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Wirtschaft
04/03/2019

Auch "Game of Thrones" war am Anfang "kein Massenphänomen"

Die Programmchefin von Sky Deutschland, Elke Walthelm, über das Ende von „GoT“ und warum Hits künftig in Nischen zu finden sein werden.

von Georg Leyrer

Westeros liegt im deutschsprachigen Raum im Himmel – bzw. bei Sky. Hierzulande ist die Hitserie von HBO nämlich über den Pay-TV-Anbieter zu sehen, die neuen Folgen gibt es jeweils schon am Tag nach der US-Erstausstrahlung fürs europäische Publikum. Sky – traditionell bei den Abos stark sportgetrieben – hat sich zuletzt mit Vorzeige-Eigenproduktionen wie „Das Boot“ und „Babylon Berlin“ sowohl im goldenen Serienzeitalter als auch für die Zeit nach „Game Of Thrones“ positioniert.

Die Programmchefin von Sky Deutschland, Elke Walthelm, erklärt im KURIER-Interview, warum.

KURIER: Bei HBO fürchtet man sich vor der Zeit nach „Game Of Thrones“. Ist das kommende Ende der Serie auch ein Problem für Sky?

Elke Walthelm: Nein. Natürlich werden die Fans traurig sein. Es ist aber auch natürlich, dass Geschichten irgendwann fertigerzählt sind. Unser Ziel ist es, andere Marken aufzubauen.

Ein großer Anspruch – angesichts der Riesenmarke.

GoT kommt jetzt in die achte Staffel. Die erste Staffel war auch nicht ganz so groß. Auch „Breaking Bad“ war nicht gleich ein Riesenerfolg. Wenn man sich überlegt, was alles in Hollywood produziert wird – ein Bruchteil davon schafft es überhaupt in eine zweite Saison. Das ist immer noch das Faszinierende an Fernsehunterhaltung: Den richtigen Zeitpunkt zu entdecken und ein Programm zu erstellen, auf das die Menschen reagieren.

Es heißt aber auch, dass so ein Riesending wie GoT gar nicht mehr entstehen wird, da die Serie lange Zeit mit aufwendigster Produktion und der Art, Geschichten zu erzählen, ein Alleinstellungsmerkmal hatte. Inzwischen aber ist das Angebot angewachsen. Braucht es überhaupt noch so einen Riesenhit, und suchen Sie nach dem?

Ja. Aber einen Hit kann man immer unterschiedlich definieren. Ein Hit ist abhängig von der Zielgruppe. GoT hatte am Anfang eine kleine Fanbase, das war kein Massenphänomen. Doch von Staffel zu Staffel ist die Fanbase angewachsen und damit sind natürlich auch die Zuschauerzahlen gestiegen. In Zukunft wird es immer mehr zielgruppenspezifische Hits geben, da sich keiner für alles interessiert.

Und keiner alles schauen kann.

Das Angebot an tollen Serien ist momentan wie Weihnachten und Ostern zusammen. Da kann nicht alles ein Mainstream-Hit werden. Und umso hochwertiger produziert und umso hochklassiger erzählt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Zielgruppe total begeistert – eine andere dafür aber nicht anspricht.

Wie viele eigene Serien-Produktionen planen Sie denn?

Unsere Vision ist es, bis zu acht Serien im Jahr zu produzieren. Dafür braucht es natürlich gute Ideen, denn wir produzieren nur, wovon wir hundertprozentig überzeugt sind. Bei Sky geht es uns nicht um Masse, wir wollen Qualität produzieren.

Vieles an Qualität ist ja jetzt erst möglich, es ist ein neuer Serienmarkt entstanden.

Das Fernsehen hier wurde lange Zeit vom öffentlich-rechtlichen Erzählen geprägt. Das war stark episodengetrieben – man wusste am Ende, wer der Mörder war, oder dass alle einander wieder lieb haben. Wir konnten anfangs vieles nicht erzählen, auch, weil wir die Autoren nicht fanden, die so schreiben konnten – horizontal, dunkler, mit einer ganz anderen Charakterentwicklung.

Wie ist Erfolg für Sie messbar?

Anders als im Free TV geht es bei uns nicht um die Quote einer einzelnen Ausstrahlung. Bei „Babylon Berlin“ hatten wir über zwei Millionen Zuschauer, wir haben unsere Abonnenten damit erreicht. Wir fragen aber auch die Kunden: War das der Grund, Sky zu abonnieren? Oder dabei zu bleiben?

Lohnt sich das finanziell?

Was wir wollen: Kunden gewinnen und Kunden halten. Ein einzelner Film schafft das vielleicht nicht, auch nicht eine einzelne Serie oder einzelnes Fußballspiel. Es ist die Kombination von exklusiven Inhalten. Und die Vielfalt. Wir können gar nicht so viel produzieren, dass es da nur um Eigenproduktionen gehen kann.

Die sind eine hohe Investition.

Ja. Aber wir investieren sehr viel auch in unsere Lizenzen und Partnerschaften, wie etwa mit HBO oder Showtime. Unsere Eigenproduktionen gehören uns dann auch, das ist einzigartiger Content – und Grund, zu Sky zu kommen. Bei einer pro Jahr wäre das ein bisschen schwierig. Unsere Strategie ist, dass es bei Sky permanent Einzigartiges zu sehen gibt – das kann eine Eigenproduktion von uns, von Sky UK oder Sky Italien sein, oder das Finale von „Game Of Thrones“.

Und wie geht es Ihnen mit der Piraterie?

Piraterie ist nach wie vor ein Problem. Es wird nicht genug getan, um das zu bekämpfen. Ich bin immer wieder schockiert, was alles auf legalen und illegalen Internetseiten zu finden ist. Und die verdienen Geld damit, weil sie Werbung vorschalten. Diese Geschäftspolitik ist fragwürdig.

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