzesvorschlag vor, der im bargeld-affinen Österreich für Aufregung sorgt: Hohe Bargeldzahlungen sollen künftig verboten werden – exakt ab 10.000 Euro.

Wollen einzelne EU-Staaten das Limit noch niedriger ansetzen, dürfen sie das. In Griechenland muss das Bargeld etwa schon jetzt ab 500 Euro im Börsel bleiben, in Frankreich ab 1.000 Euro.

Die Begründung der EU-Kommission erläuterte EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuiness bei der Präsentation der Anti-Geldwäscherichtlinie so: „Die Schlupflöcher, die Kriminelle nützen, müssen geschlossen werden. Hinter schmutzigem Geld stehen schreckliche Verbrechen.“

Denn gewiefte Geldwäscher wissen: Beim Autohändler, beim Juwelier, am Kunstmarkt – noch immer kann man hierzulande große Bargeldsummen auf den Tresen legen.

Dabei beharrt die Kommission: „Das ist kein generelles Bargeldverbot. Bares bleibt wichtig,  aber Bares muss auch sauber sein.“

140 Milliarden Euro,
also etwa ein Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Europas, werden jedes Jahr in der EU „gewaschen“. Das Geld stammt u. a. aus dem Menschen- und Drogenhandel, Raub, Kunstdiebstahl, Terrorfinanzierung.

Neue Kontrollbehörde
Eine neue EU-Agentur (AMLA) soll die 27 nationalen Geldwäscheaufsichten besser vernetzen und auch kontrollieren.

 

Und Bargeldzahlungen zwischen Privatpersonen bleiben in jeder beliebigen Höhe erlaubt.

In Österreich aber läuten alle Alarmglocken. Groß sind die Befürchtungen, das schleichende Ende von Münzen und Scheinen könnte nahen. Finanzminister Gernot Blümel sagte in einer ersten Reaktion „ein klares Ja zum Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, aber auch „ein ebenso klares Nein zu Angriffen auf das Bargeld.“

In keinem anderen EU-Land ist Bares beliebter als in Österreich: Knapp vier Fünftel aller Zahlungen leisten die Österreicher in bar. Der Wert der in Scheinen und Münzen geleisteten Transaktionen beträgt 58 Prozent aller Zahlungen – so viel wie in keinem anderen europäischen Land.

Volksbegehren

Und das soll auch so bleiben, wenn es nach dem Ergebnis eines laufenden Volksbegehrens geht. Seit Juni haben 128.000 Österreicher „für eine uneingeschränkte Bargeldzahlung“ unterschrieben.

Was die Österreicher am Bargeld besonders schätzen, ist die Anonymität beim Zahlen. Wer seine Einkäufe bar erledigt, bleibt ohne elektronischen Fußabdruck. Dahinter steht die Sorge: Wenn nachvollziehbar ist, welches Brot man beim Bäcker mit der Karte bezahlt hat, ist es zum gläsernen Menschen nicht mehr weit.

Bargeldlos beim Bäcker

Dabei hat Bäcker Martin Auer ganz andere Erfahrungen gemacht. Als er vor drei Jahren in der Grazer Zinzendorfgasse eine Filiale eröffnete, in der man nur bargeldlos zahlen kann, wurde er zunächst beschimpft.

Allmählich aber erwies sich das Konzept als so erfolgreich, wie dem KURIER bestätigt wurde, dass auch ein zweiter, bargeldloser Standort eröffnet wurde. Alle Filialen umzustellen wagt Auer nicht. „Wir wissen um die große Affinität der Österreicher zum Bargeld.“

Kryptowährungen

Statt „willkürliche Bargeldgrenzen einzuziehen“, sei es wichtiger, Kryptowährungen zu regulieren, fordert Blümel.

Das steht in Brüssel aber ohnedies auch auf dem Plan: Krypto-Anbieter müssen künftig Daten über Sender und Empfänger von Transfers den Behörden liefern.

Geplant ist zudem die Schaffung einer Anti-Geldwäschebehörde, um deren Hauptsitz noch gerungen wird.

 

 

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