Wirtschaft
18.07.2018

Asien statt USA: EU sucht sich neue Handelspartner

Der Stellenwert von Japan und China für die EU steigt: Kann verstärkter Handel in Asien den US-Markt ersetzen?

„Alles fällt so leicht, wenn du in Japan groß im Geschäft bist“, sang die Popgruppe Alphaville in ihrem 80er-Jahre-Hit „Big in Japan“. Das wäre ein gutes Motto für die EU: Am Dienstag wurde in Tokio das EU-Handelsabkommen mit Japan (auf Englisch kurz: JEFTA oder JEPA) unterzeichnet. Es ist der bisher umfassendste EU-Vertrag – das Handelsvolumen ist doppelt so groß wie mit Kanada (CETA).

Als Geburtshelfer darf sich der feindselige US-Präsident fühlen. Seit 2013 hatten sich die Verhandlungen dahingeschleppt, weil die EU und Japan Wichtigeres zu tun hatten. Dann kam Donald Trump und stieg aus dem USA-Pazifik-Abkommen (TPP) sowie den Verhandlungen mit der EU (TTIP) aus. Die verschmähten Partner entdeckten die Zuneigung füreinander neu – und schon im Juli 2017 waren Brüssel und Tokio handelseins.

Die EU will nun den Handel mit China ebenso rasch vertiefen. Mit Neuseeland und Australien wird verhandelt, mit Südkorea, Singapur und Vietnam ist man schon länger handelseins. Kann das Kalkül aufgehen, Trumps Zolleskapaden durch Geschäfte im boomenden Asien abzufedern? So logisch das klingen mag: Skepsis ist angebracht.

Stockende Verhandlungen

Was die EU-Granden am Montag in Peking ausgetauscht haben, waren Absichtserklärungen. Bis es einen Investitionsdeal und eine Marktöffnung in China gibt, wird viel Wasser den Yangtse hinabfließen.

Volumen

Der Handel mit den USA spielt in einer anderen Liga. Im Vorjahr exportierten die 28 EU-Länder dorthin Waren um 376 Milliarden Euro. Nach China waren es 198 Milliarden, nach Japan nur 60 Milliarden. Um die Exporte in die USA zu egalisieren, müsste man somit noch Südkorea, Hongkong und Singapur dazurechnen.

Arge Praktiken

Dass sich China für die Welthandelsorganisation (WTO) in die Bresche wirft, ist nicht besonders glaubwürdig. Schließlich hatte die EU erst im Juni die Chinesen dort angezeigt. Sie wirft ihnen dasselbe vor wie Trump: erzwungenen Know-how-Transfer, Patentdiebstahl, Diskriminierung ausländischer Firmen. Der feine Unterschied: Trump verhängte in Wildwest-Manier selbst Strafzölle, die EU geht den offiziellen Klagsweg.

Geschlossene Gesellschaft

China ist stärker abgeschottet, als es die USA je waren. Manche Bereiche sind für Ausländer völlig versperrt. Die Streitpunkte reichen von Stahl-Überkapazitäten über Dumpingpreise oder unfaire Subventionen für Staatskonzerne bis hin zu Pekings gezielten Versuchen, die EU durch Investments in Osteuropa zu spalten. Bei den Zolltarifen ist auch viel Luft nach unten: In China betragen diese für WTO-Länder im Schnitt 9,3 Prozent. In den USA lag dieser Wert (vor Trump) bei 4,8 Prozent, in der EU bei 6,3 Prozent.

Juncker bei Trump

Der neue Asien-Fokus der EU birgt übrigens eine ironische Note. Als Trump-Vorgänger Barack Obama 2011 bei einer Rede in Australien einen Strategieschwenk der USA in Richtung Asien-Pazifik-Region ankündigte, war in Europa die Sorge groß, die EU würde künftig links liegen gelassen. Dass ein US-Präsident (Trump) die EU jemals als „Feind“ abstempeln könnte, wäre damals noch undenkbar gewesen.

Am Mittwoch, den 25. Juli, darf sich nun Kommissionschef Jean-Claude Juncker um bessere transatlantische Beziehungen bemühen: Er ist bei Trump im Weißen Haus in Washington zu Gast, wie die EU-Kommission am Dienstag bestätigte