© REUTERS/HENRY NICHOLLS

Wirtschaft
03/03/2020

Angebliche Kinderarbeit für Starbucks und Nespresso sorgt weiter für Wirbel

Hollywoodstar George Clooney nimmt Stellung. Er ist das hochbezahlte Gesicht für die Nespresso-Werbekampagnen.

von Wolfgang Unterhuber

Nach einem Fernsehbericht über angebliche Kinderarbeit auf guatemaltekischen Kaffeeplantagen will der Präsident des mittelamerikanischen Landes eine Gesetzesänderung initiieren.

Im britischen Fernsehsender Channel 4 wurde ein Film ausgestrahlt, der angeblich zeigte, wie Kinder in Guatemala Kaffee ernteten, der für den Verkauf durch Starbucks und Nespresso bestimmt war. Nespresso gehört dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle.

"Große Fortschritte"

Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei betonte jetzt in einer Pressekonferenz, sein Land habe große Fortschritte im Kampf gegen die Kinderarbeit gemacht.

Er beklagte, die Vorwürfe gefährdeten die Existenz der rund 500.000 Guatemalteken, die vom Geschäft mit dem Kaffee lebten.

Er verkündete aber auch die Gründung einer Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe unter Mitwirkung des Außenministers und des Wirtschaftsministers.

Giammattei kündigte außerdem an, einen aus dem Jahr 2014 stammenden Gesetzesentwurf, der unter anderem eine Erhöhung des Mindestalters für Erwerbstätigkeit von 14 auf 16 Jahre vorsieht, wieder im Parlament einzubringen.

Nespresso untersucht

Nespresso, das zum Nestle-Konzern gehört, teilte inzwischen mit, umgehend Untersuchungen angestoßen und Maßnahmen ergriffen zu haben, als es von den Vorwürfen erfahren habe.

Der Schweizer Mutterkonzern von Nespresso, Nestle, ist in den letzten Jahren immer wieder mit Vorwürfen der Kinderarbeit, etwa auf Kakaofarmen, konfrontiert worden.

Nespresso veröffentlichte nun zu den neuerlichen Vorwürfen ein langes Statement auf seiner Website.

Der Kaffeekapselgigant, der stolz darauf hinweist, Kaffeebohnen auf „ethische Weise“ zu produzieren, sagte, dass er keinen Kaffee mehr von Farmen in einigen Gebieten Guatemala kaufen werde.

Kinderarbeit „inakzeptabel"

Guatemala ist der zehntgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Der Konzern bezeichnete die Kinderarbeit als „inakzeptabel“ und sagte auch, dass er eine Untersuchung gestartet habe, um die Kaffeefarmen, denen vorgeworfen wird, Kinder für die Arbeit einzusetzen, zu identifizieren.

Vor allem werde der Ankauf von Kaffee aus der betroffenen Region angehalten, bis man sicher sein könne, dass es dort keine Kinderarbeit gebe.

Starbucks dementiert


Starbucks sagte der britischen Zeitung "The Guardian", es habe die Vorwürfe untersuchen lassen.

Dies habe ergeben, dass das US-Unternehmen keinen Kaffee von den Plantagen, die im Film vorkommen, angekauft habe.

Clooney überrascht und traurig

Hollywoodstar George Clooney ist ebenfalls betroffen. Seit 2006 ist Clooney das hochbezahlte Gesicht für die Nespresso-Werbekampagnen.

Er sitzt bei der Kaffeemarke auch im Beirat für Nachhaltigkeit. Der Beirat soll sicherstellen, dass der Kaffee von gut geführten und nachhaltigen Kaffeefarmen stammt. Clooney wird übrigens demnächt auf einem Kongress in Wien auftreten.

 

Kinderarbeit passt auch nicht in das durch Clooney repräsentierte saubere und politisch korrekte Image von Nespresso.

Offenbar habe man noch „viel Arbeit zu erledigen“, so Clooney gegenüber dem Independent. „Wir wussten, dass es ein großes Projekt ist, als wir vor sieben Jahren starteten“, sagte der Oscar-Gewinner über den Beirat.

„Und ehrlich, ich war überrascht und traurig, diese Geschichte zu sehen“, so Clooney weiter über die Rechercheergebnisse von „Dispatches“.

Politisch stark engagiert

Der für sein politisches und soziales Engagement bekannte Clooney hatte letztes Jahr gegen ein Gesetz, das die Todesstrafe für Homosexuelle im Sultanat Brunei in Südostasien vorsieht, Stimmung gemacht.

Clooney rief damals zum Boykott der Luxushotels des Landes auf, um den Tourismus zu stören. Das Land hatte daraufhin bekanntgegeben, die Todesstrafe gegen Homosexuelle nicht vollziehen zu wollen.

Seine Ehefrau, die bekannte Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, vertritt unterdessen die Malediven in der Klage gegen Myanmar wegen der Verfolgung der Rohingya-Minderheit vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag.

 

 

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