Arbeitslosig­keit im Dezember um 6,9 Prozent gestiegen

Suche nach Arbeit als Graffito
Foto: dpa/Carsten Rehder "Ich arbeite gerne! - Ich will Arbeit!" Ob die Arbeitssuche des Sprayers erfolgreich war, ist nicht bekannt.

Ende 2012 hatten mehr als 385.000 keinen Job. Dieses Jahr dürfte die Zahl weiter ansteigen.

Die Schuldenkrise, der Wachstumsknick in Europa und der frühe Wintereinbruch haben auf dem österreichischen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Im Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen um 6 Prozent auf 322.981. Dazu kommen 62.457 Arbeitnehmer – eine Steigerung um fast 12 Prozent –, die an Schulungen des Arbeitsmarktservices teilnehmen. In Summe hatten 385.438 Personen keinen Job, um 6,9 Prozent mehr als noch Ende 2011.

Hauptverantwortlich für den Anstieg der Arbeitslosigkeit sind die schwache Konjunktur und der frühe Wintereinbruch. Wegen der tiefen Temperaturen in der ersten Dezemberhälfte stieg vor allem die Arbeitslosigkeit am Bau deutlich, sie ist für ein Fünftel des Arbeitslosen-Zuwachses verantwortlich. Zusätzlich drückt die Rezession im Euro-Raum auf die heimischen Exporte und die Arbeitsplätze in der Industrie. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in den klassischen Industrie-Bundesländern Oberösterreich und Steiermark fiel daher entsprechend hoch aus.

Erfreulich an den unerfreulichen Zahlen: In der EU ist Österreich mit einer Arbeitslosenrate von 4,3 Prozent (nach EU-Berechnung) weiterhin das Land mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit. Im Durchschnitt ist jeder zehnte EU-Bürger ohne Job. Und die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 8,5 Prozent hinter Deutschland (8,1 Prozent) die zweitniedrigste in der EU.

Tendenz steigend

Weniger erfreulich sind die Aussichten für das heurige Jahr. Das erwartete geringe Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent wird den Arbeitsmarkt nicht entlasten. Zwar wird die Zahl der Beschäftigten – die 2012 um 44.000 auf einen neuen Rekordstand von 3,47 Millionen angestiegen ist – weiter leicht zunehmen. Beschäftigtenrekord und gleichzeitig steigende Arbeitslosigkeit sind einerseits durch ein steigendes Arbeitskräfteangebot, andererseits durch das Zunehmen von Teilzeitjobs bedingt. Allerdings reicht das Wirtschaftswachstum nicht aus, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Die Zahl der Arbeitslosen wird daher – erwarten die Wirtschaftsforscher – im Jahresdurchschnitt auf knapp 280.000 ansteigen. 2012 waren es im Durchschnitt „nur“ 260.643 gewesen.

Um die Arbeitslosenzahlen weiter niedrig zu halten, fordert ÖGB-Chef Erich Foglar mehr Geld und Personal für das Arbeitsmarktservice. Das müsse für Weiterbildung und Höherqualifizierung der Arbeitslosen eingesetzt werden, um deren Job-Chancen zu erhöhen. Zusätzlich müssten verstärkt Investitionen in die Bereiche Bildung, Kinderbetreuung sowie Pflege und Gesundheit getätigt werden, um Jobs zu schaffen. Auch Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel forderte am Mittwoch mehr Geld für das AMS ein.

Bau Bei den Männern stieg die Arbeitslosigkeit um 6,8 Prozent, das hängt in erster Linie mit dem hohen Anstieg in der Bauwirtschaft zusammen. Auch die steigenden Arbeitslosenzahlen in der Industrie und bei Leiharbeitern ging zu Lasten der Männer.

Garantien Die niedrige Jugendarbeitslosigkeit für Jobeinsteiger im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ist eine Folge von Arbeitsmarktmaßnahmen wie Ausbildungsgarantie

(KURIER) Erstellt am
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