Andritz-CEO: "Sehen weltweit riesigen Bedarf an Wasserkraft"
Ein Andritz-Generator wird im Wasserkraftwerk Simon Bolivar bei Guri, Venezuela, installiert.
Der Umsatz ist um 5 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro gesunken, das Konzernergebnis um 7,9 Prozent auf 457,1 Millionen Euro. Der Auftragsstand hat mit 10,45 Milliarden Euro ein Rekordhoch erreicht, dennoch sackte der Börsenkurs sofort um über 5 Prozent ab. Direkt nach der Präsentation der Geschäftszahlen 2025 hat Andritz-CEO Joachim Schönbeck mit dem KURIER gesprochen.
KURIER: Der Umsatzrückgang 2025 wird auch auf Wechselkursverluste zurückgeführt. Wie schwerwiegend waren die?
Joachim Schönbeck: Sie waren in der Größenordnung um 220 Millionen Euro, das würde ich schon signifikant nennen. Es ist ein buchhalterischer Effekt, es ist deswegen nicht weniger ausgeliefert worden. Der starke Euro machte lediglich Umsätze, die in US-Dollar, chinesischen Yuan oder brasilianischen Reals vorgelegt wurden, weniger wert. Wir wollen das nicht schönreden, aber es ist in keiner Weise etwas, das uns besorgt.
Der Auftragsbestand ist auf einem Rekordhoch. Wie lange wird es dauern, um die Aufträge abzuarbeiten? Wird dafür die Belegschaft aufgestockt?
Das ist in den verschiedenen Geschäftsbereichen sehr unterschiedlich. Über 40 Prozent der Aufträge sind im Wasserkraftgeschäft. Dort sind Aufträge relativ langläufig, zwischen drei und fünf Jahren. Das gibt eine solide Auslastung. In Weiz und Linz stellen wir Mitarbeiter ein, weil mehr Generatoren produziert werden. In den Bereichen Metals und Environment & Energy müssen wir die Kapazitäten global weiterhin anpassen.
Joachim Schönbeck leitet Andritz seit 2022.
In Österreich steigen die Autoverkäufe wieder. Hilft das dem Bereich Metals?
Alles, was der Automobilindustrie hilft, hilft mittelfristig auch uns. Wir wissen aus Erfahrung, dass eine Talsohle enden wird und dann wird wieder investiert. Aber wenn die Märkte zurückkommen, dann sicher in einer anderen Form und auch regional woanders.
Wird es eine Verlagerung nach China geben?
Aus dem Strukturwandel der Automobilindustrie wird Europa sicher nicht gestärkt hervorgehen. China wird mit den Kapazitäten, die dort aufgebaut wurden, sicher eine Rolle spielen, die es vor fünf Jahren noch nicht hatte.
Wirkt sich der aktuelle Iran-Konflikt auf Andritz aus?
Wir haben kein Geschäft mit dem Iran. Der Umsatzanteil im Mittleren Osten ist mit etwa einem Prozent so gering, dass wir keinen relevanten Einfluss sehen.
In Europa wird der Green Deal abgeschwächt. Spürt Andritz das?
Ja, das spüren wir stark, insbesondere im Bereich Environment & Energy. Bei Technologien für die grüne Transformation, wie die Erzeugung von grünem Wasserstoff oder der CO2-Abscheidung, gibt es eine große Nachfrage, aber wegen fehlendem Rechtsrahmen keine Investitionsentscheidung. Aber das Interesse am Markt ist da.
Wie läuft es weltweit beim Erneuerbaren-Ausbau?
Wir sind da in erster Linie bei Wasserkraft aktiv. Da sehen wir weltweit einen riesigen Bedarf, auf allen Kontinenten. In Europa ist die bereits installierte Basis größer, da passiert aber sehr viel Modernisierung. In Südamerika, Asien und Afrika sehen wir dagegen viel Neubau, sowohl bei der Stromerzeugung, als auch bei Speicherung und Netzstabilisierung. Das sind enorme Wachstumstreiber für uns.
Andritz-Technologie wird weltweit eingesetzt, etwa im Pumpspeicherkraftwerk Abdelmoumen in Marokko.
Auch der Zellstoffbereich scheint gut zu laufen. Wodurch kann Andritz hier punkten?
Wir sind die klare Nummer eins am Weltmarkt. In China statten wir fünf komplette Fabriken aus. Die chinesische Papierindustrie macht gerade eine Rückwärtsintegration. Zellstoff wird selbst aus Holzstämmen produziert, anstatt zugekauft. Von diesem Trend profitieren wir.
In Österreich gibt es einige Bemühungen, die Industrie zu stärken. In welchen Bereichen müsste aber noch nachgebessert werden?
Die Lohnkosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Das haben wir an Produktivität nicht aufgeholt. Das schadet der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. Was immer das korrigiert, ist sicherlich dringend notwendig.
Ihr Vertrag ist bis 2032 verlängert worden. Wie finden Sie das?
Darüber bin ich dankbar und froh. Andritz ist eine großartige Firma und ich habe noch viele gute Ideen. Ich fühle mich nicht so altersschwach, wie ich aussehe.
Wo wird Andritz im Jahr 2032 stehen?
Ich glaube, dass wir ein großer Partner für die grüne Transformation der Energie in Europa und weltweit sein werden, und im Bereich Zellstoff und Papier dann weltweit die Nummer eins.
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