© APEIRON/Martin Steiger

Interview
04/16/2021

Apeiron-Chef: "Regierung muss uns mehr unter die Arme greifen"

Vorstandschef Peter Llewellyn-Davies über Finanzierungslücken beim Corona-Medikament aus Österreich

von Anita Staudacher

Die von Josef Penninger gegründete Wiener Biotech-Schmiede Apeiron ist heiß im Rennen um ein Covid-19-Medikament. Für die wichtige Phase-3-Studie wünscht sich CEO Peter Llewellyn-Davies mehr Unterstützung von Staat und Investoren.

KURIER: Wie lange wird die Pandemie noch dauern?

Peter Llewellyn-Davies: Ich glaube, es wird eine Endemie (Krankheit, die regelmäßig auftritt, Anm.). Wir werden durch die Mutationen eine ganz lange Zeit damit leben müssen. Zum Glück funktioniert unser Medikament auch gegen alle derzeit bekannten Mutationen, aber es werden weitere kommen ...

…Impfen allein reicht nicht?

Nein, der Impfstoff allein wird nicht reichen. Es gibt Menschen, die können sich nicht impfen lassen und viele wollen auch nicht oder haben keinen Zugang zum Impfstoff. Daher brauchen wir eine Therapie.

Wird es nächstes Jahr schon Corona-Medikamente geben?

Ich denke, dass es mehrere Produkte mit unterschiedlichen Ansätzen geben wird. Unsere Zielgruppe sind all jene, die mit einer Covid-Erkrankung schon im Krankenhaus sind. Unser Mittel soll verhindern, dass sie in die Intensivstation kommen.  

Das Apeiron-Medikament APN01 hat die Phase-2-Studie abgeschlossen. Wie geht es jetzt weiter?

Wir rechnen nicht damit, dass wir eine Notfallzulassung bekommen werden, daher müssen wir eine weitere Studie abschließen. Wir sprechen gerade mit diversen Investoren, Banken und dem Bund über die Finanzierung.

Wie viel Geld benötigen Sie für die Phase-3-Studie?

Da reden wir von 15 bis 20 Millionen Euro.

Sie haben schon sehr viel Geld von Investoren wie Franklin Road oder VIG eingesammelt. Reicht das nicht?

Das Geld war für die Phase-2-Studie. BioNtech bekam eine namhafte Summe vom deutschen Staat für die Entwicklung des Impfstoffes, das fehlt uns hier in Österreich einfach. Wir sind dazu in Gesprächen mit der Regierung 

Wir vermuten, dass wir bis Jahresende schon erste Ergebnisse aus der Phase-3-Studie haben werden. 

Peter Llewellyn-Davies

Wie lange wird die Phase-3-Studie dauern und mit wem wird sie umgesetzt?

Wir vermuten, dass wir bis Jahresende schon erste Ergebnisse aus der Phase-3-Studie haben werden. Wo sie stattfinden wird, hängt von den Partnern ab. Wie reden auch mit Pharmafirmen. Wenn das Geld aus den USA kommt, wird die Studie halt in den USA sein. In der Phase 2 haben wir viel in Österreich gemacht, weil wir auch viel Fördergeld erhalten haben.

Was wünschen Sie sich von der Regierung?

Die muss uns mehr unter die Arme greifen, wie in anderen Ländern auch. Biontech bekam eine namhafte Summe vom deutschen Staat für die Entwicklung des Impfstoffes, das fehlt uns hier in Österreich einfach. Ich rege die Schaffung eines eigenen Fonds für die Biotech-Industrie mit staatlicher Beteiligung, etwa über die ÖBAG, an. Daran könnten sich auch Private beteiligen.

Was hat der Steuerzahler davon, dass der Staat hochriskante Biotech-Investments tätigt?

Ganz viel. Mehr Innovation und Beschäftigung in der Branche, mehr Investments in neue Technologie. Derzeit fließt sehr viel Unterstützungsgeld in die Wirtschaft, um sie aufrecht zu erhalten. Aber wir müssen auch etwas gegen die Ursachen der Pandemie tun und langfristig denken. Wenn wir schon vor fünf Jahren mehr in die Medikamenten-Entwicklung investiert hätten, würde die Branche jetzt stärker dastehen.

 Ich hätte kein Problem damit, dass Österreich bei unserem Medikament an erster Stelle kommt.

Peter Llewellyn-Davies

Wären Sie damit einverstanden, dass der Staat als Gegenleistung ein Vorkaufsrecht auf das Medikament erhält?

Natürlich. Ich hätte kein Problem damit, dass Österreich bei unserem Medikament an erster Stelle kommt. Wir müssen aber auch die Sicherheit bekommen, dass die Mengen abgenommen werden. Aber wir haben in der EU derzeit einen zentralen Einkauf, daher ist dieses Thema sehr vielschichtig…

Würden Sie auch in Österreich produzieren? Wo?

Ja, absolut. Es wäre uns nichts lieber, als in Österreich zu produzieren. Wir wären auch bereit, in eine eigene Produktion zu investieren. Was wiederum vom Geld abhängt ...

Apeiron könnte auch Geld über die Börse einsammeln. Wäre nicht jetzt der beste Zeitpunkt dafür?

Ein Börsengang ist eine Option. Aber das braucht einige Monate Vorbereitung. Wie Marinomed zeigt, ist es durchaus möglich, hier in Österreich einen erfolgreichen Börsengang zu machen. Ich bin in guten Gesprächen mit der Wiener Börse. Wir brauchen aber auch hier die Investoren.

Branchenverband
Österreichs Biotech-Industrie umfasst ca. 150 Firmen mit 2.000 Beschäftigten. Die neue  Lobby  hat  dzt. 37 Mitgliedsbetriebe,  von Start-ups  bis zu Börsenfirmen wie Marinomed. Heute, Freitag, findet unter biotechaustria.org die Gründungsveranstaltung mit einer Rede von Biontech-Mitgründer Christoph Huber statt.

Peter Llewellyn-Davies 
Der 62-Jährige ist Präsident der Biotech Austria und seit 2017 Vorstandsvorsitzender der von Josef Penninger gegründeten Wiener Apeiron Biologics.    

Sie haben mit der „Biotech Austria“ eine eigenen Interessensvertretung gegründet. Warum?

Nicht nur wir, alle Biotech-Unternehmen kämpfen um Gelder. Die Pandemie war ein Warnsignal dafür, dass die Biotech-Branche in Österreich zuwenig sichtbar für Investoren ist. Unternehmen wie Biontech oder Moderna könnte es auch in Österreich geben, wenn wir schon vor fünf Jahren damit begonnen hätten, Brücken zwischen Grundlagenforschung und Medikamentenentwicklung zu schlagen. Stattdessen werden Millionen in Bitcoin investiert, obwohl das Verlustrisiko dort enorm hoch ist.

Fühlen Sie sich vom Pharmaverband Pharmig nicht ausreichend vertreten?

Wir arbeiten eng mit der Pharmig zusammen, aber sie vertritt die pharmazeutische Industrie und deren Themen sind andere. Für die heimische Biotech-Firmen, die hier gegründet wurden und von lokalen Managern geführt werden, gab es bisher keine Vertretung. Wir haben Start-ups genauso dabei wie Börsefirmen wie Marinomed. Wir sind jetzt 37 Mitgliedsfirmen bei der Biotech Austria. Einige davon forschen an Covid-19-Medikamenten. Es gibt aber noch viele andere wichtige Themen in der Biotech-Industrie wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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