epa03588718 Austrian Natascha Kampusch appears on the ARD television talk show 'Guenther Jauch' at the Gasometer in Berlin, Germany, 17 February 2013. The show's topic was 'Kidnapped and abused - How successful is life afterwards?'. In March 1998, Kampusch was abducted at the age of ten, and was held captive in a cellar for eight and a half years. She managed to escape from captivity on 23 August 2006. EPA/PAUL ZINKEN

© APA/PAUL ZINKEN

3096 Tage
02/24/2013

Kampusch ist wieder weltweites Medienthema

Am Montag hat „3096 Tage“ in Wien Premiere. Der Film sorgt international schon vorab für großes Aufsehen – mit allen Vor- und Nachteilen.

von Georg Leyrer

Was haben so unterschiedliche Medien wie die Zeitung El Espectador aus Uruguay, Radio Sarajevo und das US-Branchenblatt Variety gemeinsam? Sie alle haben in den vergangenen Tagen über Natascha Kampusch berichtet. Der österreichische Entführungsfall sorgt wieder für internationale Schlagzeilen. Jeder griffige Interviewsatz von Kampusch wird medial bis ins Detail interpretiert, jedes Bild der jungen Frau analysiert.

Anlass ist diesmal der Kinofilm „3096 Tage“, der am 28. Februar regulär in die Kinos kommt und am morgigen Montag in Wien seine Uraufführung feiert. Darin werden, abgesegnet von Kampusch selbst und basierend auf ihrer Autobiografie, Entführung und jahrelange Gefangenschaft der Wienerin auf die Leinwand gebracht.

Kampusch kündigte an, bei der Premiere selbst anwesend zu sein. Und wo das ehemalige Entführungsopfer derzeit ist, sind die Journalisten nicht weit: Mehr als zwei Dutzend internationale Kamerateams haben sich für die Gala in Wien angemeldet.

Dreifachpremiere

Auch die Aufmerksamkeit für den Film selbst, der als das Vermächtnis des deutschen Großproduzenten Bernd Eichinger gilt, ist gewaltig. Nach der Wiener Uraufführung gibt es noch Premieren in München und Berlin. Kampusch wird von Antonia Campbell-Hughes dargestellt, der Film spielt zu einem guten Teil im klaustrophobischen Verlies. Wie und ob sich das künstlerisch ausgeht, ist derzeit noch (mehr oder weniger) geheim: Journalisten, die den Film vorab gesehen haben, dürfen erst kurz vor der Wiener Premiere ihre Meinung dazu äußern – je später das Urteil der Kritik feststeht, desto länger lässt sich spekulieren. Trotzdem überschlagen sich die Boulevard-Medien und auch seriöse Blätter schon mit Vorab-Kritiken und Berichten darüber, was der Film jetzt alles beweist, erstmals zeigt – oder doch „eine Nuance anders“ darstellt, als es wirklich war, wie Kampusch betont. Dass alle Bilder, so nah sie auch an der Realität sein mögen, letztlich Fiktion bleiben, wird da gerne beiseite gewischt: Jedes bekannte Detail aus dem Film wird als aufschlussreiches Indiz aufgefasst.

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So viel mediale Präsenz bleibt heutzutage jedenfalls nicht ohne Schattenseiten: Gehässige Kommentare in Online-Foren und Social Media begleiten die Medienoffensive von Kampusch zum Film.

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